Als die „große lange Hand“ kam

Vorarlberg / 06.11.2019 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein 39-Jähriger wird am Bezirksgericht beschuldigt, seine ehemalige Lebensgefährtin und deren Kinder misshandelt zu haben. SYMBOL/VN

Die Lebensgefährtin und Kinder verprügelt? Anklage gegen Stiefvater am Bezirksgericht Dornbirn.

Dornbirn Einst war es die große Liebe, doch heute lässt die 31-jährige Unterländerin kein gutes Haar mehr an ihrem 39-jährigen Verflossenen. Emotional äußerst erregt schildert sie als Zeugin am Bezirksgericht Dornbirn: „Er hat meiner fünfjährigen Tochter ins Gesicht geschlagen, sodass Abdrücke seiner Hand an ihrer Wange zu sehen waren! Er hat meinem kleinen Sohn mehrere Male das Bein gestellt, von der Couch runtergezogen, ihm auf den Oberschenkel geschlagen und seinen Kopf einmal auf den Suppenteller gedrückt.  Und er ging auf unser gemeinsames Kind los, als ich es stillte! Und mich selbst sperrte er auf den Balkon und schlug mich.“

Plötzlich wird die Frau von Weinkrämpfen geschüttelt, wendet sich an den Beschuldigten hinter ihr und schreit ihn an: „Und du da: Hör‘ endlich auf mit deinem depperten Grinsen, du A . . .!“

Der Fall ist kein sprichwörtliches „heiteres Bezirksgericht“. Was für einen charakterlosen Zynismus müsste man dem wegen Kindesmisshandlung Beschuldigten vorwerfen, wären all diese Klagen wahr. Denn der Kaugummi kauende 39-Jährige verfolgt die Verhandlung mit hämischem Gehabe, lächelt und schüttelt ständig verneinend den Kopf. „Wo hat sie das alles nur her?“, fragt er sich bei seiner eigenen Einvernahme durch Richter Frank Plasinger.  

„Racheaktion“

Von Beginn an weist der Angeklagte jeden Tadel von sich: „Wir haben uns getrennt. Mein Verhältnis zu den Kindern war normal. Aber als ich dann eine neue Freundin hatte, ging’s plötzlich auf Zack los mit diesen haltlosen Beschuldigungen“, begründet er die Anzeige seiner Ex wohl mit einer Racheaktion ihrerseits.

Die beiden Kinder der Klägerin sind bereits kontradiktatorisch zur Sache einvernommen worden. Ihre Aussagen belasten den Beschuldigten. Beim fünfjährigen Mädchen wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ihre Tochter befinde sich immer noch im Landeskrankenhaus Rankweil, so die Mutter. „Sie hat schlaflose Nächte und spricht immer wieder von der großen langen Hand, die da kommt“, sagt sie.

„Mama hat immer recht“

Doch auch dafür hat der Angeklagte eine Erklärung. „Die Kinder wurden von ihrer Mutter zu diesen Aussagen manipuliert. Früher schon hat die Kleine ständig gesagt: Die Mama hat immer recht.“ Verteidiger Clemens Achammer spricht von konträren Schilderungen, beantragt weitere Zeugen und die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens bezüglich der Kinder. Richter Plasinger stimmt zu und vertagt die Verhandlung.