Unternehmerin Desiree Riedlsperger: Mit Mut und Zuversicht

Vorarlberg / 25.11.2020 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Unternehmerin Desiree Riedlsperger: Mit Mut und Zuversicht
Die Unternehmerin Desiree Riedlsberger kämpft für ihre Läden und blickt mit vollem Mut und Zuversicht in die Zukunft. FREDERICK SAMS

Unternehmerin Desiree Riedlsperger über ihre Herausforderungen während der Corona-Pandemie.

Koblach Wie man es schafft, in diesen Zeiten ein Unternehmen zu führen und den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren, zeigt die 38-jährige Desiree Riedlsperger. Die Unternehmerin mit mehreren Modehäusern beweist jeden Tag ihre Frau und blickt voller Erwartung in die Zukunft.

Sie sind Eigentümerin der Modegeschäfte u. a. in der Dornbirner Innenstadt mit „k.you“ und den „Max und Stella“-Stores im Messepark, Götzis sowie in Schruns. Wie setzt die Corona-Pandemie ihrem Unternehmen zu?

Riedlsperger Mittlerweile haben wir als Unternehmen im ersten Lockdown an Erfahrung gesammelt, z. B. wie man die Geschäfte organisiert, wie man mit den Hygieneanforderungen umgeht und die Sicherheit für die Mitarbeiter im Verkauf gewährleistet. Des Weiteren war ich beim zweiten Lockdown klarer und gefasster, daher konnte ich Themen gezielter angehen, z. B. die Kurzarbeit, Lieferungsstopp der Ware und Ordertermine. Wir machen extrem unterschiedliche Erfahrungen an den verschiedenen Standorten. In der Innenstadt, im Messepark, in Götzis und im Tourismusort Schruns. Da müssen wir unterschiedliche Maßnahmen setzen.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Riedlsperger Die Gesundheit steht für mich an oberster Stelle. Meine Mitarbeiter, meine Familie, meine Freunde und ich, wir sind gesund – daher geht es mir gut. Die Textilbranche beutelt es ordentlich, da gibt es nichts schönzureden. Uns fehlen jetzt zum zweiten Mal die besten Verkaufsmonate. Das war im Frühling so und jetzt im Winter wieder. Aber wenn man für sein eigenes Unternehmen die Verantwortung trägt, sehe ich mich auch in der Pflicht, jetzt nicht den Kopf hängen zu lassen. Es gibt aktuell viel zu diskutieren und es braucht schnelle, konsequente Entscheidungen. Es ist eine Herausforderung und in gewissem Maße ein Kampf, den ich aber für mein Unternehmen annehme. Die stillgelegte Gastronomie und der stillgelegte Tourismus haben seit März für den Handel enorme Auswirkungen. Wir waren in den ersten Wochen, obwohl wir offen hatten, genauso betroffen und haben es im vollen Ausmaß zu spüren bekommen. Die Touristen fehlen, die Kunden sind mit Unsicherheit und Angst konfrontiert. Es fehlen die Anlässe und die Feiern, um die schönen Teile auszuführen. Das macht dem Modehandel in der Krise zu schaffen. Wenn wir dann im Dezember offen haben – in welche Richtung geht die Kommunikation? Stay at home und offene Läden stehen im Widerspruch.

Haben Sie sich Alternativen, Mode zu verkaufen, ausgedacht?

Riedlsperger In dieser Richtung haben wir uns speziell um unsere Stammkunden bemüht, so gut man das in der Situation eben kann, wenn man keinen Online-Bereich hat. Der Online-Bereich ist ein komplexes Thema, das will ich nicht aufgrund von Corona jetzt erzwingen. Im Ländle und mit Geschäften wie wir sie betreiben, bin ich der Meinung, kann der Webshop das stationäre Business nicht ersetzen. Mode ist nach wie vor wichtig und die Kunden kaufen schon länger, aber gerade jetzt noch bewusster. Da gehört zum perfekten Markenmix der menschliche Umgang, das wohltuende Gespräch und der gute Kaffee dazu.

Werden jetzt – dank Homeoffice – bei Ihnen in den Geschäften bequemere Kleidungsstücke nachgefragt?

Riedlsperger Viele Kunden kaufen natürlich aktuell viel legerer, weniger angezogen. Es gibt keine Anlässe und keine Termine. Es geht in Richtung Lässigkeit. Allerdings kaufen Sie nach wie vor auch für die Freizeit oder das Homeoffice mit Stil, daher wird die Beratung unserer Mitarbeiter nach wie vor in Anspruch genommen. Das finde ich schön, und es bestätigt sich wieder mal der positive Ruf in der Branche für die modischen Vorarlberger.

Haben Sie sich in den letzten Wochen als Person, Familie verändert? Gibt es neue Routinen? Haben Sie Positives aus dieser Zeit mitgenommen?

Riedlsperger Ich habe mich nicht verändert, ich habe nur noch funktioniert. Am Anfang war es für mich ein Schock. In erster Linie als Unternehmerin einen klaren Kopf zu bewahren, für die Anliegen der Mitarbeiter da zu sein und dann wieder als Mutter einfühlsam, aufmerksam und ruhig zu bleiben und meine Kinder von meinen Sorgen und Ängsten fernzuhalten. Mit meinen Gedanken und Unsicherheiten klarzukommen, alles Gewohnte zu verlassen und sich komplett neu zu organisieren – das war die Herausforderung. Diesmal muss ich auch als selbstständige und selbstbewusste Geschäftsfrau sagen, ohne meinen Mann und seine Unterstützung wäre mir da wohl die Luft ausgegangen. Er musste viel psychologische Betreuung leisten und hat mich immer wieder aufgerichtet. Es ist für jeden Unternehmer eine enorme Belastung.

Daher auf Ihre weitere Frage: Nein, ich habe aus dieser Zeit nichts Positives für mich mitgenommen. Außer dem Glück der Gesundheit, aber das steht außer Frage. Für das Unternehmen war es eine rein kaufmännische Herausforderung. Aber ich bin wieder voller Mut und Zuversicht und behalte den Glauben an das Textil-Business und das langjährige Bestehen meines Unternehmens. Es ist eine Krise für alle Generationen und für uns alle eine neue Erfahrung. Wir werden es überstehen und ich blicke hoffnungsvoll und erwartungsvoll in die Zukunft.

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