Neue Brennerei für edlen ­Selbstgebrannten in Hard

Vorarlberg / 09.05.2021 • 17:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Investitionen in die Brennerei unterstützen Erhalt der Hochstamm-Obstbäume.
Investitionen in die Brennerei unterstützen Erhalt der Hochstamm-Obstbäume.

OGV Hard stellt Mitgliedern bestens ausgestatteten mobilen Brennhafen zur Verfügung.

HARD Viel Geduld, gutes Obst, ausreichendes Fachwissen und eine bestens funktionierende Schnapsbrennerei – das sind die Zutaten für den Selbstgebrannten. Jetzt steht den Hobby-Schnapsbrennern in Hard eine neue Schnapsbrennerei des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins zur Verfügung.

Den ersten fahrbaren Brennhafen schaffte der Harder Verein anno 1935 an, der letzte wurde im Vorjahr undicht, eine Reparatur war nicht mehr möglich. Zwar bietet der Verein seinen Mitgliedern auch eine kleine, elektrisch beheizte Brennerei, aber für größere Mengen an Obst und Maische ist schon ein ordentliches Gerät erforderlich.

Modell aus Lauterach erworben

Und so nutzte der Vereinsvorstand mit Obmann Thomas Bitschnau die Chance, ein robustes Fahrgestell der Brennerei der Kollegen aus Lauterach zu erwerben. Die Planung übernahm Obmann-Stellvertreter Rudolf Heinzle. Der pensionierte Techniker und passionierte Abfindungsbrenner nutzte für die Umsetzung natürlich auch das Fachwissen von Brennwart Karl Hagen und Sigi Rohner und die Unterstützung der Vorstandsmitglieder.

„Den neuen Brennhafen mit 140 Litern Fassungsvermögen samt Kondensator und Verrohrung lieferte das Spezialunternehmen Holstein aus Markdorf am deutschen Bodenseeufer“, berichtet Rudolf Heinzle. Siegi Rohner konnte die HTL Bregenz rasch für die Mitarbeit an der elektrischen Ausstattung begeistern. Denn die fahrbare Brennerei wird zwar traditionell mit Holz beheizt, für Beleuchtung, Rührwerk usw. ist aber eine Stromversorgung erforderlich.

Maische, Rohbrand, Feinbrand

Das noch intakte Edelstahldach der alten Brennerei passte der Harder Schlosser David Biatel sorgfältig an, er konstruiert und lieferte auch für neue Seitenwände. Die bewähren sich besonders bei Regenwetter auch als Vordächer. Fachwissen und Ratschläge erfahrener Brennerkollegen tragen dazu bei, dass aus gutem Obst auch ein exzellenter Feinbrand wird. Abfindungsbrenner dürfen ausschließlich selbst gewonnenes Obst verarbeiten. Das will das Finanzamt detailreich gemeldet haben, ebenso natürlich die Menge der Maische, also des gemahlenen Obstes.

520 Kilo Äpfel

Um die 520 Kilo Äpfel waren es heuer bei Rudolf Heinzle, beim Brennen wurde er von Schwager Hubert Schreiber unterstützt. Aus dieser Obstmenge lassen sich etwa 18 Liter reinen Alkohols gewinnen, also ca. 40 Liter Schnaps mit 40 Prozent Alkoholgehalt. Zuerst geht es um den Rohbrand aus der Maische. Dieser erste Durchlauf enthält etwa 28 Prozent Alkohol. Das Rührwerk und das Wasserbad sorgen dabei dafür, dass die Maische nicht im Brennhafen anhockt.

Rinnsal als wäre es gezopft

Im Anschluss gehört die Brennerei besonders sorgfältig gereinigt, dann kann der Feinbrand erfolgen. Der Brennhafen darf dabei nicht überhitzen, maximal 96 Grad Clesius darf das Thermometer anzeigen. „Wenn das Rinnsal aussieht, als wäre es gezopft, ist das ein gutes Zeichen“, weiß Rudolf Heinzle (69).

Dank der neu aufgebauten Brennerei geht alles etwas rascher, es sind also weniger Stunden der Aufmerksamkeit erforderlich. Geduld allerdings müssen der Obmann-Stellvertreter und dessen Schwager Hubert dennoch aufbringen. Denn nur, wenn der sorgfältig gebrannte Edelbrand möglichst langsam rinnt, entspricht die Qualität den eigenen hohen Ansprüchen.

Erhalt der Hochstammbäume

Etwa 30 Harder nützen die mobile Brennerei jährlich, um ihren eigenen Schnaps zu erzeugen, durchschnittlich werden in der großen Brennerei von jedem Hobbybrenner um die zehn Hektoliter Maische verarbeitet.

Der OGV Hard gehört nicht umsonst dem Landesverband für Obst- und Gartenkultur an. „Blühende Hochstammbäume prägen die Landschaft unserer Heimat“, verweist der Vereinsvorstand auf einen wesentlichen Aspekt. Diese mächtigen Bäume tragen zum Windschutz bei, ihre Früchte sind Grundlage für Süßmost, für Dörrobst, Gärmost, Essig und auch den Edelbrand. Die Zahl der Hochstammbäume ging während der vergangenen Jahrzehnte stark zurück. Nur die Verwertung der Früchte sichert die Auspflanzung und Erhaltung dieser wertvollen Obstkultur in Hard. Die Erneuerung der fahrbaren Brennerei ist ein entscheidender Beitrag des Obst- und Gartenbauvereines Hard zur Erhaltung dieser Tradition. AJK

Vorstandsmitglieder vor der neuen Schnapsbrennerei des OGV Hard: Obmann Thomas Bitschnau, Vize Rudolf Heinzle, Baumwärter Sigi Rohner und Schriftführer Egon Puschnigg.
Vorstandsmitglieder vor der neuen Schnapsbrennerei des OGV Hard: Obmann Thomas Bitschnau, Vize Rudolf Heinzle, Baumwärter Sigi Rohner und Schriftführer Egon Puschnigg.
Sorgfältige Reinigung nach dem Rohbrand durch Experte Hubert Schreiber.
Sorgfältige Reinigung nach dem Rohbrand durch Experte Hubert Schreiber.
<p class="caption">Feuer unter dem Brennhafen: Rudolf Heinzle legt Holz nach. <span class="copyright">ajk/4</span></p><p class="caption"/>

Feuer unter dem Brennhafen: Rudolf Heinzle legt Holz nach. ajk/4

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.