Discogast eine Vergewaltigung angedichtet

Vorarlberg / 12.12.2019 • 09:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Gutachten soll klären, ob sich die junge Frau den angeblichen sexuellen Missbrauch in einer Diskothek nur einredet.  ECKERT

21-Jährige wegen Vortäuschung einer Straftat angeklagt. Der Fall bleibt vorerst ein Rätsel.

Christiane Eckert

Feldkirch Im Frühling waren zwei deutsche Freundinnen in einer Unterländer Disco. Was den Alkohol betrifft, schlugen sie ordentlich über die Stränge. Die nun am Landesgericht Feldkirch Angeklagte hatte 2,4 Promille, ihre Freundin schildert auf Nachfrage ihren Alkoholpegel folgendermaßen: „Auf einer Skala von eins bis zehn hätte ich uns beiden sicher eine Elf gegeben“, räumt sie ein, extrem betrunken gewesen zu sein. Drogen hätten sie sich keine eingeworfen, beteuert die Zeugin. Was Männer betrifft, ließ die Angeklagte am „Tatabend“ nichts anbrennen.

Sie schmuste mit mehreren Gästen, mit einem geht sie händchenhaltend Richtung Damen-WC. Der Mann wartete draußen, spielte mit seinem Handy und blieb vier Minuten vor dem WC stehen, bis die junge Frau wieder herauskam. Der Mann ist deutlich auf den Video-Aufzeichnungen erkennbar, von der ihm später vorgeworfenen Vergewaltigung im WC keine Spur.

Irre Geschichte

Im Prozess sagt die Beschuldigte, dass sie einen Filmriss habe, an gewisse Dinge könne sie sich aber erinnern. Dass ein Mann bei ihr im WC gewesen sei und sie gesagt habe, dass sie das nicht wolle. Er habe nur geantwortet, sie solle sich nicht so anstellen. Dann sei es passiert, er habe sie vergewaltigt.

Psychische Probleme habe sie keine, sagt sie. Vor der Polizei lieferte die Frau zwei ähnliche Versionen: Danach wurde sie von einem Mann ins WC gezerrt. Sie habe geschrien, doch die Gäste hätten sie nur angeblickt, keiner in der Disco habe ihr geholfen. Auf dem Video ist zu sehen, dass sie an einem Security vorbeigeht, ohne Hilferuf. Die Discobesucherin ist im Raucherraum, küsst mal an diesem Tisch einen Gast, dann an einem anderen Tisch einen anderen Mann.

20 Stunden Aufzeichnung

Richter Richard Gschwenter macht der Frau klar, dass es über 20 Stunden Aufzeichnungen gibt. „Es hat nichts stattgefunden, das ist sicher, und schon gar nicht das, was Sie in ihrer Aussage angaben.“ Ob sich der weibliche Gast eventuell alles einbildet und sich einredet, vergewaltigt worden zu sein, soll nun ein psychiatrisches Gutachten klären. Die Freundin der Angeklagten gibt an, dass sie ihre Bekannte noch nie so aufgelöst gesehen habe wie auf dem Heimweg an jenem Abend. Im Taxi habe sie heftig geweint und einen verwirrten Eindruck gemacht. „Ich glaube ihr zu hundert Prozent“, sagt die Zeugin. Nun soll das Gutachten weiterhelfen. Wer eine Straftat vortäuscht, obwohl sie nicht stattgefunden hat, muss mit einer Strafe rechnen. Doch erst wird die Frau von einem Fachmann untersucht.