„Es ist das letzte Mittel“

Vorarlberg / 26.07.2021 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dr. Harald Geiger warnt vor Delta-Mutationen. Geiger
Dr. Harald Geiger warnt vor Delta-Mutationen. Geiger

Kinderarzt Harald Geiger und Elternvertreter Martin Wolf sehen Lehrer-Impfpflicht kritisch.

Schwarzach „Eine angeordnete Impfpflicht für Lehrer ist das letzte Mittel. Ich bin Befürworter von Überzeugung statt Anordnung. Aber vielleicht bleibt am Schluss gar nichts anderes übrig, als die Verpflichtung.“ Kinderarzt Dr. Harald Geiger (63) befürchtet eine noch größere Spaltung in der Gesellschaft, sollte eine Impfpflicht im pädagogischen Bereich eingeführt werden, räumt andererseits jedoch ein, dass ungeimpfte Lehrer in Kontakt mit ungeimpften Kindern und Jugendlichen problematisch seien.

Stigmatisierung

„Die Erfahrungen mit Impfpflicht ergeben ein Bild von gegenseitiger Stigmatisierung. Diese führt auch zu Umgehungsmaßnahmen, indem Leute zum Beispiel Dokumente fälschen“, warnt der Mediziner.

Sehr wohl ist der Kinderarzt für eine Impfnachweispflicht für bestimmte Berufsgruppen. „Das wäre wohl eine etwas elegantere Art eines gewissen Drucks, sich impfen zu lassen, und als Einstellungspraxis auch legitim.“ Geiger versteht die Sorgen von Eltern, die ihre Kinder und Jugendlichen nicht geimpften Lehrern überlassen sollen. Eine Impfpflicht als ultima ratio lasse sich in letzter Konsequenz vielleicht aber auch bei den Lehrern nicht verhindern. Schließlich würden alle Überzeugungsversuche bei einigen Uneinsichtigen auf Ablehnung stoßen. „Wenn ein Thema wie das Impfen zur Glaubensfrage wird, helfen rationale Argumente nicht mehr.“

Riesiger Testaufwand

Die für den Schulstart angekündigten Maßnahmen, speziell die Testoffensive, sieht Dr. Geiger mit gemischten Gefühlen. „Es wird da ein riesiger Aufwand betrieben. Drei Mal testen pro Woche ist den Kindern auf Dauer sicher nicht zuzumuten. Diese Maßnahme kann nicht ewig umgesetzt werden.“ Als Tests empfiehlt Dr. Geiger PCR-Gurgeltests. „Die funktionieren gut, sind sicherer als die Antigen-Tests und relativ schnell auswertbar.“

Für „umfassenden Diskurs“

Keine Impfpflicht für die Lehrer fordert der Landeselternverband. Martin Wolf (52), einer der drei Vorsitzenden, erklärt, warum: „Wir unterstützen die Meinung von Minister Faßmann, Lehrpersonen die Entscheidung selbst zu überlassen. Wir treten für einen umfassenden Diskurs mit den Betroffenen ein. Diskussionen sollen nicht über andere, sondern miteinander geführt werden.“

Wolf verweist auf diese Haltung als offizielle Stellungnahme des Landeselternverbandes. „Natürlich gibt es auch bei uns andere Meinungen. Wir empfehlen eine Impfung, ja. Und wir treten entschieden gegen Coronaleugner auf“, sagt Wolf.