Mit „Strolz & Strolz“ hat Ski-Museum neuen Hit

Bei der Eröffnung der Sonderausstellung
wurden auch Geheimnisse gelüftet
Damüls Dass Johannes Strolz nach einer mäßig erfolgreichen Saison 2021 aus allen Kadern des ÖSV geflogen ist, wurde zu einem wichtigen Kapitel in der Geschichte des Skimärchens, das der Warther in Peking geschrieben hat. Dass seinem Vater Hubert vor mehr als 40 Jahren das gleiche Schicksal drohte, verriet Udo Albl, damals Alpinchef des ÖSV, bei der Eröffnung der Sonderausstellung Strolz & Strolz im FIS-Skimuseum in Damüls.
Auch draußen
Udo Albl, damals ÖSV-Alpinchef, erinnert sich: „Das war Ende der 1970er-Jahre, Hubert gehörte dem ÖSV-Jugendkader an und hatte eine enttäuschende Saison hinter sich. Verständlich, denn er machte einen außergewöhnlichen Wachstumsschub mit und deshalb passte im Rennlauf körperlich nichts mehr. Die Trainer folgten stur der FIS-Punkteliste und strichen ihn aus dem Kader. Ich kannte ihn jedoch sehr gut und war überzeugt, dass er seinen Weg machen wird und habe mich über die Entscheidung hinweggesetzt, ihn wieder in den Kader aufgenommen. Zum Glück nicht nur für ihn, sondern für den ganzen ÖSV, dem er nicht nur mit dem Olympiasieg 1988 viel Freude machte.“
Albl rückblickend: „Hubsi war noch Jugendlicher, hatte keine Lobby – ich bin mir sicher, wenn er damals wirklich aus dem Kader geflogen wäre, wäre seine Karriere nicht möglich gewesen.“
Kombi-Star ohne Medaille
Als Ehrengast war einer der besten Kombinierer seiner Zeit nach Damüls gekommen: Werner Bleiner, Silbermedaillengewinner im WM-Riesentorlauf von Gröden 1970. „Schade, dass es mir nicht möglich war, meine Leistungen aus der Jugend- und Juniorenzeit auch bei Weltmeisterschaften zu bringen“, trauert der heute 76-jährige Montafoner den ungenützten Chancen nach. Als 19-Jähriger hatte er 1965 bei den ÖSV-Nachwuchstitelkämpfen alle vier Disziplinen (Abfahrt, Riesentorlauf, Slalom und Kombination) gewonnen. 1964 und 1966 holte er weitere vier Meistertitel. Als 16-jähriger hatte er 1963 den zweiten Platz bei den Landesmeisterschaften geholt. Im Weltcup (zwei Siege) und bei Großereignissen konnte er seine Klasse bei der WM in Gröden mit dem zweiten Platz unter Beweis stellen. Die Silbermedaille wird im Ski-Museum verwahrt und Bleiner holte sie bei seinem Besuch heraus, um sie sorgfältig zu polieren.Spannend waren die Fachsimpeleien von Hubert Strolz, Udo Albl und Werner Bleiner in der Strolz-Sonderschau, wo neben dem Kitzbühel-Rennanzug 2022 von Johannes Strolz (er konnte bei der Eröffnung nicht dabei sein, weil er auf einem Trainingskurs weilte) auch weitere Erinnerungsstücke zu sehen sind. „Mein Slalomski von Calgary 1988 war 200 cm lang, der Slalomski von Johannes war 34 Jahre später 35 cm kürzer.“
Nordische Nostalgie
Dank Toni Innauer, Alois Lipburger und Richard Schallert hat auch der nordische Skilauf, konkret der Sprunglauf, seinen gebührenden Platz. Zuletzt hat Werner Schuster als Erfolgstrainer in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Sein Vater Willi Schuster, der ebenfalls als Skispringer und Trainer tätig war und es 1962 als erster Vorarlberger in die ÖSV-Nationalmannschaft schaffte, bedauerte die Entwicklung im Sprunglauf-Breitensport: „Zu meiner Zeit gab es im Raum Oberstdorf/Kleinwalsertal 14 größere und kleinere Schanzen, geblieben ist nur die Anlage in Oberstdorf. Es ist schade, denn so hat der Nachwuchs kaum Möglichkeiten, diesen Sport auf regionaler Ebene auszuüben“, so der 85-jährige.
Ein Schuh für kein Rennen
Enorm waren auch die Entwicklungen bei Skischuhen, Bindungen usw. Zum Thema Skischuh war ein weltweit anerkannter Experte willkommener Ansprechpartner: Werner Albrecht, der jahrzehntelang in der Firma Strolz in Lech an der Schuhentwicklung arbeitete. Mitgewirkt hat er auch an einem kuriosen Skischuh: Ende der 1970er-Jahre mischte Walter Wolf in der Formel 1 mit. Der im Ölgeschäft reich gewordene Austro-Kanadier hatte auch ein Faible für den Skirennsport. „Für seine Freunde ließ er als besonderes Geschenk eine streng limitierte Serie von Walter-Wolf-Racing-Schuhen entwickeln. Mit diesem Schuh wurde kein einziges ernsthaftes Rennen gefahren und ich bin überzeugt, dass ein erheblicher Teil dieser Serie überhaupt nie getragen wurde – das Exemplar hier im FIS-Museum schaut mir jedenfalls ganz danach aus.“
„Stiefkind“ Kombination
Dass die FIS die Kombination zum „Stiefkind“ gemacht hat, so Ausstellungskurator Christof Thöny, könne nichts an dem Umstand ändern, dass die Sieger in diesem Bewerb die komplettesten Skistars sind, die sich in der Summe aus Abfahrt und Slalom durchsetzen. Und zudem: „Als alpiner Skilauf 1936 ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wurde, gab es nur für eine Disziplin Medaillen – für die Kombination aus Abfahrt und Slalom.“ STP


