Karibik statt Chile: „Umkehren war keine Option“

Vorarlberg / 13.12.2019 • 08:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Die Feldkircherin Sarah Siemers und 35 andere Klimaaktivisten wollten eigentlich zur UN-Klimakonferenz nach Chile. Gelandet sind sie in der Karibik.

Martinique, Schwarzach Die 25. UN-Klimakonferenz geht heute nach elf Tagen in der spanischen Hauptstadt Madrid zu Ende. Geplant war das alles ganz anders, denn die Konferenz hätte eigentlich in Chile über die Bühne gehen sollen. Geplant war auch, dass Sarah Siemers an der Konferenz teilnimmt. Stattdessen sitzt die gebürtige Feldkircherin dieser Tage auf der karibischen Insel Martinique und verfolgt den Abschluss der COP („Conference of Parties“) quasi vom anderen Ende des Atlantischen Ozeans aus. Was war passiert?

Segeln wie Greta

Am 2. Oktober startete sie gemeinsam mit 35 anderen jungen Europäern von Amsterdam aus, um mit dem Dreimast-Segelschoner „Regina Maris“ über den Atlantischen Ozean zu segeln (die VN berichteten). Das Ziel: Die COP im chilenischen Santiago, die von 2. bis 13. Dezember anberaumt war. Die Klimaaktivisten wollten mit dem „Sail to the COP“-Projekt für ein „gerechtes und nachhaltiges Transportwesen“ werben. Ende Oktober dann die Schocknachricht: „Wir waren gerade bei Teneriffa, als wir über das Satellitentelefon erfahren haben, dass die Klima-Konferenz in Chile abgesagt wurde“, schildert Sarah Siemers die Vorkommnisse im VN-Gespräch. Wegen Massenprotesten und gewalttätigen Ausschreitungen konnte Staatschef Sebastián Piñera die Ausrichtung der Weltklimakonferenz in dem krisengeschüttelten Land nicht mehr gewährleisten. „Umkehren war keine Option, weil es gegen die Strömung und gegen den Wind zu lange gedauert hätte, um wieder nach Europa zu gelangen. Außerdem hatten viele unserer Gruppe den Aufenthalt mit anderen Klima-Projekten in Südamerika verbunden“, erklärt Siemers.

 Trotz der Umstände blieb die Crew um Sarah Siemers flexibel. Sie zogen das Projekt durch.
Trotz der Umstände blieb die Crew um Sarah Siemers flexibel. Sie zogen das Projekt durch.

Zunächst war unklar, ob die Konferenz, die die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens vorantreiben soll, stattdessen im UN-Standort Bonn stattfinden würde. „Als dann klar war, dass Madrid einspringt, haben wir sofort einen Aufruf gestartet“, sagt Siemers. Innerhalb kürzester Zeit rekrutierte die Gruppe von hoher See aus 22 andere junge Europäer, die sie in Madrid vertreten und ihre Botschaft vermitteln sollten. „Wir initiierten von See aus spontan das Projekt „Rail to the COP“, bei dem wir alle Teilnehmer aufriefen, mit dem Zug zur Konferenz zu reisen“, erklärt die abenteuerlustige Vorarlbergerin. Mittels Live-Videoübertragungen haben sich die jungen Aktivisten vom Atlantischen Ozean aus so gut es ging in das Gipfeltreffen in Madrid eingeklinkt. „Auch wenn wir insgesamt nicht sonderlich zufrieden mit den Resultaten der Konferenz sind, und es letztlich alles anders als geplant gekommen ist, sind wir stolz, dass wir den Segeltörn durchgezogen haben.“ In den sieben Wochen auf hoher See entstand trotz den widrigen Umständen eine Denkfabrik, um Pläne, Forderungen und Lösungsvorschläge zu formulieren und Strategien zur klimafreundlichen Zukunft des Tourismus und des Reisens zu erarbeiten.

Auch nautische Kenntnisse eignete sich die Vorarlbergerin auf dem zwei Monate langen Segeltörn an.
Auch nautische Kenntnisse eignete sich die Vorarlbergerin auf dem zwei Monate langen Segeltörn an.

Seekranke Crew

Dabei waren gerade die ersten Wochen für die gesamte Frau- und Mannschaft auf hoher See alles andere als bequem: „Viele von uns sind in den ersten Wochen häufig über der Reling gehangen“, erinnert sich die 29-Jährige. Mittlerweile ist die Gruppe auf Martinique angekommen.

Zurück mit dem Frachtschiff

Sarah Siemers wird die kommenden Wochen per Bus durch den Amazonas bis nach Brasilien reisen. Von dort nimmt sie Ende Februar ein Frachtschiff zurück nach Spanien. Kommende Woche will die „Sail to the COP“-Crew einen 80-seitigen Bericht fertigstellen, bei dem die Ergebnisse des Projekts, Maßnahmen und Ziele zusammengefasst werden. „Es war auf jeden Fall eine unglaublich tolle Erfahrung. Auch wenn die Reise einen ungeahnten Verlauf genommen hat, haben wir das Projekt nicht aufgegeben und einiges umgesetzt.“

Lesen Sie den Artikel über Sarah Siemers, der Ende September auf VN.at erschienen ist hier: „Wie Greta, nur weiter“

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Today was the first day of @cop25cl . We want to give you a short recap of our day – from both sides of the ocean – of some of the things that happened. 🌍🌎 Our day started with a call at 8am in Madrid, 3am Martinique time, to plan the day. We will hold daily meetings to discuss the schedule and keep everyone up to date. ☀️🌕 . Some of our representatives met the Austrian president today. In his speech he talks about the decision-making of the delegates: „Think about those children when you’re take a decision on behalf of your country because our children will later think about us too. About what we did. Or what we did not do!“ 🚸 . Quick Highlights: 1️⃣ We attended the opening planery, virtually and in person 2️⃣ We gave Interviews for German and Austrian news channels 3️⃣ We were in the news @nosjeugdjournaal in the Netherlands 4⃣ The video in which we address world leaders and delegates with our message was shown at the Chilean Pavilion . We look forward to the next two weeks of COP! The negotiations will start tomorrow and we will be there! . . . #railtothecop #cop25 #coy15 #unfccc #sailing #youth #sustainable #travel #sustainability #climate #climateaction #aviation #mobility #youthclimate #flyless #noflysci #climatecrisis #slowtravel #fleetforthefuture #madrid

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