Helga Hörmann behauptet sich im Tankstellengeschäft

Vorarlberg / 22.10.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helga Hörmann führte nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2005 die Tankstelle beim Engel-Kreisverkehr in Lustenau weiter.
Helga Hörmann führte nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2005 die Tankstelle beim Engel-Kreisverkehr in Lustenau weiter.

Helga Hörmann ist seit mehr als 30 Jahren im Tankstellengeschäft.

Lustenau Eigentlich wollte Helga Hörmann (65) Modedesignerin werden. Deshalb besuchte die gebürtige Mellauerin die Textilschule. „Das war die schönste Zeit meines Lebens.“ Danach arbeitete die Schneidergesellin bei Firmen, die Skianzüge und Herrenhemden herstellten. Nebenher jobbte die junge Frau als Bedienung. „Das Kellnern taugte mir, weil ich mit vielen Menschen in Kontakt kam.“ Die alleinerziehende Mutter blieb in der Gastronomie hängen, besser gesagt im Gasthaus Engel.

1981 heiratete sie Walter, der die Tankstelle beim Engel-Kreisverkehr in Lustenau betrieb. Die Tankstelle wurde nun auch zu ihrer beruflichen Heimat. Auf ihr Drängen hin wurde 1988 ein Café eröffnet. Hörmann, die einige Jahre vorher die Konzessionsprüfung gemacht hatte, arbeitete „Tag und Nacht“ im Café. „Es war finanziell erfolgreicher als die Tankstelle.“ Als ihr Mann krank wurde, sprang sie ein. „Ich machte alles: Tankstelle, Café und Büro.“ 2005 starb Walter, der Vater ihres zweiten Sohnes. Seinen Tod verkraftete sie nur schwer. „Es war, als ob man mir das Herz herausgerissen hätte.“ Wochenlang suchte sie überall nach ihm. Sie konnte es nicht glauben, dass er tot war. „Damals fand ich zu Gott. Ich hatte Walter nicht mehr. Aber jetzt hatte ich den Herrgott. Ich brauchte jemanden.“

„Es ist egal, was du im Leben machst, ob du eine Tankstelle betreibst oder Mode entwirfst: Wichtig ist, dass du es mit Herz machst.“

Helga Hörmann, Tankstellenpächterin

Die Witwe kämpfte mit ihrem Sohn Marco um den Erhalt der Tankstelle, denn ihr Mann hatte Schulden hinterlassen. „Ich zahlte zwölf Jahre lang Schulden ab.“ Bis heute leistet sich die Unternehmerin nichts. „Ich bin froh, wenn ich ein Bett und genug zu essen habe.“ Sie fährt seit Jahren dasselbe Auto und macht nie Urlaub. Ihre karge Freizeit verbringt die Tankstellenpächterin in der Natur. Ich gehe mit dem Hund spazieren und füttere die Vögel.“

Hörmann bereut nicht, dass sie beruflich diesen Weg gegangen ist. „Es ist egal, was du im Leben machst, ob du eine Tankstelle betreibst oder Mode entwirfst: Wichtig ist, dass du es mit Herz machst.“ Die tüchtige Geschäftsfrau mag ihren Job. Denn: „Du kommst mit vielen Leuten in Kontakt.“ Aber er hat auch seine Schattenseiten. Mit dem Personal zum Beispiel hatte Hörmann schon oft Probleme. Einige Angestellte betrogen sie sogar. Auch vor Überfällen blieb ihre Tankstelle nicht verschont. „Vier Mal wurden wir überfallen. Ich war aber nicht da, als es passierte.“ Trotzdem weiß sie, wie sich Raubopfer fühlen. „Einmal schaute ich in einen Revolver. Ich dachte: ,Helga, jetzt kriegst du eine Kugel. Ich war starr vor Schreck.'“ Der „Überfall“ stellte sich als böser Scherz eines Fußballers heraus.

Helga Hörmann

Geboren 1. Februar 1954

Ausbildung Gastronomin, Schneidergesellin

Familie in Partnerschaft, zwei Söhne

Hobbys Natur, Spazierengehen, Vögel füttern