Wie es mit Feldkircher Kult-Lokal „Feurstein“ weitergehen soll?

Vorarlberg / 13.12.2019 • 19:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rechtsanwalt Hans-Christian Obernberger, Bauingenieur Werner Miller und Agenturinhaberin Andrea Petermann (v.l.) kämpfen darum, dass nach dem Ende der Ära Klaus Feurstein (rechts) sowohl das Café Feurstein als auch der legendäre Stone Club erhalten bleiben. VN/SCHWEIGKOFLER

Stammgäste des Café Feurstein setzen sich für Erhalt ein und sammeln Unterschriften. Denkmalamt sieht „sozialhistorische Relevanz“, Bürgermeister Matt ist unbeeindruckt.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Am 31.12.2019 wird Klaus Feurstein das Café Feurstein sowie den legendären Stone Club zusperren, das steht fest. Stadt und Feurstein haben sich geeinigt, über Details wurde Stillschweigen vereinbart. Damit endet eine Ära, das Café Feurstein gibt es seit über 70 Jahren und den Stone Club auch schon seit 41 Jahren. Lokale und internationale Prominenz haben gerade im Club immer wieder die Nacht zum Tag gemacht. Wie es weitergeht, ist unklar. Das bereitet vielen Feldkirchern Sorgen. Vergangenes Wochenende starteten einige Stammgäste spontan eine Unterschriftenaktion und bereits am Dienstagabend konnte Werner Miller im Rahmen der Fragestunde der Stadtvertretung Bürgermeister Wolfgang Matt 460 Unterschriften übergeben. Er kritisierte dabei vor allem, dass die Stadt bei neuen Pächtern auf dreijährige Mietverträge beharre. „In der Gastronomie sind aber zehn Jahre üblich“, erklärt Miller im VN-Gespräch. Schließlich müssten Investitionen getätigt und dann wieder verdient werden.

Gemeinsam mit Andrea Petermann und Hans-Christian Obernberger schildert er an einem Tisch im Feurstein sein Unbehagen. „Das Nachtleben in Feldkirch ist für so ein kleines Städtchen sehr beachtenswert“, betont Miller. „Wenn das Angebot aber erst einmal weg ist, ist es schwer, so etwas wieder aufzubauen.“ Das sehe man beispielsweise in Vaduz, wo es trotz beachtlichem finanziellen Aufwand nicht gelänge, Leben in die Stadt zu bringen. Es sei wichtig, einen möglichst nahtlosen Übergang zu schaffen. Was genau mit dem Feurstein passiere, dass müsse man natürlich dem neuen Pächter überlassen. Ziel der Petition ist aber jedenfalls, dass eine Gastronomie in ähnlicher Art erhalten bleiben muss. „Es ist wie ein verlängertes Wohnzimmer“, beschreibt Petermann, was das Feurstein für viele Feldkircher so besonders mache. „Hier trifft man immer jemanden.“ Die Unterschriften würden vor allem von Feldkirchern stammen, viele davon Gäste, wenn nicht sogar Stammgäste des Feursteins. Die Stadt als Besitzer der Liegenschaft dürfe hier nicht rein als Immobilienbesitzer agieren, sondern müsse an das große Ganze denken. Kritisch sehen die Feurstein-Fans, dass es im Vorgehen der Stadt an Transparenz mangele. Sie fürchten, dass am Ende das Feurstein verloren geht und stattdessen ein austauschbares Geschäft oder Büroflächen übrig bleiben, ohne dass die Anliegen der Bürger berücksichtigt werden.

„Sozialhistorische Relevanz“

Gegen massive bauliche Veränderungen könnte der Denkmalschutz sprechen. Denn das städtische Gebäude „Schlossergasse 1“, in dem sich das Café Feurstein befindet, steht im Ensemble seit 1995 unter Denkmalschutz, wie Barbara Keiler vom Bundesdenkmalamt den VN bestätigt. „Auch innen ist zumindest die wandfeste Ausstattung geschützt“, präzisiert sie. „Das Café ist das letzte dieser Art und hat neben einer künstlerischen Bedeutung auch eine sozialhistorische Relevanz“. Sie habe die Stadt Anfang Woche darauf aufmerksam gemacht. Keiler ist zuversichtlich dass eine gute Lösung gefunden werde, denn die Zusammenarbeit mit den städtischen Abteilungen sei sehr gut.

Bürgermeister Wolfgang Matt zeigt sich davon wenig beeindruckt. Er glaube nicht, dass die Einschränkungen durch die Auflagen des Denkmalamtes entscheidend und umfangreich sein werden. Wichtig sei, dass die Stadt nun das komplette Haus lastenfrei im Besitz habe. Gemeinsam mit dem Nebengebäude, das ebenfalls der Stadt gehört, könne damit eine gute Entwicklung gewährleistet werden. Dass das Interieur ansprechend ist, stellt Matt nicht in Abrede. Er kann sich auch vorstellen, dass ein Investor hier wieder ein Café betreiben werde, wolle aber nicht vorgreifen. Vor dem 7. Jänner, da soll die Immobilie an die Stadt übergeben werden, könne man jedenfalls keine näheren Angaben machen. Wie die Stadt bereits zuvor auf Anfrage mitteilte, laufen jedenfalls Gespräche mit mehreren Interessenten.

Derweil sammeln die Stammgäste des Feursteins weiter Unterschriften. „Die Stadt soll nachschauen, wer da alles unterschreibt“, hoffen sie, dass die Willenserklärung vieler „alteingesessener“ Feldkircher im Rathaus Gewicht besitzt.