VN-Wahldiskussion: Beherrschender Verkehr in der Landeshauptstadt

An der Situation rund um den Bahnhof führt in der Bürgermeisterkandidatendebatte kein Weg vorbei.
Bregenz Glaubt man den Umfragewerten, haben in der Landeshauptstadt zwei Kandidaten eine realistische Chance, in einer Stichwahl um den Bürgermeistersessel aufeinanderzutreffen: Amtsinhaber Markus Linhart von der Volkspartei und Michael Ritsch von den Sozialdemokraten. Die VN baten beide vor das Festspielhaus zur Debatte, die sich schnell im altbekannten Thema Verkehr festfuhr.
Den Auftakt machte jedoch ein eher stiefmütterlich behandeltes Thema. Kurz vor der Aufzeichnung der Debatte wurden Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig für ihr kulturelles Schaffen mit dem Dr.-Toni-und-Rosa-Russ-Preis bedacht. In der Dankesrede, der beide Kandidaten lauschen durften, kritisierten die beiden Leiter des Theater Kosmos, dass die Kultur in der Politik nicht jene Rolle spiele, die ihr in einer Kulturnation zustehen sollte. Und auch in der Kulturhauptstadt Bregenz macht man mit der Kultur wenig Werbung, wenn man sich die Wahlplakate anschaut, auch trotz der Coronaeinschränkungen und weggefallenem Festspielsommer. Beide Politiker haben lobende Worte für die Kulturschaffenden und dafür, wie die Künstler und Hoteliers den schwierigen Sommer bewältigt haben. Dass die Kultur im Bregenzer Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle spiele, lassen beide nicht gelten. Ritsch betont, dass in seinem ABC der Themen gleich drei mit Kulturbezug seien, inklusive einem Jugendkulturzentrum an der Remise. Linhart betont das große Engagement der Stadt Bregenz mit eigenen Akzenten und verweist auf die Ausstellung in Kooperation mit Ars Electronica im Magazin 4 oder die Maurachgasse.
Allgegenwärtiger Verkehr
Am Thema Verkehr führte jedoch nichts vorbei, auch wenn hier die Stadt Bregenz auf die Mitarbeit großer Partner angewiesen ist. Beim Bahnhof und Bahnnetz führt kein Weg an den ÖBB vorbei, beim Straßenverkehr nicht am Land Vorarlberg. Hier ging es daher mehr um Grundlegendes: Der rote Herausforderer vermisst Wagemut, Handlungsdrang und Hartnäckigkeit im Rathaus gegenüber den Verantwortlichen bei Bund und Land. In den vergangenen 22 Jahren habe die Stadtregierung versäumt, aus einem der wertvollsten Gründen der Stadt etwas anderes zu machen als einen Parkplatz, der sich nun auch noch in privater Hand befindet, kritisiert Ritsch scharf. Er fordert eine Unterflurlösung und will den Bahnhof und die Stadt damit stärker verbinden, seine Vision ist ein Stadtteil der 2000 Bregenzer zum Leben dient.
Der langgediente Amtsverteidiger verwies auf die Faktenlage und dass manche der Vorstellungen zwar sehr ansprechend, aber faktisch nicht umsetzbar seien. Jedes Versprechen, die Seestraße und Bahn unter die Erde zu verlegen, müsse an den baulichen Voraussetzungen scheitern und nicht am politischen Willen. Man habe den Keller voller Modelle aus den vergangenen Jahrzehnten, das Urteil der Experten sei klar: unter diesen Bedingungen sei eine Umsetzung nicht möglich. Linhart verweist auf andere Erfolge: Bregenz sei inzwischen Fahrradhauptstadt Österreichs, der öffentliche Nahverkehr werde immer beliebter. Die Vignettenbefreiung habe der Stadt geholfen.
Ähnlich ist das Bild bei der Stadtplanung. Es fehle immer noch ein Stadtentwicklungsplan für Bregenz, kritisiert Ritsch. Diesen fordert die Opposition per Antrag ein. Linhart verweist auf das 200 Seiten starke Leitbild, das man im Februar präsentiert habe. Gemeinsam mit der Bevölkerung solle dieses nun behandelt werden. VN-rau