Bilder mit Judenwitzen weitergeschickt

Vorarlberg / 12.12.2019 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Richterin Angelika Prechtl-Marte wollte wissen, was denn so witzig sei. eckert
Richterin Angelika Prechtl-Marte wollte wissen, was denn so witzig sei. eckert

5040 Euro teilbedingte Strafe für Vorarlberger wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz.

Feldkirch „Nationalsozialistische Wiederbetätigung“ – ein Thema, das zwangsläufig das größte Gericht auf den Plan ruft, welches unsere Rechtsordnung kennt. Acht Geschworene und ein Drei-Richter-Senat müssen über solche Fälle entscheiden.

Am Landesgericht Feldkirch ist ein 37-jähriger zweifacher Familienvater angeklagt, der insgesamt sechs Bilder verschickte. Der Montafoner war Mitglied einer WhatsApp-Gruppe, die sich „Nazis 88 SS, Sieg Heil“ nannte. Über zwanzig Tage hinweg versandte der Handwerker im vergangenen Jahr Bilder, die er für „schwarzen Humor“ hielt. In Wirklichkeit waren sie geschmacklos und verboten. Als Kollegen den Beschuldigten aufmerksam machten, dass seine Aktionen gesetzwidrig seien, ignorierte der Internetuser diese Hinweise. „Darum sitz ich heute da, wenn ich verurteilt werde, ist das okay“, sieht er sein Fehlverhalten ein.

Sechs verbotene Bilder

Die Bilder hielt der Angeklagte damals für witzig. Eines zeigt eine Rauchwolke, darunter die Schrift „Ein jüdisches Familienfoto“. Auf einem anderen Bild ist ein Gartenzwerg in einem Ku-Klux-Klan-Kostüm zu sehen. Der Zwerg hebt den rechten Arm zum Hitlergruß. Ein drittes Bild zeigt einen überfüllten Viehwaggon, Menschen, die deportiert wurden, sind in den Zug gepfercht. Zynisch darunter der Text: „Genieße Dein Leben in vollen Zügen!“. Was er an diesen Dingen „lustig“ finde, will die Vorsitzende Angelika Prechtl-Marte wissen. „Heute nichts, damals hielt ich es für schwarzen Humor“, so der Angeklagte. „Ich wollte den Leuten, denen ich die Bilder schickte, ein Lächeln in den Alltag zaubern“, so ein Erklärungsversuch des 37-jährigen bislang Unbescholtenen.

Er habe ein gesundes Nationalbewusstsein und sei ein Patriot, rechtfertigt sich der Angeklagte. „Sie sitzen heute nicht hier, weil Sie ein Patriot sind“, stellt die Vorsitzende klar. Der Beschuldigte führt weiter aus, dass er in jedem Menschen das Gute suche, so habe auch Hitler nicht nur schlechte Seiten gehabt.

„Keine Probleme mit Ausländern“

„Auch wenn die Zahlen der ermordeten Menschen unter Umständen nicht genau stimmen, selbst wenn es nur zehn gewesen wären, wäre dies zu viel“, zeigt sich der Angeklagte reumütig. Er sei kein Rechtsradikaler und habe mit Ausländern überhaupt keine Probleme. Die Geschworenen befinden den Mann in allen Punkten für schuldig. „Wir haben bei Ihnen gerade noch mit einer Geldstrafe das Auslangen gefunden“, erklärt die Vorsitzende. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC