Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Zeppelinskiing

Vorarlberg / 13.12.2019 • 09:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor ein paar Tagen war in dieser Zeitung zu lesen, wie sich drei Freerider mit einem Zeppelin auf den „Kleinen Valkastiel“ fliegen ließen, um dann in einer waghalsigen Abfahrt einen Steilhang zu befahren. Dazu mussten sie sich erst vom Luftfahrzeug 50 Meter abseilen lassen. Der Lohn ihres Mutes ist eine Ausstrahlung auf Servus TV, wo solche Adrenalin-Touren gerne gezeigt werden.

Einsames Gebiet

Wer das Gebiet kennt, weiß, dass es sich im Winter um eine der einsamsten Gegenden Vorarlbergs handelt. Die Zustiege vom Tal sind so weit und mühsam, dass sich in dieser Jahreszeit wohl kaum jemand dorthin verirrt. Auch den drei „Helden“ war es zu anstrengend, sich über 1.700 Höhenmeter durch ungespurten Schnee auf den Gipfel zu quälen, um dann die Abfahrt antreten zu können.

„Die Zustiege vom Tal sind so weit und mühsam, dass sich in dieser Jahreszeit wohl kaum jemand dorthin verirrt.“

Das Beispiel des Zeppelins wird hoffentlich nicht viele Nachahmer finden, denn der Spaß dürfte teuer sein und das Abseilen über 50 Meter wohl nicht den Durchschnittsgeschmack der Alpinskifahrer treffen. Aber wer weiß, was noch kommt? Heißluftballonskiing?

Absurde Ideen

Der kritische Aspekt dieser Adrenalinausschüttung für Variantenfahrer, die endlich ihre Grenzen kennenlernen wollen, ist die Beunruhigung der Wildtiere auch noch in den abgelegensten Gebieten unseres Landes. Sie führt dazu, dass die Tiere in die Wälder flüchten und dort den Jungwald, häufig Schutzwald, schädigen. Das kann dazu beitragen, dass bauliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Schutzfunktionen des Waldes zu erhalten. So wird Abenteuerlust nicht nur auf Kosten der Tiere, sondern auch des Steuerzahlers ausgelebt.

Umso wichtiger ist es, dass in Vorarlberg das populäre und komfortable Heliskiing wenigstens auf einen einzigen Gipfel im Arlberggebiet beschränkt ist. In Tirol ist es gänzlich verboten. Die Skifahrer kämen wohl noch auf die absurdesten Ideen und würden in nahezu jede Ruhezone eindringen. Der schöne Grundsatz „RespekTIERE deine Grenzen“ gilt auch in dieser Wintersaison.

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.