Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Urlaubsträume

Vorarlberg / 22.04.2020 • 06:00 Uhr

Während die Sonne die Natur viel zu früh zum Erblühen bringt, trauern wir gewissermaßen schon dem kommenden Sommer hinterher. Ach was, wir sprechen ihm überhaupt seinen Namen ab: Was soll das denn für ein Sommer sein, so ganz ohne Zeltfeste und andere krachlederne Lustbarkeiten? Und vermutlich nicht ein Tag am Meer? Was für Fotos soll man denn da posten in den sozialen Medien, von der Fluh vielleicht? Um andere neidisch zu machen? Echt jetzt?

Rückblende. Ein beliebiges Jahr. Man war verreist gewesen. Das Abenteuer endete gerade im sanften Landeanflug auf Zürich oder Friedrichshafen, egal: Da wie dort empfingen den Heimkehrer üppig grüne Wiesen, Spielzeugkühe weideten vor Spielzeugbauernhöfen. Mit platt gedrückter Nase versuchte man den ersten Blick auf den Bodensee zu erhaschen. Weil man den alten Spruch eines Touristikers eben wieder bestätigt sah: Während andere Urlauber sich erneut in graue Vorstädte zwängten, lebte man selber doch tatsächlich dort, wo andere Urlaub machen.

Und daselbst müssen wir also heuer möglicherweise bleiben. Dort, wo andere Atem schöpfen. Sich erholen. Wandern gehen, radeln, schwimmen. Aber kein Sandstrand. Nun, das wird auszuhalten sein, finden Sie nicht?