Warum die Berufsfischer mehr denn je um ihre Existenz fürchten

Vorarlberg / 05.05.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Kormoran hat wenig Freunde am Bodensee. <span class="copyright">APA</span>
Der Kormoran hat wenig Freunde am Bodensee. APA

Der Kormoran frisst ihnen die Fische weg. “Das Land muss handeln”, fordert Fischer Franz Blum. Dies ist jedoch nicht ganz einfach.

Fußach, Bregenz Das Problem gibt es am See schon viele Jahre: Die sich rasant vermehrenden Kormorane, die den Fischern den Fang wegfressen und damit immer mehr auch ihre Existenz.

Zwar fanden die Petrijünger bei der Behörde Gehör und dürfen die Kormorane unter strengen Auflagen auch in der Schonzeit jagen, doch diese sind in ihrer Verbreitung nur schwer zu kontrollieren. Hinzu kommen der Stichling und die Quaggamuschel als weitere Todfeinde von Felchen, Karpfen, Kretzer und Co. Sie entziehen den Fischen ihre Lebensgrundlage bzw. diese werden gefressen bevor sie zum wachsen kommen.

Dramatischer Appell

Franz Blum, Berufsfischer in Fußach, richtet einen dramatischen Appell an das Land: “Ich muss dort die Frage stellen: Will man die Berufsfischer noch oder nicht? Wenn ja, dann braucht es effiziente Maßnahmen, die das Land von sich aus setzt und nicht erst zaghaft, wenn es bei uns Fischern wieder lichterloh brennt.”

In der Fußacher Bucht haben die Kormorane ihre fixen Brutplätze. Wollen sie anderswo brüten, werden sie vergrämt. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
In der Fußacher Bucht haben die Kormorane ihre fixen Brutplätze. Wollen sie anderswo brüten, werden sie vergrämt. VN/Hartinger

Blum sprich von unlängst 800 gezählten Kormoranen am heimischen Seeufer. “In Spitzenzeiten können es dann schon einmal 1500 sein. Rund um den Bodensee sind es mittlerweile 4000. Um die Jahrtausendwende waren es noch 1000, und statt ursprünglich zwei Kolonien gibt es im Bodenseeraum nun sechs. Das geht nicht!”

“Ich muss schon langsam die Frage stellen: Will das Land weiterhin Berufsfischer oder nicht?

Franz Blum, Berufsfischer

Behörde hat reagiert

Reagiert hat vor eineinhalb Jahren jedoch schon die BH Bregenz. In der Verordnung sind Abschüsse von Kormoranen auch außerhalb der gesetzlich vorgesehenen Jagdzeit erlaubt, ganzjährige Maßnahmen werden gewährt, wo es zur Verhinderung von Schäden an Boden- und Schwebnetzen dient. Blum lobt die Behörde, und rechtfertigt deren Vorgehen: “Die Kormorane ziehen jährlich 350 Tonnen Fisch aus dem See, mehr als die Berufsfischer.”

Auch die begleitenden Maßnahmen, die laut Blum schwer umzusetzen sind, wurden mittlerweile abgeschwächt. So braucht es für den Abschuss von Kormoranen an den Fangnetzen nicht mehr einen Naturschutzverantwortlichen als Überwachungsorgan. “Das lässt sich in der Praxis auch gar nicht machen”, weiß Blum.

“Es ist schon eher fünf nach zwölf als fünf vor zwölf. Wir brauchen ein gemeinsames Kormoran-Management.”

Nikolaus Schotzko, Fischereibeauftragter des Landes

Untätige Nachbarn

Für Nikolaus Schotzko, im Land für den Bereich Fischerei zuständig, ist das Problem Kormoran ebenfalls drängender denn je. “Die Kormorane werden mehr und mehr. Im letzten Jahr verzeichneten wir am See 900 Brutpaare, im Jahr davor waren es 680. Leider tun unsere Nachbarn aus der Schweiz und aus Deutschland nichts gegen diese Entwicklung. Wir werden mit unserem regionalen Kormoran-Management deswegen bald an unsere Grenzen stoßen”, beschreibt der Experte die Situation.

In Baden-Württemberg sind es laut Schotzko vehement auftretende NGOs, die ein gemeinsames Kormoran-Management verhindern, in der Schweiz eigenartige gesetzliche Bestimmungen. “Tatsache ist: Es ist schon eher fünf nach zwölf als fünf vor zwölf.”