Ab dem Wochenende ist Europa wieder im Wintermodus

Vorarlberg / 25.10.2019 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ilse Hager, Landwirtin, Adelsgehr 1, Dornbirn: „Ich kann wohl die Uhr einfach umstellen und am nächsten Tag eine Stunde früher oder später in den Stall gehen, aber dann schauen mich die Kühe kritisch an und denken: Was will die? Das Euter ist darauf ausgelegt, in einer gewissen Zeit eine gewisse Menge Milch zu produzieren. Den meisten Stress haben die Kühe im Herbst, weil das Euter durch die eine Stunde mehr einfach praller gefüllt wird. Wir lassen es daher, wie bei den Kindern auch, langsam früher oder später werden. In einer Woche ist man dann wieder bei der normalen Zeit. Aber ich frage mich schon, warum wir das Mensch und Tier eigentlich antun.“

Die Zeitumstellung naht: Was die Vorarlberger davon halten.

Geraldine Reiner

Schwarzach Wenn es nach den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission gegangen wäre, dann hätten wir die Uhren im März dieses Jahres ein letztes Mal umgestellt. Die Staaten sollten dann selbst entscheiden, ob sie dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit wollen. Mittlerweile ist das Projekt allerdings ins Stocken geraten (siehe Seite A2). An diesem Wochenende steht uns daher der nächste Zeitsprung bevor, sprich: In der Nacht auf Sonntag (27. Oktober) werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt.

Franz Scheidl (55), Bauleiter bei Rhomberg Bau: "Auf der Baustelle ist die Winterzeit besser, weil es früher hell ist. Im Moment ist es so, dass du am Morgen fast eine Stunde verlierst, weil es so dunkel ist. Wenn der Himmel klar ist, dann geht es um halb acht schon, aber wenn es bewölkt ist, dann wird es fast acht, bis du wirklich etwas arbeiten kannst. Ich habe auch sonst kein Problem mit der Zeitumstellung. Ich bin ein Morgenmensch, von daher ist es schon feiner, wenn es am Morgen hell ist. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Winterzeit belassen, weil ich glaube, dass die Zeitumstellung vom Energie-Sparen her gar nichts bringt."
Franz Scheidl (55), Bauleiter bei Rhomberg Bau: „Auf der Baustelle ist die Winterzeit besser, weil es früher hell ist. Im Moment ist es so, dass du am Morgen fast eine Stunde verlierst, weil es so dunkel ist. Wenn der Himmel klar ist, dann geht es um halb acht schon, aber wenn es bewölkt ist, dann wird es fast acht, bis du wirklich etwas arbeiten kannst. Ich habe auch sonst kein Problem mit der Zeitumstellung. Ich bin ein Morgenmensch, von daher ist es schon feiner, wenn es am Morgen hell ist. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Winterzeit belassen, weil ich glaube, dass die Zeitumstellung vom Energie-Sparen her gar nichts bringt.“

Seit 1980

In Europa wurde die Sommerzeit 1973 anlässlich der Ölkrise eingeführt. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht gewonnen und dadurch Energie gespart werden. Frankreich machte den Anfang. In Österreich, der Schweiz und Deutschland wird seit 1980 zweimal jährlich an der Uhr gedreht. Die Uhren an Bahnhöfen, an Flughäfen oder bei Energieversorgern stellen sich automatisch um. „Sie aktualisieren im Halbminutenabstand auf die Sekunde genau. Dieser Prozess läuft automatisch ab“, erläutert ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair.

Marco David (46), Uhren Schmuck David, Bregenz: "Wir haben an die 1000 Uhren bei uns im Geschäft. Bis die alle umgestellt sind, dauert es ungefähr eine Woche. Das ist viel Arbeit und gibt eine Hornhaut auf den Fingern, aber Kreisky hat das eingeführt und unsere Uhren müssen halt stimmen, das ist eine alte Tradition. Man muss sich nur jedes Mal überlegen, ob man sie jetzt vor- oder zurückstellen muss; eine Mitarbeiterin hat einmal alle in die falsche Richtung gestellt. Die Umstellung ist sicher manchmal lästig, aber ich finde die Sommerzeit trotzdem besser. Wenn man die Zeitumstellung abschaffen würde, dann wären wir das ganze Jahr in der Winterzeit."
Marco David (46), Uhren Schmuck David, Bregenz: „Wir haben an die 1000 Uhren bei uns im Geschäft. Bis die alle umgestellt sind, dauert es ungefähr eine Woche. Das ist viel Arbeit und gibt eine Hornhaut auf den Fingern, aber Kreisky hat das eingeführt und unsere Uhren müssen halt stimmen, das ist eine alte Tradition. Man muss sich nur jedes Mal überlegen, ob man sie jetzt vor- oder zurückstellen muss; eine Mitarbeiterin hat einmal alle in die falsche Richtung gestellt. Die Umstellung ist sicher manchmal lästig, aber ich finde die Sommerzeit trotzdem besser. Wenn man die Zeitumstellung abschaffen würde, dann wären wir das ganze Jahr in der Winterzeit.“

Dahinter steckt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Sie betreibt mehrere Atomuhren und ist mit der Verbreitung der gesetzlichen Zeit beauftragt. Die Physiker sorgen dafür, dass über einen Zeitsender namens DCF77 in Mainflingen in der Nähe von Frankfurt am Main und Hanau ein Signal gesendet wird, das Millionen Uhren in Europa um eine Stunde zurückspringen lässt. Empfänger des Senders mit einer Reichweite von 2000 Kilometern nutzen das Signal und passen ihre Zeitanzeige automatisch an. Handarbeit ist hingegen bei Uhren Schmuck David in Bregenz angesagt. Bis die knapp 1000 Uhren im Geschäft umgestellt sind, dauert es ungefähr eine Woche, berichtet Inhaber Marco David.

Karin Kleinbichler (53), Haus des Kindes, Bregenz: "Es kann schon sein, dass die Kinder manchmal ein bisschen müder sind, gerade in der Früh, aber grundsätzlich merke ich bei ihnen durch die Zeitumstellung keinen großen Unterschied. Und bei mir selber merke ich es eigentlich auch nicht, weil ich mich mit dem Thema gar nicht so sehr beschäftige. Also, ich überlege nicht ständig und denke, dass es jetzt eine Stunde später wäre oder so. Das Einzige, was an der Winterzeit nicht so fein ist, ist, dass es am Abend schon dunkel ist, wenn man heimgeht."
Karin Kleinbichler (53), Haus des Kindes, Bregenz: „Es kann schon sein, dass die Kinder manchmal ein bisschen müder sind, gerade in der Früh, aber grundsätzlich merke ich bei ihnen durch die Zeitumstellung keinen großen Unterschied. Und bei mir selber merke ich es eigentlich auch nicht, weil ich mich mit dem Thema gar nicht so sehr beschäftige. Also, ich überlege nicht ständig und denke, dass es jetzt eine Stunde später wäre oder so. Das Einzige, was an der Winterzeit nicht so fein ist, ist, dass es am Abend schon dunkel ist, wenn man heimgeht.“

Nachtzüge machen Halt

Bei den ÖBB sind vorarlbergweit 196 Uhren betroffen, in ganz Österreich sind es über 4000. Die Zeitumstellung hat aber auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr: Wenn die Zeiger vom Sommer- in den Wintermodus springen, sind 22 Nachtreisezüge unterwegs. „Sie halten alle innerhalb dieser Stunde an einem geeigneten Bahnhof entlang der Reisestrecke und setzen ihre Fahrt anschließend im richtigen Takt plangemäß fort“, ergänzt Gasser-Mair.

Christoph Grabher (41), Stadtapotheke Bregenz: "Manchmal merken wir in der Apotheke schon, dass der eine Tag anders ist als der andere. Am ehesten führen wir es dann auf den Mond zurück. Wir können uns auch nicht immer erklären, warum die Leute manchmal launischer sind, oder es einfach Tage gibt, an denen alles komplizierter ist. Bei der Zeitumstellung selber hätte ich aber noch nie gespürt, dass es da einen Unterschied gibt. Ich persönlich halte es eigentlich für einen Vorteil, dass es durch die Winterzeit am Morgen wieder früher hell ist. Daher bin ich für die Beibehaltung der Zeitumstellung. "
Christoph Grabher (41), Stadtapotheke Bregenz: „Manchmal merken wir in der Apotheke schon, dass der eine Tag anders ist als der andere. Am ehesten führen wir es dann auf den Mond zurück. Wir können uns auch nicht immer erklären, warum die Leute manchmal launischer sind, oder es einfach Tage gibt, an denen alles komplizierter ist. Bei der Zeitumstellung selber hätte ich aber noch nie gespürt, dass es da einen Unterschied gibt. Ich persönlich halte es eigentlich für einen Vorteil, dass es durch die Winterzeit am Morgen wieder früher hell ist. Daher bin ich für die Beibehaltung der Zeitumstellung. „