So groß ist das Interesse an Testamentsspenden in Vorarlberg

Vorarlberg / 13.05.2022 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nur 29 Prozent der über 40-Jährigen haben ein Testament erstellt. <span class="copyright">Schedl Ludwig</span>
Nur 29 Prozent der über 40-Jährigen haben ein Testament erstellt. Schedl Ludwig

Seit zehn Jahren macht die Initiative “Vergissmeinnicht” auf die Möglichkeit von Testamentsspenden aufmerksam.

feldkirch Ob man möchte oder nicht: Früher oder später muss sich fast jeder mit dem Thema Erben auseinandersetzen. Sich schon zu Lebzeiten über sein Testament Gedanken zu machen, fällt vielen schwer. Dabei können diese oft Probleme vermeiden und sogar neue Chancen bieten.

Die Initiative “Vergissmeinnicht” macht seit zehn Jahren auf die Möglichkeit aufmerksam, mit einer Testamentsspende über den Tod hinaus Gutes zu tun. 100 Mitglieder-Organisationen aus allen Bereichen der Gemeinnützigkeit sind Teil der Initiative, die gemeinsam mit der Notariatskammer kostenlos aufklärt, was bei einem Testament und dem Wunsch nach einer Testamentsspende beachtet werden sollte. “Viele möchten selbst bestimmen, was mit ihrem Vermögen passiert und dass es Organisationen zugutekommt, die ihnen schon zu Lebezeiten wichtig waren”, sagt “Vergissmeinnicht”-Leiter Markus Aichelburg. Jährlich werden bundesweit über 80 Millionen Euro in Form testamentarischer Zuwendungen gespendet. “Das ist jeder zehnte Spendeneuro.”

Projektleiter Markus Aichelburg, Martin Schüssling (Notariat Dr. Richard Forster) und Netz-für-Kinder-Obmann und Russ-Preis-Träger Hubert Löffler. <span class="copyright">TAS </span>
Projektleiter Markus Aichelburg, Martin Schüssling (Notariat Dr. Richard Forster) und Netz-für-Kinder-Obmann und Russ-Preis-Träger Hubert Löffler. TAS

Seit der Gründung der Initiative habe sich das Interesse am Vermächtnis für den guten Zweck verdoppelt. Fast 800.000 Österreicher über 40 Jahre können sich ein gemeinnütziges Testament gut vorstellen. In Vorarlberg sei die Bereitschaft von Testamentsspenden seit 2018 von vier auf acht Prozent gestiegen. “Nichtsdestotrotz bildet Vorarlberg noch das Schlusslicht”, sagt Markus Aichelburg. Erfreulich sei, dass 85 Prozent zumindest wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Zentrale Motive zu Testamentsspenden in Vorarlberg sind der Wunsch, über den Tod hinaus Gutes zu tun (62 Prozent) sowie der persönliche Bezug zu einer bestimmten Spendenorganisation (47 Prozent), aber auch der Wunsch, dass das Vermögen nicht an den Staat geht (31 Prozent).

Mit der Erstellung eines Testaments haben es die Vorarlberger nicht besonders eilig, wie eine market-Studie verdeutlicht. “Nur 29 Prozent der über 40-Jährigen haben ein Testament erstellt. Damit liegt Vorarlberg bundesweit im Mittelfeld”, erklärt Notarsubstitut Martin Schüssling (Notariat Dr. Richard Forster). Die Gründe sind vielfältig. Einer davon sei die Unentschlossenheit. “Viele wissen noch nicht, was sie wem geben sollen.” Das führe oft dazu, dass man das Thema lange Zeit vor sich herschiebe. Andere geben an, mit der gesetzlichen Erbfolge zufrieden zu sein.

In Vorarlberg haben sich schon elf Organisationen “Vergissmeinnicht” angeschlossen, darunter der Verein “Netz für Kinder”, der sich seit 1996 für benachteiligte und armutsgefährdete Kinder und Familien einsetzt und sich zur Gänze durch Spenden finanziert. “Kinder, die in armen Familien aufwachsen, haben keine Chance, Erbschaften von ihren eigenen Eltern zu bekommen”, sagt Obmann und Russ-Preis-Träger Hubert Löffler. “Durch die Überlassung eines Teils des Erbes kann die soziale Einstellung über das eigene Leben hinaus verlängert werden, sodass man den Kindern auch nach dem Tod etwas Gutes tun kann.”