Wie in Buch im Wirtshaus Skier entstehen

Vorarlberg / 15.10.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Patrick (li.) und Marcel Eberle mit ihren Skiern "Made im Wirtshaus". In Buch können Kunden in Workshops Skier selbst fertigen. VN/Sams
Patrick (li.) und Marcel Eberle mit ihren Skiern „Made im Wirtshaus“. In Buch können Kunden in Workshops Skier selbst fertigen. VN/Sams

Skier zum Selbermachen: In 20 Arbeitsstunden sind die individuellen Sportgeräte fertig.

Buch Der Dorfgasthof Schneiderkopf hat eine lange Geschichte. Mit dem Pensionsantritt der Wirtsleute vor gut fünf Jahren war allerdings sein Ende besiegelt. Die wirtschaftlichen Perspektiven im 550-Einwohner-Dorf waren wenig ermutigend. Das wußten auch die beiden Enkel der langjährigen Besitzer. Marcel (40) und Patrick (42) Eberle hatten andere Pläne. Die einstige Gaststube sollte einer Skiproduktion weichen. In unmittelbarer Nähe des kleinen Lifts, an dem die beiden begeisterten Skiinstruktoren ihre ersten Schwünge machten, „backen“ sie seit heuer eigene Skier. Nach drei Jahren intensiver Vorbereitungen entstehen individuell gefertigte Hightechsportgeräte.

In 20 Arbeitsstunden bauen Workshopteilnehmer ihre Skier selbst.
In 20 Arbeitsstunden bauen Workshopteilnehmer ihre Skier selbst.

„Wir haben selbst an einem Workshop zum Skibau teilgenommen“, erinnert sich Marcel an die Initialzündung. Seither tüftelten die beiden an geeigneten Maschinen, testeten unterschiedliche Materialien und bauten den Traditionsgasthof zur kleinen Produktionsstätte um. Die ersten Skier haben die Erwartungen mehr als erfüllt. In Sachen Qualität liege man auf Augenhöhe mit den bekannten Marken. Der große Unterschied: Jedes Exemplar ist ein Unikat, angefertigt nach Bedürfnis und Geschmack der Kunden. „Die Individualisierung endet nicht beim Design, sondern beinhaltet auch die gewünschten Fahreigenschaften“, so Patrick Eberle.

Handwerkliches Grundgeschick

Es wird laut in der einstigen Gaststube. Zuvor verleimtes Eschenholz wird in der Hobelmaschine sorgfältig bearbeitet. Die Kanten sind bereits an den Belag geklebt. Schicht für Schicht kommt in die Pressform, wird laminiert und im Ofen gebacken. „Kanten schleifen, wachsen und ab auf die Piste“, beschreibt Marcel Eberle einige der Abläufe. Ganz so schnell geht es freilich nicht, übertrieben kompliziert ist die Fertigung – handwerkliches Grundgeschick vorausgesetzt – aber auch nicht. „Wer einen Ikea-Kasten zusammenbauen kann, der kriegt das auch hin“, sagt Bruder Patrick mit einem Schmunzeln. 20 Stunden sind für die Fertigung vorgesehen. Das gehe freilich nur, weil einiges an Vorarbeit bereits geleistet worden ist.

Im Vordergrund ist der Belag. Die Kanten wurden sind bereits angeklebt.
Im Vordergrund ist der Belag. Die Kanten wurden sind bereits angeklebt.

In der Skimanufaktur ist alles vorbereitet. Die Workshops bis Weihnachten sind bereits gut gebucht. Mit den Skiern zum Selbermachen zielen die beiden Bucher in eine Nische. „Wir sind die Einzigen in einem Umkreis von 200 Kilometern, die das anbieten“, sagt Marcel Eberle. Ob es einmal der Brotberuf werden kann? „Mal schauen, wie es sich entwickelt“, so die beiden. Noch beschäftigen sie sich intensiv mit den Produkten. Gearbeitet wird an Innovationen, getüftelt wird mit unterschiedlichsten Materialien. Selbst an Echtstein-Oberflächen versuchen sie sich. Und wenn ein Kunde zwei linke Hände hat und lieber schleifen, sägen, kleben und fräsen lässt, dann springen die Experten selbst ein. Optional gibt es die Skier aus dem Wirtshaus auch fix und fertig – freilich ebenfalls nach den individuellen Ansprüchen gefertigt.

Informationen zum Unternehmen und den Workshopts: www.skimanufaktur.at