Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Fairness

Vorarlberg / 06.08.2020 • 17:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

War das eine Aufregung, als vor gut zwei Wochen der Corona-Cluster in St. Wolfgang im Salzkammergut in Oberösterreich bekannt wurde! Warum wurden die Hotels, in denen die infizierten Praktikanten der Tourismusschule arbeiteten, nicht sofort gesperrt? Warum wurde nicht gleich der ganze Ort abgeriegelt? Parallelen zu Ischgl wurden gezogen, als ob das Wissen um die Pandemie auf dem Stand von Anfang März dieses Jahres stehen geblieben wäre.

Viele fühlten sich in ihrem Misstrauen gegenüber regionalen Behörden und den mit ihnen angeblich verbandelten Touristikern bestätigt. Als ein verantwortlicher Mediziner aus Oberösterreich in der ZiB2 kein sehr eloquentes Interview gab, wurde er in den sozialen Netzwerken verhöhnt. Über den für viele Regionen Österreichs lebenswichtigen Tourismus wurde Häme ausgeschüttet und ein Urlaub auf Zypern als weitaus sicherer dargestellt.

Seither hat sich die Situation im Salzkammergut etwas beruhigt. Wie es scheint, haben die Behörden in Oberösterreich richtig gehandelt. Sie hatten auch ein paar Wochen zuvor richtig agiert, als zahlreiche Schulen in Linz und Umgebung geschlossen wurden, nachdem dort einige Cluster aufgetreten waren. Damals wurde dieser wichtigen Maßnahme von vielen Eltern mit großem Unverständnis begegnet.

Diese Beispiele zeigen, dass die nächste Zeit, und das können mehrere Jahre sein, bis eine Impfung oder ein Medikament gefunden sein wird, eine große Herausforderung für die Gesundheitsbehörden in den Ländern bedeuten wird. Sie werden die Bekämpfungsmaßnahmen gegen das Coronavirus tragen, weil ein bundesweiter Lockdown nicht mehr verkraftbar wäre. Das gilt nicht nur für Österreich, sondern für ganz Europa. In Antwerpen gilt eine strengere Maskenpflicht als in Brüssel, in Amsterdam und Rotterdam gelten strengere Regeln als im Rest der Niederlande. Sämtliche Staaten versuchen nunmehr, das Virus durch regionale Maßnahmen zu bekämpfen.

Die Landesbehörden werden dadurch aber noch mehr als bisher Ziel der Kritik sein. Das Beispiel Oberösterreich zeigt, dass Lob selten und Schelte der Regelfall ist. Man wird es nie allen recht machen können. Jeder Fehler, der irgendwo auftritt, wird als Beispiel für alle Behörden gelten. Sie können sich auch nicht mehr hinter dem Gesundheitsminister verstecken, sondern müssen selbst Verantwortung übernehmen. Man sollte ihnen allerdings mit einer gewissen Fairness begegnen.

„Das Beispiel Oberösterreich zeigt, dass Lob selten und Schelte der Regelfall ist.“

Peter Bussjäger

peter.bussjaeger@vn.at

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.

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