Sehr Wenige verdienen ganz viel

Vorarlberg / 25.01.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Bundesländervergleich können in Vorarlberg vergleichsweise wenige Großverdiener so richtig aus dem Vollen schöpfen. APA

25 Vorarlberger kommen auf ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro.

Johannes Huber

SCHWARZACH Einkommensmillionäre stehen wieder einmal im Fokus der Bundespolitik: ÖVP und Grüne haben es zwar nicht ins Regierungsprogramm geschrieben, aber angekündigt, den von 50 auf 55 Prozent erhöhten Spitzensteuersatz für Einkommen von mehr als einer Million Euro zu verlängern. Ursprünglich hätte er mit Jahresende auslaufen sollen. Viele Leute sind nicht davon betroffen. Durch den Zuschlag kommen 20 Millionen Euro zusammen.
Das weiß man bei der Statistik Austria. Und zwar auf Basis von Daten aus dem Jahr 2016. Das ist das jüngste, das steuerlich abgeschlossen ist. 551 Österreicher kommen demnach auf ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro brutto. Die meisten leben in Wien; 198, um genau zu sein. In Vorarlberg handelt es sich um 25. Gemessen an allen Einkommensbeziehern ist das ein durchschnittlicher Wert im Bundesländer-Vergleich.
Wer mehr über diese Leute erfahren möchte, muss enttäuscht werden: Viel ist nicht bekannt. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Männer, Frauen machen gerade einmal ein Zehntel aus. Gut ein Viertel sind reine Selbstständige, also Unternehmer. Ein schwaches Viertel sind reine Arbeitnehmer, wobei es sich in der Regel wohl um Spitzenmanager handeln wird. Alle anderen sind sowohl selbstständig als auch unselbstständig tätig oder in Pension.
Ein bisschen mehr zu Einkommensmillionären ist in Österreich einem Bericht zu entnehmen, den der Rechnungshof regelmäßig für den öffentlichen Sektor veröffentlicht. Ergebnis: 2018 sind vier Vorstandsmitglieder der Post AG auf durchschnittlich 1,85 Millionen Euro brutto gekommen und vier Vertreter der Verbund AG auf durchschnittlich 1,43 Millionen Euro.
Doch zurück zum Spitzensteuersatz von 55 Prozent: Die Besteuerung setzt nicht beim Gesamteinkommen an, sondern bei der Bemessungsgrundlage. Sie ist niedriger, weil unter anderem Sonderzahlungen abgezogen werden. Die Folge: Nicht 551, sondern nur 434 Österreicher und nicht 25, sondern nur 19 Vorarlberger sind vom Steuerzuschlag von fünf Prozentpunkten ab einer Million Euro betroffen. Summa summarum bringt er 20 Millionen Euro extra fürs Budget.
Zumindest 2016 war das so: Bei der Arbeiterkammer geht man davon aus, dass es sich in guten Jahren um bis zu 50 Millionen Euro handelt. Das ist nicht nichts, wie AK-Ökonom Matthias Schnetzer betont: „Das entspricht etwa dem Bundes-Zuschuss zum Kindergartenausbau 2018.“ Nachsatz: „2019 gab es nichts dafür.“ Abgesehen davon bremse der höhere Spitzensteuersatz die Einkommenskonzentration ein wenig: „In den letzten Jahren ist die Schere zwischen den Topverdienern und der breiten arbeitenden Bevölkerung deutlich auseinandergegangen.“
Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, spricht sich für eine Abschaffung des erhöhten Spitzensteuersatzes aus. Begründung: Österreich liegt mit den 55 Prozent ganz vorne in den Rankings. „Es ist international ein bisschen eine Blamage, wir machen uns damit lächerlich“, so Kapsch in einer ORF-Pressestunde. Zahlen müssten relativ wenige. Was stimmt: In Schweden greift der dortige Spitzensteuersatz von rund 57 Prozent ab einer Bemessungsgrundalge von 65.000 Euro; da kommen Hunderttausende zum Handkuss.