Sommer-Bilanz: Regenreich, aber sehr warm

Auch der Sommer 2021 stand in Vorarlberg im Zeichen des Klimawandels.
SCHWARZACH Das astronomische Sommer dauert noch an, der meteorologische ist seit 31. August vorbei. Zeit für Experten wie Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Bilanz zu ziehen. Und zwar eine durchaus überraschende: In den drei Monaten ab Juni gab es in Vorarlberg nicht nur viel Niederschlag, es war auch immer wieder kühl bis kalt. Aber ausschließlich nach heutigen Maßstäben, wie Orlik im Gespräch mit den VN verdeutlicht: „In den 1960er und 1970er Jahren wäre das ein exorbitant warmer Sommer gewesen.“

„In den 1960er- und 1970er-Jahren wäre das ein exorbitant warmer Sommer gewesen.“
In Bregenz hatte es durchschnittlich 18,7 Grad Celsius. Einem Minimum von 7,7 Grad am 1. Juni stand ein Maximum von 31,3 Grad am 19. Juni gegenüber. In Bludenz herrschten alles in allem zwar ähnliche Temperaturen, es gab jedoch größere Abweichungen nach unten und nach oben: Anfang Juni wurden 6,8 Grad gemessen, am 28. Juni 33,9 Grad. Da wie dort war es damit im Frühsommer am heißesten. Das ist kein Zufall: In weiterer Folge wuchs laut Orlik der Einfluss altantischer Triefdruckgebiete auf die Großwetterlage. Ergebnis: Es wurde nass. Zunächst aber noch einmal zurück zu den Temperaturen: In den vergangenen Jahren waren die Sommer noch wärmer als heuer. 2018 hatte es in Bregenz durchschnittlich 20,9 Grad, 2019 20,7 Grad und 2020 19,3 Grad. Aus den Werten mehrerer Jahre errechnet Orlik ein geglättetes Mittel, um zum Ausdruck zu bringen, wie sich die Verhältnisse entwickeln. Inklusive 2021 normal sind demnach heutzutage 19,7 Grad. Schaut man weiter zurück wird klar, wie sehr sich hier der Klimawandel bemerkbar macht: Ab Beginn der Aufzeichnungen 1869 bewegte sich dieser Wert jahrzehntelang in einer relativ kleinen Bandbreite von 16,7 bis 17,8 Grad. Mitte der 1970er Jahre handelte es sich um 17,3 Grad. Seither geht die Kurve nach oben; und zwar durchgehend auf die gegenwärtigen 19,7 Grad.
Auf der anderen Seite waren die jüngsten Sommer sehr regenreich. „In Westösterreich gab es teilweise neue Monatsrekorde“, berichtet Orlik. „In Bregenz gab es im Juli um gut 70 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel: 318 statt 185 Millimeter. Im August hat sich das dann weiter fortgesetzt.“
Kommt auch hier der Klimawandel zum Ausdruck? Laut Orlik sprich viel dafür, er bleibt jedoch vorsichtig. Einzelne, schwere Gewitter habe es schon immer gegeben, betont der Meteorloge: „Man muss jedoch beobachten, ob die Häufigkeit weiter zunimmt. Die Datenreihen sind noch zu kurz.“ In Vorarlberg gebe es seit 2010 auffallend viele niederschlagsreiche Sommer. Nur 2013, 2015, 2018 und 2019 sei es im langjährigen Vergleich zu trocken gewesen. JOH