Menschen und Erde spüren

Vorarlberg / 19.02.2022 • 17:00 Uhr
Menschen und Erde spüren
Die Begegnung mit anderen Kulturen ist ein Aspekt, der Martin Hagleitner-Huber an seiner Arbeit gefällt. Ein anderer, dass er Hilfe leisten kann, wenn auch nur kleinweise. VN/Steurer, Caritas

Martin Hagleitner-Huber ist schon lange in der Auslandshilfe der Caritas tätig und erlebt Armut hautnah.

Dornbirn „Du bist wieder da!“, zeigt sich die Kollegin sichtlich erfreut. Martin Hagleitner-Huber (56) nickt zustimmend und verspricht, demnächst bei einem Kaffee von seiner Reise nach Äthiopien zu erzählen. Eben erst ist der Leiter der Caritas-Auslandshilfe aus dem Projektgebiet im Boronaland zurückgekehrt. Viel Gutes hat er nicht zu berichten. Neben dem Bürgerkrieg setzt auch eine Dürre den Menschen im Süden zu.

Das Vieh, ihre Lebensgrundlage, stirbt ihnen gnadenlos unter den Händen weg, die Lebensmittelpreise steigen ins Unendliche, sogar Milch ist schon zum Luxusgut geworden. „Es ist eine furchtbare Sache“, fasst Martin Hagleitner-Huber seine Schilderungen zusammen und spricht von Äthiopien als dem größten Sorgenkind.

Die Mädchen sind Martin Hagleitner-Huber wichtig, denn sie gehören in vielen Ländern zu den Schwächsten in der Gesellschaft.
Die Mädchen sind Martin Hagleitner-Huber wichtig, denn sie gehören in vielen Ländern zu den Schwächsten in der Gesellschaft.

Fokus auf die Mädchen

Derzeit läuft wieder eine Spendenaktion, welche helfen soll, die ärgste Not zu lindern. Es geht um Futtermitteltransporte, um wenigstens einen Teil des Viehbestandes durchzubringen, sowie um eine finanzielle Unterstützung der Bewohner dieser Region. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist, die Kinder und da vor allem die Mädchen in den Schulen zu belassen. „Sie werden in Krisenzeiten als erste aus der Schule genommen, und dann nimmt ihr Leben eine ganz andere Wende“, weiß Hagleitner-Huber. Damit verbunden ist auch die Sicherung von Schulausspeisungen. Für die Kinder bedeuten sie meist die einzige warme Mahlzeit am Tag. Martin Hagleitner-Huber spricht von einer Tragik, im 21. Jahrhundert noch Schulausspeisungen am Leben erhalten zu müssen auf einem Planeten, dem es an Nahrungsmitteln eigentlich nicht mangeln würde. Er ist deshalb „heilfroh und dankbar“, dass die Vorarlberger weiterhin bereit sind, mit ihren Spenden einen Beitrag zur Verbesserung der Situation dieser Menschen leisten. Im vergangenen Jahr konnten die Spendenerträge sogar gesteigert werden.

Martin Hagleitner-Huber mit dem Kardinal von Addis Abeba und Tierarzt Hermann Albs.
Martin Hagleitner-Huber mit dem Kardinal von Addis Abeba und Tierarzt Hermann Albs.

Prägende Erfahrung

Martin Hagleitner-Huber arbeitet schon seit 1994 in der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg. Ein Aufenthalt in Ecuador während des Studiums ließ in ihm den Wunsch reifen, in diesem Feld tätig zu werden. „Es war eine prägende Erfahrung“, erinnert sich der Lustenauer. Sie sensibilisierte ihn nachhaltig, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. So führte ihn der Weg nach dem Studium der Theologie und Geschichte direkt zur Caritas, die damals gerade dabei war, eine Abteilung für die Auslandshilfe aufzubauen und eine entsprechende Stellenausschreibung lanciert hatte. Inzwischen kennt Martin Hagleitner-Huber das Geschäft in- und auswendig. Abgestumpft hat ihn seine langjährige Tätigkeit aber nicht. Im Gegenteil. „Es ist eine schöne Arbeit“, sagt er voller Überzeugung. Dabei gehe es nicht nur um individuelle Förderung, sie trage auch Licht und Zuversicht in die Gesellschaft dieser Länder.

Eine Veränderung hat der Vater von zwei Töchtern jedoch sehr wohl an sich wahrgenommen. „Ich bin dünnhäutiger und mir selbst gegenüber kritischer geworden“, räumt er ein. Immer mehr beschäftigt ihn der Umstand, dass die Handlungen, die wir hier setzen, für andere dramatische Folgen haben können. Ein Zweifler wurde Martin Hagleitner-Huber deshalb aber nicht. Aus Begegnungen mit Menschen und deren Lebensfreude schöpft er Zuversicht, ebenso aus dem, was aus der Hilfe erwächst, selbst, wenn dies nur in kleinen Schritten geschieht. Auch der Austausch mit Kollegen empfindet er als Geschenk: „Ich muss die Menschen und die Erde spüren.“

Martin Hagleitner-Huber beim Besuch einer Schule in der äthiopischen Stadt Meki.
Martin Hagleitner-Huber beim Besuch einer Schule in der äthiopischen Stadt Meki.