Studenten denken Übersaxen neu

Vorarlberg / 22.11.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Großes Interesse zeigten die Besucher an den ausgearbeiteten Projekten und Ideen der internationalen Studierenden. PFITSCHER

Projekt der Universität Liechtenstein dient als Basis für Ortsentwicklung. Ergebnisse im Dorfsaal präsentiert.

ÜBERSAXEN Laut Prognosen kann davon ausgegangen werden, dass in Zukunft immer mehr Menschen (bis 2050 weltweit bis zu 70 Prozent) in Städten oder in städtischen Ballungsräumen leben werden. Welche Zukunft haben dann noch Dörfer in einer urbanisierten Welt? Welche Herausforderungen und Chancen bieten sich kleinen, überschaubaren Siedlungsstrukturen im ländlichen Raum? Wie können Baukultur, Lebensqualität und sozialer Zusammenhalt bewahrt und gestärkt werden? Diese und viele andere Fragen bilden die Grundlage für die Erstellung eines räumlichen Entwicklungskonzepts (Rek) in naher Zukunft.

Wissens- & Technologietransfer

Um den Blick über den „Dorfrand“ hinaus zu erweitern, ging die Gemeinde Übersaxen im Rahmen eines Leader-Projekts eine Kooperation mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein ein. Elf internationale Studierende gingen im Rahmen ihrer Bachelor- oder Masterarbeiten der Frage nach, was Übersaxen aktuell ausmacht und wie sich der Ort weiterentwickeln könnte. Die Aufgabenstellung zu „Dorf/Studio Übersaxen“ war die Entwicklung von Strategien, Konzepten und räumlichen Gestaltungslösungen für die Gemeinde. Ausdrücklich erwünscht waren auch visionäre Ideen und Vorschläge – so gab es keinerlei Vorgaben bezüglich direkter Umsetzbarkeit der Projekte. Begleitet und unterstützt wurden die Studenten aus aller Herren Länder in der Entwicklung ihrer Arbeiten von Professorin Anne Brandl und Dozent Martin Mackowitz.

Bürgermeister Rainer Duelli (Übersaxen), Leader-Region-Geschäftsführerin Karen Schillig, Bürgermeister Philibert Ellensohn (Viktorsberg) und Bürgermeister Anton Mähr (Schnifis).
Bürgermeister Rainer Duelli (Übersaxen), Leader-Region-Geschäftsführerin Karen Schillig, Bürgermeister Philibert Ellensohn (Viktorsberg) und Bürgermeister Anton Mähr (Schnifis).

Schatzkiste an Ideen als Ergebnis

In ihren Arbeiten beschäftigten sich die Studierenden sowohl mit dem Dorfzentrum (Aufwertung Dorfplatz und Gasthaus Krone als multifunktionales Gebäude) als auch – ganzheitlich – mit der zukünftigen Entwicklung des öffentlichen Raums. So könnte die Dorfstraße zum zentralen Rückgrat des Dorfs werden, an dem sich öffentliche Räume (Begegnungszonen, Gärten, Freiräume) mit unterschiedlichen Ausprägungen angliedern. Auch die Bedeutung der Zwischenräume (Freiräume, Gehwege, Sichtbeziehungen) wurde untersucht. Eine Arbeit widmete sich den zahlreichen leer stehenden Scheunen als wesentliches und bisher unentdecktes Potenzial der Dorfentwicklung, gerade auch in Hinblick auf die Verbesserung des sozialen Miteinanders (als Treffpunkt ohne Konsumzwang). Ein Student schlägt vor, Übersaxen künftig von der Landschaft aus zu denken und zu entwickeln. Er legt den Fokus auf die „innere“ Landschaft, das heißt, die Freiräume sind nicht nur als potenzielles Bauland zu sehen, sondern auch als wichtige Möglichkeitsräume für die Vernetzung von Flora und Fauna, für Sichtachsen und um öffentliche Räume und Treffpunkte zu sichern. So soll als Ergebnis nicht nur eine bauliche, sondern vor allem eine atmosphärische Verdichtung resultieren.

Martin Mackowitz von der Uni Liechtenstein begleitete das Projekt.
Martin Mackowitz von der Uni Liechtenstein begleitete das Projekt.

Auftrag an die Gemeinde

Die vielfältigen Ergebnisse bilden eine hervorragende Grundlagensammlung für die Entwicklung des räumlichen Entwicklungskonzepts. Daher bedeutet die Präsentation keineswegs einen Abschluss, sondern vielmehr den Auftakt zu einem Prozess zur weiteren Auseinandersetzung mit den Vorschlägen und deren Umsetzungsmöglichkeiten. In welcher Form dies geschieht, wird die Zukunft zeigen. Es bleibt spannend in Übersaxen. EP