Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Gewollte Wirklichkeit

Vorarlberg / 10.11.2020 • 18:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Sie sind einem durchaus vertraut, jene Menschen, die von Geburt an gewohnt sind, dass ihrem Willen entsprochen wird. Man las ihnen wohl so lange jeden Wunsch von den Augen ab, bis sich ihr Verhältnis zur Wirklichkeit um dieses kleine, entscheidende Quäntchen verschoben hatte.

Seit diesem Wendepunkt glauben sie fest daran, dass etwas alleine deshalb schon wahr ist, weil sie es gesagt haben. In den glücklicheren Fällen haben sie nix zu melden. In den unglücklicheren werden sie Firmenboss oder Diktator, Corona-Leugner oder Präsident. Oder alles auf einmal.

Dabei kann ein Wort durchaus Wirklichkeit erschaffen. Die Bibel stellt es gar ganz an den Anfang. Denn ein Gedanke nimmt erst Gestalt an, wenn wir ihn in Worte kleiden. Erst ausgesprochen steht er im Raum, und alle können ihn erwägen oder verwerfen. Denn jetzt gehört er dem Denker nicht mehr allein. Der hat ihn ja mitgeteilt. So schaffen Gedanken Wirklichkeit. Gewollte Wirklichkeit entsteht allenfalls im noch so laut geführten Selbstgespräch.

Thomas Matt

redaktion@vn.at

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.