Krebs und Covid: ein gefährlicher Cocktail

Vorarlberg / 18.02.2022 • 22:24 Uhr
Thomas Winder bekräftigt Ja zur Impfung für Krebspatienten. khbg
Thomas Winder bekräftigt Ja zur Impfung für Krebspatienten. khbg

Studie mit Vorarlberger Beteiligung bestätigt eine hohe Sterblichkeit.

Feldkirch Die Coronapandemie hat Krebspatienten besonders hart getroffen. Das dokumentiert eine Studie, an der neben Kliniken in Wien und Tirol auch das Landeskrankenhaus Feldkirch teilgenommen hat. Der zufolge betrug die Sterblichkeit bei Patienten mit bösartigen Tumoren oder Blutkrebs und einer SARS-CoV-2-Infektion 16,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Allgemeinbevölkerung schlug die mit Covid-19 assoziierte Mortalität mit rund sieben Prozent zu. Die Untersuchung umfasste 230 Krebskranke, 50 davon kamen aus Vorarlberg. Primar Thomas Winder, Leiter der Interne II am LKH Feldkirch, überrascht das Ergebnis nicht: „Es hat nur bestätigt, was wir schon lange sagen, dass nämlich Krebspatienten im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risiko für einen schweren bzw. tödlichen Krankheitsverlauf aufweisen.“ Und: Die Daten stimmen mit deutlich größeren internationalen Studien überein.

Lange Behandlungsverzögerung

Umso weniger kann er verstehen, dass Krebspatienten pauschal von der Impfpflicht ausgenommen sind. Der Arzt verweist darauf, dass eine Infektion auch zu einer mitunter langen Behandlungsverzögerung führen kann. „Infizierte Krebspatienten bleiben aufgrund ihres geschwächten Immunsystems oft über Wochen und Monate positiv“, sagt Winder. In dieser Zeit ist keine Therapie möglich. Bei den Patienten der Studie betrug dieser Anteil über 60 Prozent. Der Onkologe wiederholt, was er schon mehrfach klargestellt hat: „Weder eine Krebserkrankung noch eine Krebstherapie sprechen gegen eine Covid-Schutzimpfung.“ Die Verträglichkeit wurde anhand eigener Daten auch schon im „British Journal of Haematology“ publiziert. Lediglich eine kleine Gruppe von Patienten mit Blutkrebs spricht laut Thomas Winder nicht so gut auf die Impfung an.

Gleichwohl steigen die Anfragen nach einer Impfbefreiung. „Dabei widerspricht sie jeder wissenschaftlichen Grundlage“, ärgert sich der Primar. Er hat auch kein Verständnis dafür, dass Spezialambulanzen diese Atteste ausstellen sollen. „Unsere Aufgabe ist es, Patienten zu behandeln.“ Mit seiner Meinung steht er nicht alleine da. Die Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie raten ungeachtet der Ausnahme ebenfalls weiterhin allen Krebspatienten, die Impfung gegen Covid-19 zu ihrem eigenen Schutz vorzunehmen.

Nach 31 Tagen verstorben

Doch zurück zu der in der Wiener Klinischen Wochenschrift online erschienen Untersuchung. Die Analyse enthält die Daten von Personen, die aktiv an Krebs erkrankt waren oder zuvor eine Krebsdiagnose erhalten hatten und zwischen dem 13. März 2020 und 6. April 2021 zudem positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. Gesammelt wurden die Informationen über die Krebserkrankung sowie die Konsequenzen von Covid-19 binnen 30 Tagen nach der bestätigten Infektion. 75 der Patienten hatten Blutkrebs, 155 eine bösartige Tumorerkrankung. Die Forschenden rund um Anna Berghoff von der MedUni Wien berichteten: „Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 31 Tagen nach der Covid-19-Diagnose waren 38 der Patienten daran verstorben.“ Ihr Durchschnittsalter lag bei 71,5 Jahren. Zu den Risikofaktoren gehörte unter anderem noch ein generell schlechterer Gesundheitszustand. Laut Primar Thomas Winder wird die Studie fortgesetzt. In die weiteren Erhebungen fließen dann auch Erkenntnisse aus den großen Coronawellen im Herbst und Winter ein.

Der effizienteste Schutz für Krebspatienten gegen Covid-19 ist derzeit die Impfung, und das unabhängig von der Art der Behandlung.apa
Der effizienteste Schutz für Krebspatienten gegen Covid-19 ist derzeit die Impfung, und das unabhängig von der Art der Behandlung.apa