Wälder Trinkwasserverband zapft großen Grundwassersee an

Vorarlberg / 11.07.2021 • 17:50 Uhr
<p class="caption">Ein Loch mit 90 cm Durchmesser frisst der Bohrkopf in die Erde.</p><p class="caption"/>

Ein Loch mit 90 cm Durchmesser frisst der Bohrkopf in die Erde.

Zehn Gemeinden verbessern mit diesem Projekt ihre Versorgungssicherheit.

Schwarzenberg Wer momentan auf der L 200 zwischen Andelsbuch und Bezau oder mit dem Museumsbähnle unterwegs ist, bemerkt neben der Straße einen Lagerplatz für Baumaterial und eine frisch geschüttete Schotterstraße, die zur hinter einer Baumgruppe versteckten Baustelle mit einem Bohrturm führt.

Nach den spektakulären Projekten, bei denen in den 1980er-Jahren in Sulzberg und Au nach Erdgas und Erdöl gebohrt wurde, ein neuerlicher Versuch? Falsch, diesmal geht es nicht um vermutete Vorkommen fossiler Brennstoffe, sondern um Trinkwasser. Und es wird auch nicht gesucht. Es geht bereits konkret darum, einen von Experten georteten Grundwassersee anzuzapfen.

Lehren aus dem Krisenjahr

Die Wasserversorgung in Vorarlberg rückte 2018 in vielen Teilen des Landes in die Schlagzeilen – fehlende Niederschläge und Hitzeperioden führten zu akuter Wasserknappheit und machten in einigen extremen Fällen sogar Notlieferungen mittels Tankwagen für besonders betroffene Gemeinden notwendig. Land und Gemeinden zogen aus dieser Krisensituation ihre Lehren und forcierten den Ausbau der Trinkwasserversorgung – auch dort, wo es (noch) keine akuten Versorgungsengpässe gab.

Gemeinsames Projekt

Im Bregenzerwald schlossen sich gleich zehn Gemeinden zusammen und bildeten einen Trinkwasserverband. Mit dem Ziel, zum einen einander im Notfall über ein vernetztes Leitungssystem auszuhelfen, zum andern, um durch die Erschließung von zusätzlichen Trinkwasserquellen in Hinkunft bei Trockenperioden gewappnet zu sein.

Anfang 2020 gründeten Andelsbuch, Bezau, Egg, Hittisau, Krumbach, Langenegg, Lingenau, Riefensberg, Schwarzenberg und Sibratsgfäll deshalb einen Verband und starteten ein Projekt zur Erschließung neuer Quellen. Experten wurden an der Ach zwischen Bezau und Schwarzenberg fündig: In fast 100 Metern Tiefe fanden sie einen mächtigen Grundwassersee.

Mindestens 25 Sekundenliter

Vorsichtige Schätzungen ergaben eine Ergiebigkeit von mindestens 25 Sekundenlitern. Der Krumbacher Bürgermeister Egmont Schwärzler, Obmann des Trinkwasserverbands Bregenzerwald, ist optimistisch und geht von der doppelten Menge aus, denn Fachleute halten eine Ergiebigkeit von 40 bis 60 Litern pro Sekunde für realistisch.

Ein ideales Vorkommen

Nicht nur die angenommene Ergiebigkeit stimmt die Verantwortlichen zuversichtlich, das Grundwasservorkommen bietet auch andere Vorteile: Der Grundwassersee befindet sich in einem reinen Kies-Schotter-Gemisch unter der Bregenzerach. Diese Zusammensetzung ist, geologisch gesehen, die beste Voraussetzung für einen Brunnen, der reinstes Trinkwasser liefern soll, wissen die Fachleute und führen einen weiteren Vorteil ins Treffen: „Das Grundwasser ist weit unten, und damit ist eine Kontamination von der Geländeoberfläche oder durch Unfälle auf der Landesstraße praktisch ausgeschlossen“, so der Geologe Rufus Bertle, einer der Finder des Grundwassersees.

Wundersame Wasservermehrung

Auf die Spur des Grundwassersees führten Untersuchungen der Wasserfracht in der Bregenzerach. Bei Messungen hat sich in diesem Bereich gezeigt, dass sich die Wasserfracht im Bachlauf beträchtlich erhöht: talauswärts vom Bohrpunkt fließen rund 200 Liter pro Sekunde mehr als vorher in der Ach. Schlussfolgerung der Experten: „Sie müssen dort irgendwo dazugekommen sein.“ Jetzt konnte auf Basis dieser Fakten das Suchgebiet eingegrenzt werden. Untersuchungen spürten den Grundwassersee auf.

Noch heuer Pumpversuche

Im ersten Bauabschnitt wird derzeit ein Brunnen errichtet und die tatsächlich mögliche Wasserentnahme ermittelt. Ein Spezialunternehmen aus Hebertsfelden in Bayern teuft dazu eine Bohrung mit rund 90 Zentimeter Durchmesser auf die Tiefe von 95 Metern ab. Rund eine Million Euro ist für diese Bohrung veranschlagt. Wenn die tatsächlich mögliche Entnahmemenge feststeht, wird das Pumpwerk errichtet, und auf dieser Grundlage werden umliegende Gemeinden an das neue Wasserwerk angeschlossen. Schließlich wird der Wasserverband in den nächsten Jahren zusätzliche Verbundleitungen zwischen den Leitungsnetzen der Gemeinden errichten. STP

Ein Spezialunternehmen aus Bayern zapft den Grundwasserkörper an.
Ein Spezialunternehmen aus Bayern zapft den Grundwasserkörper an.
<p class="caption">Von der L 200 oder vom Museumsbähnle aus eröffnet sich der Blick auf eine ungewöhnliche Baustelle in der Parzelle Hohlstein. <span class="copyright">STP/3</span></p><p class="caption"/>

Von der L 200 oder vom Museumsbähnle aus eröffnet sich der Blick auf eine ungewöhnliche Baustelle in der Parzelle Hohlstein. STP/3