Gericht: Bausachverständigem falsches Gutachten angelastet

Vorarlberg / 28.01.2022 • 13:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Bausachverständigem falsches Gutachten angelastet
Mit einem Freispruch endete am Landesgericht Feldkirch der Prozess gegen einen Bausachverständigen. Eckert

62-Jähriger wird vom Vorwurf der falschen Beweisaussage freigesprochen und kann aufatmen.

Feldkirch Hintergrund des Rechtsstreites war die Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäudes in Feldkirch. Umfassende Arbeiten wurden ausgeführt, doch der Bauträger war der Meinung, dass für einige gar kein Auftrag bestanden hatte, weshalb er die Bezahlung von 300.000 Euro verweigerte.

Diese Summe betraf Zusatz- und Nachtragsarbeiten. Ein Bausachverständiger sollte im Zivilverfahren Klarheit in die Causa bringen. Doch statt Klarheit gab es nun noch ein Verfahren, nämlich ein Strafverfahren. Die Anklagebehörde lastete dem Mann an, er habe inhaltlich ein falsches Gutachten erstellt und das mit Absicht. Dies wies der Tiroler von sich, sein Verteidiger Georg Mandl bedauerte, dass man diese Frage nicht im Rahmen einer Gutachtenserörterung im Zivilverfahren klärte. „Mein Mandant bekam nicht einmal die Chance, die Sache zu erläutern. Stattdessen wurde er vors Strafgericht zitiert, was völlig unüblich und überflüssig ist“, so Mandl.

Keiner Schuld bewusst

Der Gutachter erklärt bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch, wie er an seine Aufgabe heranging. Er sichtete die vorliegenden Unterlagen, las den wechselseitigen Schriftverkehr, sammelte Fotos und kontrollierte Kalkulationsblätter. Sein zweiter Auftrag war, zu überprüfen, ob die Preise für die Arbeiten angemessen und üblich waren. Dementsprechend beurteilte er die Tätigkeiten der einzelnen Ausführenden und verfasste seine schriftliche Expertise. „Seine Arbeit war nicht, zu kontrollieren, ob ein Angebot gelegt und rechtsgültig angenommen worden war“, führt die Verteidigung aus. „Ich bin ja kein Jurist, das könnte ich nicht“, erklärt der Bausachverständige weiter selbst.

Ausreichend Unterlagen

Ein anfänglich vom Richter vorgeschlagenes Diversionsangebot lehnt der Angeklagte ab, denn er sieht seinerseits kein Fehlverhalten. Außerdem, so die Befürchtung, hinterließe es im Zivilverfahren einen „schlechten Eindruck“, weil man doch auf eine gewisse Art und Weise Fehler einräumt und noch dazu eine Buße bezahlen muss.

Er habe über ausreichend Unterlagen verfügt, um die an ihn herangetragenen Aufgaben zu lösen. Dass sich im Zuge einer Altbausanierung immer wieder Änderungen und Ergänzungen ergaben, sei klar, doch für ihn sei alles schlüssig und nachvollziehbar gewesen. Zum Teil seien die erbrachten Leistungen sogar unter dem üblichen Preis, nicht, wie von der Gegenseite behauptet, zu einem überhöhten Preis erbracht worden, so der Gutachter. Der Freispruch schafft sichtliche Erleichterung, rechtskräftig ist er allerdings noch nicht.