Skifahren hat Johannes Strolz bei „der Lisi“ gelernt

Vorarlberg / 13.02.2022 • 11:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Skifahren hat Johannes Strolz bei „der Lisi“ gelernt
Für Lisi Bickel war der Erfolg von Olympiasieger Johannes Strolz keine Überraschung. apa/stp

Die gute Seele des Warther Skikindergartens kann das sogar schriftlich belegen.

Warth „Alle wundern sich darüber, dass unser Warther Olympiasieger Johannes eine so tolle Abfahrt gefahren ist – für mich war das keine Überraschung, denn schon als kleiner Knirps hatte er im Skikindergarten nur Schussfahren im Sinn“, erinnert sich Lisi Bickel an ihre aufregenden Erlebnisse mit ihrem Schützling, der „unerschrocken wie kaum ein anderer war“, als er mit seiner jüngeren Schwester Anna Maria die ersten Gehversuche auf den Bretteln, die die (Ski-)Welt bedeuten, unternahm.

„Das war ganz schön gefährlich, denn am Ende einer solchen Schussfahrt standen ja nicht nur andere Kinder, sondern auch Bäume und andere Hindernisse im Weg, da hätte ein Zusammenstoß mit hohem Tempo schlimme Folgen haben können. Ich musste also etwas tun, denn ich war ja auch für die Sicherheit der Kinder verantwortlich“, schildert Lisi Bickel.

<p class="caption">Stolz zeigt Lisi Bickel den Eintrag von Johannes Strolz in ihrem Buch.</p><p class="caption">

Stolz zeigt Lisi Bickel den Eintrag von Johannes Strolz in ihrem Buch.

„Bremsbelag“ aufgetragen

Mehr als 20 Jahre lang war Lisi die gute Seele im Skikindergarten der Warther Skischule und hat den Kindern nicht nur die Grundbegriffe des Skilaufs vermittelt, sondern sie auch mit psychologischen Tricks dazu gebracht, dass sie Spaß daran hatten. Psychologie hatte bei Klein Johannes aber nicht den gewünschten Erfolg, also griff sie zu drastischen Mitteln: „Ich habe Honig auf die Laufflächen seiner Ski aufgetragen, das hat ihn eingebremst und es war daher möglich, ihn für kontrolliertes Bögelefahren zu begeistern.“

Beim Papa beschwert

So richtig akzeptieren wollte er diese Maßnahme aber doch nicht und als Papa Hubert – nach seiner aktiven Rennlaufkarriere Skilehrer und zehn Jahre sogar Leiter in der Skischule Warth – einmal im Skikindergarten vorbeischaute, wie es seinem Johannes denn so geht, beschwerte sich dieser prompt darüber, dass „die Ski nicht laufen“. Das sei schon richtig so, beruhigte ihn sein Vater und überzeugte ihn davon, dass es sehr wichtig sei, Bögele fahren zu lernen. Von da an war das Thema Skipräparierung erledigt, „der Honig konnte auch bald weggelassen werden – jetzt fuhr Johannes zwar wieder schneller, aber halt richtig schnelle Bögele …“

<span class="copyright">APA/EXPA/JOHANN GRODER</span>
APA/EXPA/JOHANN GRODER

Ganz fest daran geglaubt

Daran habe sie sich erinnert, als sie an diesem denkwürdigen Olympiatag vor dem Bildschirm saß: „Er fährt mutig Schuss und er beherrscht auch das Bögelefahren im Slalom – ich habe mir ganz fest eingeredet ,er schafft das‘ – und ich habe recht behalten“, freute sich die erste „Trainerin“ des Olympiasiegers im Gespräch mit der VN-Heimat.

Dokument noch wertvoller

Dass sie Johannes Strolz das Skifahren spielerisch beigebracht hat, kann sie sogar schriftlich belegen: „In all den Jahren habe ich ein Buch geführt und viele Eltern haben sich darin bei mir bedankt, dass ihre Kinder nicht nur viel gelernt haben, sondern auch mit Freude und Spaß bei der Sache waren. Ganz besonders stolz bin ich auf einen Eintrag, der mit dem Olympiasieg noch wertvoller geworden ist“, schlägt sie diese spezielle Seite auf: „Liebe Lisi! Herzlichen Dank für Deine Geduld bei unseren ersten Gehversuchen auf Skiern. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht! Johannes und Anna-Maria Strolz“ steht da zu lesen – von Mama Birgit geschrieben und von Johannes eigenhändig unterschrieben. „So habe ich das allererste Autogramm des jetzigen Olympiasiegers bekommen“, schmunzelt Lisi, die schon überlegt, was sie beim Empfang von Johannes Strolz „anstellen“ wird. Bei der großen Feier 1988 für Papa Hubert Strolz haben sie und ihre Freundin lustige Bärenkostüme – in Anlehnung an das Olympiamaskottchen von Calgary – schneidern lassen.

<p class="caption">Zum Abschluss einer großen Gratulationsparty rückte auch noch die Skischule an.<span class="copyright">stp/3</span></p><p class="caption"/>

Zum Abschluss einer großen Gratulationsparty rückte auch noch die Skischule an.stp/3

Ehrensache, dass Lisi – heute im verdienten Ruhestand – sich als eine der ersten Gratulantinnen bei ihrem früheren Chef Hubert Strolz meldete und gratulierte. Es war der Auftakt zu einer ganztägigen Party beim Haus Hubertus, wo es ein stetes Kommen und Gehen von Gratulanten gab. Den Abschluss machte die Skischule – Skilehrerinnen und Skilehrer rückten nach Dienstschluss an, um mit ihrem prominentesten Kollegen – Hubert Strolz ist nach wie vor in der Skischule aktiv – auf den Olympiasieg anzustoßen. Mit den besten Wünschen auf eine Wiederholung nach dem Olympia-Slalom.

Süße Goldmedaillen

Blitzschnell auf den Olympiasieg hat eine auf süße Köstlichkeiten spezialisierte Firma im Tiroler Lechtal reagiert: Schon Stunden nach der Siegesfahrt gab es goldene Schoko-Medaillen „Olympiasieger Johannes Strolz“. STP

„Das Autogramm in meinem Buch ist wohl das erste, das Johannes geschrieben hat.“