Rhesi macht der Gemeinde Koblach das Leben schwer

Bürgermeister Gerd Hölzl beklagt die Stigmatisierung seiner Kommune wegen des Hochwasserschutzprojekts.
Schwarzach Der Koblacher Bürgermeister Gerd Hölzl (55) hat kein leichtes Erbe angetreten. Das Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi) drückt wegen des hartnäckigen Widerstands einiger Bürger der Gemeinde seinen Stempel auf. Im VN.at-Interview beschreibt Hölzl die Stimmung in Koblach, berichtet von den durch Rhesi ausgelösten Problemen im partnerschaftlichen Umgang mit anderen Kommunen und outet sich als Befürworter des Jahrhundert-Vorhabens.
Haben Sie an Rhesi gedacht, als Sie die erschreckenden Flutbilder aus Deutschland gesehen haben?
Nein. Aber auf Rhesi angesprochen: Ich weiß um das Gefahrenpotenzial des Rheins, und wir wollen dieses Gefahrenpotenzial im Griff haben. Ich denke: Wir sind halbwegs sicher, und mit Rhesi werden wir noch sicherer sein. Ich bin froh, dass die grenzüberschreitende Kommunikation in Bezug auf den Rhein gut funktioniert. Der Rhein hat unsere Aufmerksamkeit. Wir wissen, dass starke Regenfälle in Graubünden uns beschäftigen müssen. Aber unmittelbar sind wir eher durch die Frutz gefährdet. Wir haben mit dem Koblacher Kanal nur einen Abfluss, bei Schlagwetter sind die Gräben rasch voll, und es kommt zu Kellerflutungen bei einigen Häusern. Dieses Problem beschäftigt uns aktuell.
Zurück zum Rhein. Haben Sie den schon einmal persönlich als gefährlich erlebt?
Nein, in Koblach nicht. Aber wie gesagt: Wir haben die Augen offen. Wir beobachten Entwicklungen in Graubünden. Angst habe ich nicht.
Haben die Hochwasserereignisse in Deutschland das Dorf beschäftigt?
Ja natürlich. Und die Erkenntnis ist eindeutig: Der Hochwasserschutz ist in Koblach in jedweder Form wichtig. In Bezug auf die Frutz, den Koblacher Kanal und selbstverständlich auch auf den Rhein.
Welche Aktivitäten seitens der Gemeinde sind im Zusammenhang mit Rhesi in nächster Zeit geplant?
Es wird Anfang Oktober einen Rhesitag geben. Da organisieren wir eine Exkursion zur Versuchshalle nach Dornbirn. Nur für die Koblacher. Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2022 werden wir in der Gemeinde einen Beschluss herbeiführen. Und zwar, ob wir den von der IRR vorgeschlagenen Grundstückstäuschen zustimmen. Wir Koblacher wollen nicht der Bremsklotz für das Einreichverfahren von Rhesi werden. Wir wollen nichts verzögern.

Doch genau das glauben offensichtlich viele.
Ja, leider. Das macht es für die Kommune in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden nicht leichter. Ich spüre ein Misstrauen gegenüber Koblach in verschiedenen Bereichen – auch dort, wo es gar nicht um Rhesi geht. Es ist wie eine Art Stigmatisierung. So nach dem Motto: Euch kann man nicht trauen, das sieht man bei Rhesi. Das ist keine angenehme Situation.
Wie geht es Ihnen mit der hochaktiven Gruppe der Rhesi-Gegner im Dorf, die gegen die Dammabrückung wettern?
Ich verstehe die Sorgen von Bürgern, die Angst haben und räume ihnen selbstverständlich auch das Recht auf ihre eigene Meinung ein. Ich bin mit der Gruppe der RhesiNat stets im Kontakt. Schade finde ich, dass oft die Sachlichkeit verlorengeht. Dass bei anderen Themen, die nichts mit Rhesi zu tun haben, immer wieder Rhesi hineinreklamiert wird. Das schadet uns.
Die Gegner der Dammabrückung sagen: Die derzeitigen Schutzvorrichtungen am Rhein haben 100 Jahre funktioniert. Sie werden es auch weiter tun.
Das stimmt einfach nicht. Koblach hat sich von der Einwohnerzahl verdoppelt, es gibt viel mehr Abwasser, die Versiegelung hat stark zugenommen. Dort, wo sich vor 50 Jahren nach einem Schlagwetter noch Wasser im Grünen sammeln konnte, stehen heute Häuser. Nichts ist gleichgeblieben. Und den Klimawandel haben wir auch noch.
Sie befürworten das Rhesi-Projekt in der vorgesehenen Form?
Ja, das tu’ ich. Ich hoffe, dass sich letztlich der Zugang zur sachlichen Argumentation durchsetzt. Wenn Emotionen erzeugt werden, reißt das Menschen mit. Bei Bürgern, die sich umfassend informiert haben, ist die Hinwendung zu RhesiNat sehr begrenzt.
Sind die Landwirte mit den angebotenen Grundstückstäuschen zufrieden?
Ja, absolut. Ich höre immer wieder: Wenn das mit den Grundstückstäuschen so kommt, sage ich sofort zu.
Ob Sie nun wollen oder nicht: Sie gelten als “Rhesi-Bürgermeister”, weil die Außenwahrnehmung von Koblach auf dieses Thema beschränkt ist. Welche Rolle spielt Rhesi in Ihrem Tagesgeschäft?
Ein durchschnittliches. Es liegt von der Prioritätenliste her im Mittelfeld. Koblach hat andere große Herausforderungen. Etwa die Kinderbetreuung oder das Radwegenetz. Wir treten als Partner von anderen Gemeinden in vielen Bereichen auf. Deswegen ist dieses Stigma als Rhesi-Gegner, dem man nicht vertrauen kann, auch sehr, sehr unangenehm.