Metzgerei-Netzwerk wartet auf den Start

Vorarlberg / 13.01.2022 • 18:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
6000 Tiere pro Jahr müssen nun woanders geschlachtet werden. VN/Paulitsch
6000 Tiere pro Jahr müssen nun woanders geschlachtet werden. VN/Paulitsch

Zertifizierung bald abgeschlossen. Umbauten erst später.

Schwarzach Es ist ruhig geworden um den Schlachthof Dornbirn. Das ist nicht weiter verwunderlich: Der Schlachthof ist geschlossen. Seit Ende Dezember fehlt jene Einrichtung, die rund 6000 Vorarlberger Tiere pro Jahr geschlachtet hat. Nachdem jahrelang mehr oder weniger intensiv, jedenfalls erfolglos, eine Alternative gesucht wurde, zauberten die Landespolitik und die Landwirtschaftskammer die Netzwerk-Lösung aus dem Hut. Mehrere Metzgereien sollen gemeinsam die fehlende Kapazität kompensieren. Doch das Unterfangen ist schwierig. Die Zertifizierungen fehlen noch, die Metzgereien müssen kräftig aufstocken. Der zuständige Landesrat Christian Gantner bleibt aber optimistisch.

Nicht nur um das Gebäude, auch um das Thema ist es ruhig geworden. Viele Landwirte und Metzger möchten sich nicht offiziell äußern. Die Stimmung ist gedämpft. Manche fragen sich, was in der Zwischenzeit mit den ganzen Gütesiegeln geschieht, die eine Schlachtung im Ländle garantieren. Ein großes Fragezeichen befindet sich auch über den Tiertransporten: Werden die Tiere nun nach Kempten, Buchloe oder Salzburg gebracht?

Warten auf Zertifikat

Milchwirtschaft und Almwirtschaft tragen unter anderem zum Schlacht- und Transportproblem bei, wie ein Landwirt aus dem Bregenzerwald schildert. „Im Herbst, wenn die Tiere runterkommen, sind die Ställe voll. Dann muss man schlachten.“ Auch darum sei ein Schlachthof im Land nötig. Sonst schnellt die Transportzahl nach oben. Ein Metzgerei-Netzwerk soll einspringen. Es bestand ursprünglich aus drei Schlachthöfen, die sich vorerst auf zwei reduziert haben, wie Landesrat Gantner bestätigt. Die Metzgereien Natter und Gstach werden vorerst die Kapazitäten übernehmen, sofern zwei Hürden aus dem Weg geschafft werden: Den Metzgereien fehlt das AMA-Zertifikat und sie müssen ausbauen. Zumindest das Zertifikat sollten sie bald in der Tasche haben. Markus Gstach vom gleichnamigen Rankweiler Betrieb bestätigt: „Das Audit war schon positiv. Ich rechne mit höchstens zwei Wochen.“ Man habe aber schon zu Jahresbeginn erste Aufträge übernommen.

Der andere Punkt sind die Kapazitäten. Die Steigerung ist enorm. „Wir gehen vom Drei- bis Vierfachen aus“, rechnet Gstach vor. „Wir müssen alle miteinander aufstocken.“ Momentan befinde sich die Metzgerei deshalb unter großem Druck. „Das ist eine riesige Belastung. Aber es geht nicht anders. Bis zum Umbau schaffen wir es vor allem mit viel persönlichem Einsatz.“ Der größere Umbau sei im Sommer oder Herbst geplant.

Das Netzwerk wird vom Land gefördert. Von den mittelfristigen Umbauten übernimmt der Steuerzahler 40 Prozent. Für Investitionen im ersten Quartal, wie die Zertifizierung, gibt es noch mehr Geld. Nach dem Umbau wird auch die Metzgerei Walser wieder dazustoßen, sagt Gantner. Weitere Metzgereien hätten Interesse bekundet. Kann das Netzwerk Dornbirn ersetzen? Der Landesrat bejaht. „Es gibt auch viele kleinere Schlachter, die schon Tiere übernommen haben. Wirklich sehen werden wir es aber zu Jahresende. Für die großen Segmente wurden jedenfalls fixe Betriebe gefunden.“ Zum Beispiel für Spar, also Tann. Gantner betont: Die Tann-Stiere sollen ab 24. Jänner bei Gstach unterkommen. Eine Sprecherin von Spar erläutert auf VN-Anfrage: „Wir weichen jetzt auf Tirol aus. Falls sich etwas in Vorarlberg ergibt, wären wir froh.“ Es gehe vor allem um regionale Geschichten wie das Ländle-Kalb.

Die Ruhe im Schlachthof sorgt jedenfalls für Betrieb auf den Straßen. Was niemand wollte.

„Das ist eine riesige Belastung. Bis zum Umbau schaffen wir es mit viel persönlichem Einsatz.“

Der Schlachthof in Dornbirn steht seit Dezember leer. VN/Stiplovsek
Der Schlachthof in Dornbirn steht seit Dezember leer. VN/Stiplovsek

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