Ein Seelsorger geblieben

Vorarlberg / 15.10.2020 • 18:19 Uhr
Leutselig und den Menschen zugewandt: Das sind Merkmale, die Landesbischof Benno Elbs besonders auszeichnen.VN/Paulitsch
Leutselig und den Menschen zugewandt: Das sind Merkmale, die Landesbischof Benno Elbs besonders auszeichnen.VN/Paulitsch

Corona hat auch den Alltag von Bischof Benno Elbs gründlich verändert.

Feldkirch Benno Elbs war 24, als er sich entschloss, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen. Inzwischen ist er Bischof der Diözese Feldkirch und nicht nur in klerikalen Kreisen hochgeschätzt. Auch die Nähe zum Volk ist etwas, das Bischof Benno auszeichnet. Die Nähe zu den Menschen war und ist ihm wichtig. Er möchte auch als Bischof ein Seelsorger bleiben.

Was bedeutet für Sie Altern und das persönliche Alter?

Bischof Benno Ehrlich gesagt, 60 ist schon eine relativ hohe Zahl. Das macht mich auch manchmal nachdenklich, und ich frage bewusst nach dem Sinn, dem Ziel des Lebens. Es macht aber auch gelassener, und ich spüre, dass ich nicht mehr überall dabei sein muss. Die innere Freiheit wird größer. Auch das Vertrauen, dass das Leben getragen ist, wächst mit zunehmendem Alter. Ich bin dankbar für die Gesundheit und für eine Aufgabe, die mir Freude bereitet.

Denken Sie manchmal darüber nach, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt?

Bischof Benno Mit vorrückendem Alter wird einem natürlich immer mehr bewusst, dass die Lebenszeit auf dieser Welt nicht unendlich ist. Dieser Gedanke ist jedoch nicht beängstigend. Vielmehr führt er mich in die Dankbarkeit für viele wunderbare Dinge, die ich erleben kann und auch erleben durfte und macht mich achtsam für die kleinen Geschenke des Alltags.

War das Amt des Bischofs auch in Ihrer Lebensplanung enthalten?

Bischof Benno An diese Variante habe ich nie gedacht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich vor sieben Jahren vom Herrn Nuntius angerufen wurde und er mir mitteilte, dass Papst Franziskus möchte, dass ich Bischof werde. Über diesen Anruf bin ich sehr erschrocken, und er hat mich sofort zu der Frage gebracht: Kann ich das überhaupt schaffen? Ist das der Wille Gottes für mein Leben?

Welcher Lebensabschnitt hat Sie besonders geprägt?

Bischof Benno Prägend für mich war natürlich eine sehr schöne und wertvolle Kindheit, in der ich das Vertrauen auf Gott lernen durfte und auch das Vertrauen, dass immer jemand da ist, wenn ich ihn brauche. Dieses Grundvertrauen begleitet mich durch das ganze Leben. Prägend für mich sind und waren auch immer Gespräche mit jungen Menschen.

Wie hat Corona Einfluss auf Ihr Leben genommen?

Bischof Benno Mir ist die Nähe zu den Menschen sehr wichtig. Und da hat Corona schon vieles verändert. Die Menschen sind vorsichtiger geworden. Wichtig ist mir, den guten Kontakt aufrechtzuerhalten. Es geht, glaube ich, darum, einen guten Weg zu finden zwischen Hysterie und unvorsichtiger Gleichgültigkeit. Das Virus ist vielleicht auch eine Anregung, in die Tiefe des Lebens zu blicken.

Ist Ihr neues Buch als Mutmacher in dieser schwierigen Zeit gedacht?

Bischof Benno Der Satz „Werft eure Zuversicht nicht weg“ aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament hat mich mitten im Lockdown sehr berührt. In einigen Gesprächen habe ich gemerkt, wie vielen Menschen die soziale Isolation und ganz besonders auch die Angst vor der Zukunft zugesetzt haben. Diesen Menschen wollte ich eine positive Botschaft mit auf den Weg geben, die ihrem Leben wieder Hoffnung und Freude schenkt.

Inwieweit hat sich Ihre Arbeit in der Kirche durch Corona geändert?

Bischof Benno Die Pandemie hat das kirchliche Leben doch sehr stark durchgerüttelt. Unser Anliegen als Kirche ist und bleibt jedoch immer dasselbe: möglichst nahe an den Sorgen und Freuden der Menschen zu sein und ihnen zu sagen: Gott ist da – auch in deinem Leben.

Wie sehen Sie die einschränkenden Maßnahmen, und verstehen Sie Menschen, die aufbegehren?

Bischof Benno Ich kann bei aller Skepsis, die manche Menschen haben, nur um Verständnis für die Maßnahmen werben. Ich erwähne in diesem Zusammenhang immer wieder meinen Amtskollegen, Bischof Francesco aus Bergamo. Er hat miterlebt, welche verheerenden Auswirkungen eine ungebremste Verbreitung des Virus haben kann. Ich bin dankbar, dass es bei uns nicht so weit gekommen ist.

Wie sehen Ihre persönlichen Begegnungen mit den Menschen aus?

Bischof Benno Mir war und ist wichtig, als Bischof auch Seelsorger zu bleiben. Das ist mein Amtsverständnis und das versuche ich zu leben. Natürlich ist es manchmal schwierig, bei einem dichten Terminkalender auch Zeit zu finden für persönliche Begegnungen und Gespräche. Aber im Grunde ist das Mit-Sein mit den Menschen und ihnen so die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes nahezubringen, der Grund, warum ich Priester geworden bin.

Gibt es einen besonderen Geburtstagswunsch?

Bischof Benno Mein größter Wunsch ist, dass mir Freude und Zuversicht erhalten bleiben und dass der eine oder die andere an meinem Geburtstag auch in einem Gebet an mich denken. Ich wünsche mir natürlich auch, dass das aufmerksame und achtvolle Miteinander unter uns Menschen wächst.

Benno Elbs bei seiner Erstkommunion. Die konnte, im Gegensatz zu heuer, termingerecht stattfinden.

Benno Elbs bei seiner Erstkommunion. Die konnte, im Gegensatz zu heuer, termingerecht stattfinden.

Der Firmausflug führte den jungen Benno Elbs in die blumengeschmückten Bregenzer Seeanlagen.

Der Firmausflug führte den jungen Benno Elbs in die blumengeschmückten Bregenzer Seeanlagen.

Am 16. Mai 1986 wurde Benno Elbs vom damaligen Bischof Bruno Wechner in einer feierlichen Zeremonie zum Priester geweiht.

Am 16. Mai 1986 wurde Benno Elbs vom damaligen Bischof Bruno Wechner in einer feierlichen Zeremonie zum Priester geweiht.

Im März 2013 berief Papst Franziskus Benno Elbs in das Amt des Bischofs der Diözese Feldkirch, am 30. Juni erfolgte die Bischofsweihe durch Alois Kothgassner.

Im März 2013 berief Papst Franziskus Benno Elbs in das Amt des Bischofs der Diözese Feldkirch, am 30. Juni erfolgte die Bischofsweihe durch Alois Kothgassner.

Ein besonderer Höhepunkt für Benno Elbs war eine persönliche Audienz bei Papst Franziskus. Alle fünf Jahre müssen die Bischöfe dem Oberhaupt der Katholischen Kirche Bericht erstatten.

Ein besonderer Höhepunkt für Benno Elbs war eine persönliche Audienz bei Papst Franziskus. Alle fünf Jahre müssen die Bischöfe dem Oberhaupt der Katholischen Kirche Bericht erstatten.