Angeklagter vor Gericht: „Habe mit Hitler nichts am Hut“

Vorarlberg / 05.04.2022 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Angeklagter vor Gericht: „Habe mit Hitler nichts am Hut“
Neben der bedingten Haft wurde der 49-Jährige noch zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 1440 Euro verurteilt. Eckert

Bregenzer wegen Wiederbetätigung zu einem Jahr Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Feldkirch Mit Hitler habe er null am Hut, sagt der 49-Jährige, der zurzeit wegen psychischer Probleme im Krankenstand ist, als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch. In den Jahren 2020 und 2021 habe er eine schwere Zeit gehabt, mehrere Schicksalsschläge hätten ihn in ein tiefes Loch fallen lassen. Wut, gemischt mit Trauer, hätten ihn zu den Äußerungen gebracht, er habe den ganzen Frust einfach loswerden wollen, egal auf welche Art und Weise.

Ein spezielles Internetforum habe sich dafür angeboten. Zunächst sei seine Frau völlig unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Danach sei sein Hund während eines Spaziergangs im Wald bei Bregenz spurlos verschwunden. Wochenlang habe er das Tier gesucht, aber nicht mehr gefunden, so der Angeklagte. „Ich habe gebrannt vor Wut“, sagt er. Deshalb habe er sich in Psychotherapie begeben. Einen neuen Hund hat er sich ebenfalls angeschafft.

Keine Erklärung

Der Vorsitzende Martin Mitteregger kann die Trauer des Angeklagten nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, dass auch andere Menschen mit ähnlichen Schicksalsschlägen zu kämpfen hätten. „Es soll keine Entschuldigung sein, nur eine Erklärung“, so der Beschuldigte. Es ist schwer zu verstehen, was die Trauer mit den getätigten Äußerungen zu tun hat. „Vielfalt und Multikulturalismus ist weißer Völkermord“ postete der Mann an einer Stelle. „Alles Gute zum Geburtstag, Onkel“ am Geburtstag Adolf Hitlers an einer anderen Stelle.

Ein Bild eines amerikanischen Ehepaares, das mit Hakenkreuz-Mundschutzmaske einkaufen geht, kommentiert er folgendermaßen: „Meist find ich sie doof, aber manchmal muss man die Amis echt bewundern.”

Kombinierte Strafe

Es seien die Medien, welche die Nationalsozialisten immer so schlecht darstellen, meint der 49-Jährige in einem Kommentar. An anderer Stelle leugnet er den Holocaust, das Profilbild des Mannes zeigt eine Karikatur eines Frosches mit den Initialen Adolf Hitlers und SS-Runen. Eigentlich umfasst die Anklage noch den Vorwurf der Verhetzung, wo es in insgesamt 18 Punkten ebenfalls um Muslime, Juden und Afrikaner geht.

Die Verhetzung wird allerdings ausgeschieden, um Verfahrensverzögerungen zu vermeiden. Da der bislang Unbescholtene geständig ist, dauert es nicht lange, bis das Urteil fällt. Zwölf Monate bedingte Haft und 1440 Euro unbedingte Geldstrafe werden aufgrund des Verbotsgesetzes verhängt. Die begonnene Psychotherapie muss der Mann laut gerichtlicher Weisung fortsetzen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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