Ohne Katzen wäre Petra aus Hohenems sehr einsam

Vorarlberg / 14.01.2020 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Katzen sind Petras Familie. Sie liebt ihre Samtpfoten über alles. „So tiefe Gefühle hatte ich für einen Menschen noch nie.“

Petra (60) hat keine Familie und keine Freunde. Aber sie hat Katzen, die für ihr Seelenheil sehr wichtig sind.

Hohenems Mit Katzenkeksen macht sich Petra auf die Suche nach ihrer Katze. Fliege ist seit sechs Tagen spurlos verschwunden. Seither sucht Petra jeden Tag die nähere Umgebung ab. Sie sorgt sich so sehr um ihr Haustier, „dass es mir fast das Herz bricht“. Ihre Suche bleibt auch heute erfolglos. Tieftraurig kommt die 60-Jährige heim und macht sich einen Tee. Dann widmet sie sich ihren anderen zwei Katzen. Smokie und Nada sind seit elf Jahren an ihrer Seite. „Solange habe ich es noch mit keinem Mann ausgehalten“, sagt die Frau, die drei Mal verheiratet war. Bei der Wahl ihrer Männer hatte sie kein gutes Händchen. „Sie haben mich geschlagen.“

Als Teenager vergewaltigt worden

Schon als Kind musste sie Schläge einstecken. Ihre Mutter war gewalttätig und verprügelte sie regelmäßig. Außerdem wurde Petra von ihrem zwölften bis siebzehnten Lebensjahr sexuell missbraucht. Um zu überleben, beamte sich der Teenager mithilfe seiner Fantasie in eine Parallelwelt. „Die war schöner als die Realität. Dort war ich glücklich.“

Auch heute gibt es Tage, an denen sich die gebürtige Ostdeutsche weg- träumt. „Wenn ich krank bin und Schmerzen habe, dann träume ich, dass jemand bei mir ist und auf mich schaut.“ Es gab eine Zeit in ihrem Leben, da war die kinderlose Frau ganz auf sich allein gestellt. „Ich hatte über Jahre keine Bekannten, keine Freunde und so gut wie keinen Kontakt zu anderen Menschen.“ Das machte sie menschenscheu. „In ein Café zu gehen war schon eine Herausforderung für mich.“ Aber Petra hatte ihre Parallelwelt und ihre drei Katzen. Die waren und sind sehr wichtig für ihr Seelenheil. Denn: „Ich bin ja immer allein, auch an Weihnachten, Silvester und an meinen Geburtstagen.“

„Wenn man keine Familie und Freunde hat, braucht man Haustiere.“

Petra, dreifache Katzenmama

Neun Jahre hielt sie die Samtpfoten heimlich in ihrer Wohnung. Als ihre Vermieterin entdeckte, dass sie Katzen in der Wohnung hatte, musste die schwer herzkranke und arbeitsunfähige Frau diese räumen. „Nach der Wohnungskündigung bekam ich vor Aufregung einen Schlaganfall.“ Petra, die drei Herzinfarkte und zwei Schlaganfälle überlebt hat, sah sich schon als Obdachlose auf einer Parkbank. „Ich war richtig verzweifelt.“

Aber nun traten Menschen in ihr Leben, die es gut mit ihr meinten. Die Maklerin ihrer Vermieterin und eine Beraterin von der Kaplan-Bonetti-Beratungsstelle hatten verstanden, dass die Mindestsicherungsbezieherin eine Wohnung brauchte, in die sie die Katzen mitnehmen konnte und vermittelten ihr eine Unterkunft in Hohenems.

Dort fühlte sich Petra auf Anhieb zu Hause. „Manchmal stehe ich auf der Terrasse und heule vor lauter Freude, weil ich es so schön habe.“ Seit sie hier wohnt, fühlt sie sich auch nicht mehr einsam. „Die Nachbarn sind freundlich. Martha, die Nachbarin gegenüber, schenkt mir regelmäßig Äpfel. Zum Muttertag kam sie mit einem Strauß Flieder zu mir und meinte, dass ich ja auch eine Mama sei, eine Katzenmama.“

Tiefe Gefühle für ihre Haustiere

Petras Blick bleibt an Nada hängen, die behindert ist und aus einer Tötungsstation in Moskau gerettet wurde. In einem jäh aufwallenden Gefühl der Liebe greift sie sich die Katze und drückt sie fest an sich. Für ihre Vierbeiner hegt sie die tiefsten Gefühle. „So warme Gefühle hatte ich für einen Menschen noch nie“, sagt sie, während sie Nada ohne Unterlass streichelt.

Die alleinstehende Frau ist sich sicher: „Ohne Katzen würde ich veröden und vereinsamen. Wenn man keine Familie und Freunde hat, braucht man Haustiere.“ Von ihnen holt sie sich die Wärme, die sie braucht und die sie von ihrer Familie und ihren Ehemännern nie bekommen hat.