Corona: Kein Weihnachten wie früher

Vorarlberg / 11.11.2020 • 19:00 Uhr
Die Advent- und Weihnachtszeit dürfte heuer wohl sehr besinnlich ausfallen. <span class="copyright">Ludwig Berchtold</span>
Die Advent- und Weihnachtszeit dürfte heuer wohl sehr besinnlich ausfallen. Ludwig Berchtold

Warnung vor großen Familienfeiern und Angst vor einem dritten Lockdown.

Bregenz Am 7. November 2019 wurde Martina Rüscher (48) für die ÖVP als Landesrätin für Gesundheit und Sport angelobt. Nur ein paar Monate später wurde sie von der Coronapandemie eingeholt. „Eine herausfordernde Situation“, wie sie in einem Bilanzinterview mit den VN anmerkt. Das gelte aber für die gesamte Bevölkerung. „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Jeder und jede ist daher gefordert, das Bestmögliche zu tun, und das versuchen wir auch.“ Was es derzeit nicht gebe, sei Planbarkeit. Nur eines weiß Martina Rüscher sicher: Weihnachten wird anders. „So wenig Kontakte wie möglich, mit Abstand, vor allem ältere Personen und solche mit Vorerkrankungen gut schützen: Das wird zu Weihnachten und Silvester nicht anders sein“, schickt sie schon voraus.

Ein Schritt zurück

Die Sorge vor einem dritten Lockdown ist groß, jedoch nicht nur wegen der Familienfeiern, sondern weil solche Maßnahmen zu immer noch mehr Belastungen bei den Menschen führen. „Und ich habe Sorge, weil es 1918 bei der Spanischen Grippe auch drei Wellen gab. Bleibt nur die Hoffnung, dass wir nicht 100 Jahre später gleich hart lernen müssen“, wird die Gesundheitslandesrätin deutlich. Jeder Bürger habe das selber in der Hand. „Schaffen wir es nicht, gemeinsam in allen Bereichen einen Schritt zurückzugehen, ist der einzige Weg, noch härter mit Gesetzen und Verordnungen in das Leben aller einzugreifen.“

Die Frage, warum Vorarlberg bei den Infektionen österreichweit wenig schmeichelhafte Zahlen ausweist, will Rüscher von zwei Seiten betrachtet haben: „Die Antigentests, mit denen wir als erstes Bundesland begonnen haben, treiben die Zahlen in die Höhe. Wir sind viel schneller beim Erkennen der positiven Personen und können somit schneller absondern. Es ist auch so, dass von 300 oder 400 positiven Tests pro Tag in der Regel zwischen 100 und 200 nur noch Bestätigungen von antigengetesteten Personen sind. Darauf ist auch die hohe Positivrate zurückzuführen.“

Was die teils hohen Fallzahlen in manchen Bezirken angeht, spricht Martina Rüscher von einer Kombination.  Demnach sind es Unternehmen, die das Virus streuen, es gibt Schulen mit mehr Fällen, und den Freizeitbereich. Alles zusammen vermische sich zu einer Explosion. Die Folge sind volle Spitäler und Intensivbetten und immer mehr Personal, das selbst betroffen ist. Derzeit liegt die Zahl bei rund 200. „Das behalten wir gut im Auge, weil es Einfluss darauf hat, wie viel wir vom Regelsystem aufrechterhalten können“, erklärt Rüscher. Die regelmäßige Testung von Gesunden erfolgt hingegen nur in einzelnen Abteilungen. Der negative Antigentest habe eine hohe Fehlerquote. „Im Spital ist es aber wichtig, dass unabhängig von Tests die Schutzmaßnahmen funktionieren.“

Im Austausch

Verständnis zeigt Martina Rüscher für eine gewisse Coronamüdigkeit. „Wir haben das auch mit Psychologen diskutiert. Wenn man irgendwann genug hat von einem Thema, ist ein einfacher Weg, anderen zu glauben, die das als nicht so gravierend sehen.“ Diese Einstellung nehme zu. „Man kennt Personen, die die Krankheit relativ gut überstanden haben und nimmt Gleiches für sich in Anspruch. Was nicht angenommen wird, ist die Erkenntnis, dass Covid eben anders ist als eine Grippe“, bedauert sie.  Mit den Vertretern von Verschwörungsmythen versucht Rüscher im Austausch zu bleiben, um sie wissen zu lassen, „dass wir sie hören, aber auch um zu erklären, warum wir nur den wissenschaftlich fundierten Argumenten folgen“. Dabei handle es sich stets um eine konsolidierte Mehrheitsmeinung. „Wenn das alles nur Fake-News wären“, fragt sie, „warum haben wir dann so viele Patienten im Spital, die um ihr Leben kämpfen?“