Das ist Vorarlbergs erste Polizei-Offizierin

Frau Leutnant Tatjana Ratz (31) ist Vorarlbergs erste Polizei-Offizierin.
Bregenz Am 27. August dieses Jahres verlieh Innenminister Karl Nehammer in der Fachhochschule Wiener Neustadt feierlich Bachelordiplome an Tatjana Ratz und ihren Kollegen Christian Ertl aus Vorarlberg. Seit 1. September verstärken zwei neue leitende Beamte die Landespolizeidirektion Vorarlberg.
Frau Leutnant Tatjana Ratz ist die erste Polizei-Offizierin Vorarlbergs. Die 31-Jährige hat der Beruf als Polizistin schon in der Schulzeit gereizt. Da sie aber nach der Matura nicht gleich wieder die Schulbank drücken und sich mit ihrer Berufswahl noch Zeit lassen wollte, entschied sie sich zuerst für eine Anstellung in der Gastronomie.
Diebstahl als Schlüsselerlebnis
Sie begann mit einer Beschäftigung als Kellnerin. Das mag vielleicht als eine etwas ungewöhnliche Tätigkeit für eine zukünftige Karriere in der Exekutive erscheinen. Und doch führte sie zum Schlüsselerlebnis für Tatjanas Entscheidung, hinkünftig für Recht und Ordnung zu sorgen: „Als mir dann einmal von einem Arbeitskollegen Geld gestohlen wurde, konnte ich Zeugin hervorragender Polizeiarbeit werden. Es hat mich unglaublich beeindruckt, wie schnell der Diebstahl aufgeklärt wurde. Wie das mit den Ermittlungen funktionierte und der zuständige Beamte gearbeitet hat, faszinierte mich. Es wurde zum Schlüsselerlebnis für mich und mein endgültiges Berufsziel war klar.“ Dann kam noch der Reiz hinzu, ständig im Kontakt mit der Bevölkerung zu sein und nicht zu wissen, was der Tag mit sich bringt.
Die Polizeikarriere begann für die gebürtige Hörbranzerin mit der üblichen Laufbahn: Ausbildung an der Sicherheitsakademie in Feldkirch, mehrere Dienstjahre in den Polizeiinspektionen Hard und Bregenz, anschließend Ausbildung zur dienstführenden Beamtin in Tirol. Im Jahr 2017 schließlich die durchaus anspruchsvolle Aufnahmsprüfung zur Offiziersausbildung.
In Bälde Frau Major
Mit Erfolg. Heute ist Tatjana Ratz Frau Leutnant. Sie verrichtet nun als Stellvertreterin des Kommandanten ihren Dienst beim Bezirkspolizeikommando Bregenz. Dort ist sie rund 180 PolizeibeamtInnen vorgesetzt, weshalb sie nach Abschluss der Grundlaufbahn ab Dezember eine Charge höher steigen wird und sich dann Frau Major nennen darf. „Ich werde beispielsweise für die Koordination von größeren Einsätzen wie Demonstrationen zuständig sein“, sagt die 31-Jährige. Doch das ist nicht ihr einziger Aufgabenbereich. Bei weitem nicht. „Grundsätzlich bin ich als Stellvertreterin für alle Bereiche im Bezirk Bregenz zuständig. Speziell aber für den Kriminaldienst.“ Gleichzeitig ist sie auch Gleichbehandlungsbeauftragte für die Landespolizeidirektion Vorarlberg, weshalb für sie „Führen durch Vorbild“ und „Chancengleichheit“ wichtige Schlagworte sind. Ab Oktober wird sie das berufsbegleitende Masterstudium „Strategisches Sicherheitsmanagement“ in Wiener Neustadt absolvieren. Langeweile kommt bei ihr bestimmt nicht auf.
Durchsetzungsvermögen gefordert
Tatjana Ratz weiß es nun schon lange: „Der Polizeiberuf ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.“ Wie ist das mit den männlichen Kollegen? „Natürlich gibt es Situationen, wo man sich als Frau besonders durchsetzen muss. Grundsätzlich gibt es aber keine Probleme. Ich muss sagen, dass ich viel Unterstützung von meinen Vorgesetzten erfahren habe.“