Aus der Volksrepublik an die FH Vorarlberg

Vorarlberg / 22.07.2022 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
An der Fachhochschule arbeitet die Ukrainerin nun mit an der Erforschung von maschinellem Lernen und optimierter Entscheidungsfindung im Unternehmen. FHV/Riedmann
An der Fachhochschule arbeitet die Ukrainerin nun mit an der Erforschung von maschinellem Lernen und optimierter Entscheidungsfindung im Unternehmen. FHV/Riedmann

2014 unterrichtete und forschte Natalie Burkina in Donezk, nun an der Fachhochschule in Dornbirn.

DORNBIRN Am Forschungszentrum Business Informatics der Fachhochschule Vorarlberg forscht man an neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Anwendbarkeit in und für die Wirtschaft. So auch Natalia Burkina, mit dem Fokus auf lernfähige künstliche Intelligenz und Optimierung. Vor dem Krieg lehrte die 43-jährige an der Nationalen Universität Donezk im Osten der Ukraine.

Von Donezk nach Dornbirn

„Hauptsächlich habe ich mit Studierenden höherer Semester gearbeitet“, erklärt Burkina. Als Lehrbeauftrage für Wirtschafts- und Managementanalyse befasste sie sich mit Fragen der Statistik, Prognosen, Entscheidungsfindung und wie nun auch in Vorarlberg mit maschinellem Lernen, aber auch methodischen Problemen des Fernunterrichts.

Doch dann begann 2014 der Krieg, mit ihrer Heimat Donezk im Auge des Sturms. Die Forscherin war gerade schwanger, ein Verlassen der Großstadt beinahe undenkbar. „Denn es war nicht möglich, Fahrkarten für den Zug zu kaufen“, erinnert sich die Ukrainerin. Schlussendlich verließ sie mit einem der letzten Züge die umkämpfte selbsternannte Volksrepublik. In Kiew wurde ihre Tochter geboren. Ihre Universität wurde nach Winnyzja im Südwesten des Landes verlegt, hier konnte Burkina weiterforschen und arbeiten.

Doch dann holte sie im Feb-
ruar dieses Jahresder Krieg ein. Die Flucht ergriff sie nicht zuletzt ihrer kleinen Tochter zuliebe. „Sie hatte große Angst vor Luftschutzsirenen und davor, im Luftschutzkeller zu sein.“ Freunde luden sie nach Vorarlberg ein, die Szenen der Flucht erinnerten an 2014. Am Bahnhof waren mehr Menschen, als die Züge Plätze hatten. „Die meisten waren mit Kindern unterwegs“, berichtet die 43-Jährige. Sie selbst schaffte es noch am selben Tag in einen Zug, dies galt jedoch längst nicht für alle. „Wir hatten an diesem Tag Glück. Trotz der lauten Zivilschutzsirenen traten wir unseren Weg an.“ Zwei Tage später erreichten Mutter und Tochter Vorarlberg.

„Nichts ist unmöglich“

An der FHV fand sie eine Beschäftigung, die sich den Fokus mit ihrer Arbeit in der Heimat teilt. „Ich freue mich sehr, Teil eines fortschrittlichen, ehrgeizigen Teams kreativer Fachleute zu sein“, versichert Burkina. Sie schätzt die positive Einstellung aller gegenüber dem Job, Vorarlberg weiterzuentwickeln, aber auch jeder Person inklusive ihr selbst. Dennoch plagt sie das Heimweh. Ob sie an eine Rückkehr glaubt: „Das weiß niemand. Aber ich bin sicher, in dieser Welt ist nichts unmöglich.“ VN-RAU, MIH

„Trotz der lauten Zivilschutzsirenen traten wir unseren Weg nach Vorarlberg an.“

Von der Nationalen Universität Donezk wechselte sie ans Forschungszentrum Business Informatics.
Von der Nationalen Universität Donezk wechselte sie ans Forschungszentrum Business Informatics.

Caritas: Raiba Feldkirch, IBAN AT323742200000040006, Ukraine-Nothilfe; Rotes Kreuz: Raiba Feldkirch, IBAN AT84374220000014 3248 „Vorarlberg hilft“