Schneller mit dem Zug nach Wien

Staatssekretär Brunner über die vielen Zwischenhalte in Tirol und den Poker mit der AUA.
Wien Die Zugverbindung zwischen Vorarlberg und Wien soll beschleunigt werden. Es gebe Bemühungen in diese Richtung, erklärt Magnus Brunner (ÖVP), Staatssekretär im Verkehrsministerium. Er kann sich ein Mischsystem aus Zügen mit und ohne die zahlreichen Tiroler Zwischenhalte vorstellen. Eingedeckt ist Brunner aber vielmehr mit den Verhandlungen über Staatshilfen für die Austria Airlines (AUA). Diese hätten einen Bedarf von 600 Millionen Euro angemeldet. Garantien seien nötig. Bis hin zur Insolvenz seien alle Szenarien möglich.
Ist geplant, die Zugfahrt von Vorarlberg nach Wien zu beschleunigen?
Brunner Es gibt Bemühungen, die Zugverbindung zu beschleunigen. Das geht sowohl über die Arlbergstrecke als auch über Deutschland. Wenn die Streckenelektrifizierung in Süddeutschland erledigt ist, kann man natürlich auch Bregenz – München – München – Wien andenken.
Wie schnell könnte die Zugverbindung werden?
Brunner Das lässt sich so leider nicht abschätzen.
Könnte auf gewisse Haltestellen in Tirol verzichtet werden?
Brunner Gerade für den Tourismus in Tirol ist es wichtig, dass die Täler gut erreichbar sind. Wir müssen also beide Seiten berücksichtigen: die wirtschaftlichen Auswirkungen in Tirol und die Geschwindigkeit. Aber die Überlegung gibt es schon, eine Mischung anzubieten, dass manche Züge durchfahren und andere nicht.
Gibt es Neues von den Verhandlungen mit der AUA?
Brunner Sie laufen intensiv.
Um wie viel Geld geht es aktuell?
Brunner Die AUA hat ursprünglich einen Bedarf von knapp 800 Millionen Euro angegeben, nun sind es wegen der positiven Entwicklung 600 Millionen. Das setzt sich aus Garantien, rückzahlbaren Krediten und Zuschüssen zusammen.
Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) fragte sich, warum österreichische Steuerzahler hunderte Millionen in ein deutsches Unternehmen stecken müssen?
Brunner Die AUA ist eine heimische Fluglinie und hat mit 7000 direkten Arbeitsplätzen für den Wirtschaftsstandort vor allem im Osten Österreich eine unglaubliche Bedeutung. Daher führen wir die Diskussion, wie und unter welchen Bedingungen wir das erhalten können. Ohne Standortgarantien seitens der AUA und des Eigentümers Lufthansa, was Langstrecke, Drehkreuz Wien, Arbeitsplätze und ökologische Maßnahmen betrifft, wird es aber nicht gehen.
Sind alle Szenarien bis zur Insolvenz möglich?
Brunner Es werden alle Optionen diskutiert.
Könnte eine Standortgarantie voraussetzen, Vorarlberg etwa über Altenrhein an den Osten Österreichs anzubinden?
Brunner Die AUA fliegt nicht nach Altenrhein. Das ist die Peoples. Die Verbindung ist für den Standort Vorarlberg wichtig, hat mit den Verhandlungen aber nichts zu tun.
Gehört zu den Garantien, dass sich die AUA auch auf Regionalflughäfen wie jenen in Innsbruck konzentriert?
Brunner Das wird diskutiert. Die Regionalflughäfen sind für uns und für die AUA wichtig, vor allem als Zubringer und für die Anbindung der Bundesländer in die Welt. Es ist aber eine betriebswirtschaftliche Entscheidung der AUA.
Wie sieht Fliegen künftig aus?
Brunner Es wird auf mehreren Ebenen diskutiert, wie man die Luftfahrt wieder hochfahren kann. Am Flughafen und beim Einstieg muss man zum Beispiel immer auf den Abstand achten. Im Flieger, meinen Experten, macht es wenig Sinn, den Mittelsitz freizulassen, da die Ansteckungsgefahr aufgrund der Luftzirkulation nicht so groß ist. Aber es wird wichtig sein, regelmäßig zu desinfizieren und einen Mund-Nasenschutz zu tragen.
Kann man innerhalb der EU wieder ohne Kontrollen fliegen?
Brunner Dort wo die Grenzen geöffnet sind, ja.
Was passiert, wenn Deutschland anders als Österreich etwa zu Großbritannien öffnen will und ein Brite dann über Deutschland nach Österreich fliegt?
Brunner Was Großbritannien betrifft, wird sicher ein einheitliches Vorgehen zwischen Deutschland und Österreich notwendig sein.
Gibt es eigentlich Fortschritte bei der Ökostromnovelle?
Brunner Ja. Wir arbeiten an einem Entwurf, der hoffentlich bis zum Sommer vorgelegt werden kann. Ziel ist, bis 2021 das Erneuerbare- Ausbaugesetz in Kraft zu setzen.
„Im Flieger, meinen Experten, macht es wenig Sinn, den Mittelsitz freizulassen.“