Warum ein Schlachthofkonzept zum Nulltarif ignoriert wurde

Vorarlberg / 24.09.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Letzter Tag im Schlachthof Dornbirn am 20. Dezember des Vorjahres. Jetzt soll die Metzgerei Gstach mehr und mehr den Schlachthof ersetzen.
Letzter Tag im Schlachthof Dornbirn am 20. Dezember des Vorjahres. Jetzt soll die Metzgerei Gstach mehr und mehr den Schlachthof ersetzen.

Ehemaliger Landesveterinär Erik Schmid brachte Ideen für Schlachthofnachfolge ein.

Schwarzach Ein von Fachleuten als unbrauchbar eingestuftes Konzept für eine Nachfolgelösung des geschlossenen Schlachthofs in Dornbirn ließ sich Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner ohne schriftlichen Vertrag und Abstimmung mit seiner Fachabteilung 126.000 Euro kosten. Diese vom Vorarlberger Landesrechnungshof enthüllte Vergabepraxis ohne das gewünschte Resultat stieß auf massive Kritik von allen Seiten. Der Druck habe zum Handeln gezwungen, rechtfertigte Gantner, auch wenn er gleichzeitig einräumte, Fehler gemacht zu haben.

Mit Sozialpartnern

Dieses Papier sei als Lösungsansatz nicht alternativlos gewesen, behauptet der ehemalige Landesveterinär Erik Schmid. Er selber habe auf die in der Bauernzeitung “Ländle” platzierte Aufforderung zur Mithilfe nach der Suche für eine Schlachthofnachfolgelösung ein Konzept vorgelegt. Ein Feedback von den Verantwortlichen habe er nicht erhalten.

Tatsächlich hat sich Schmid in seinem vn.at zur Verfügung gestellten Grundsatzpapier mit Verweis auf real existierende Modelle in Österreich und Deutschland bereits im Juni 2020 zum Thema geäußert. Kernpunkt der Schlachthoflösung: ein auf die Region angepasstes Beteiligungsmodell in Form einer sogenannten Regionalwert AG. Als Pflichtgründungsmitglieder müssten für die Startphase die Sozialpartner zur Verfügung stehen, ausgestattet mit einer gemeinsamen Sperrminorität. Der Rest stünde einzelnen Unternehmen und Konsumenten zur Verfügung. Gewährleistet müsste auch eine handwerkliche Be- und Verarbeitung der Ware sein, und das auch für die Nutzer von Weideschlachtungen. Die Geschäftsführung wäre laut Modell nicht nur der AG, sondern auch der Öffentlichkeit verpflichtet.

“Koste es, was es wolle”?

“Das Land muss eine Abgangsdeckung im Sinne der Lebensmittelautonomie und des Tierschutzes garantieren”, schreibt Schmid in seinen Papier, im Bewusstsein, dass die preisliche Konkurrenzfähigkeiten der nach diesem Modell produzierten Fleischwaren mit üblicher Handelsware ausgeschlossen ist. Anders seien die erwünschten Qualitätsstandards über der gesetzlichen Mindestnorm nach dem Motto “100 Prozent Vorarlberg Eingang, 100 Prozent Vorarlberg Ausgang” nicht zu erreichen. “Koste es, was es wolle – dieser Leitspruch muss auch für die Schlachthoffrage gelten”, sagt Schmid. Er habe damals jedoch keine Resonanz auf seine Anregungen bekommen. “Ich hätte dafür kein Geld verlangt. Und als pensionierter Fachmann wäre ich wohl auch durchgegangen”, fügt er schmunzelnd hinzu.

“Ich hätte kein Geld verlangt. Und als pensionierter Fachmann wäre ich wohl auch durchgegangen.”

Erik Schmid, Ex-Landesveterinär

Konzept kontra Modell

“Stimmt nicht”, legt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger, dessen Organisation den öffentlichen Konzeptfindungsprozess initiierte, sein Veto ein und verweist dabei auf ein Antwortschreiben vom 6. Juli. Moosbrugger kann Schmids Ideen durchaus Positives abgewinnen. “Aber erstens waren Schmids Gedanken ein Modell und kein Konzept. Und zweitens ist eine Abgangsgarantie durch das Land wirtschaftsrechtlich gar nicht möglich”, betont der LK-Präsident. In dieselbe Kerbe schlägt Landesrat Gantner. “Wir brauchten zuerst ein Projekt, bevor wir ein Konzept erarbeiten konnten. Im Übrigen waren Schmids Vorschläge gewiss kein Konzept.”

Sowohl Moosbrugger als auch Gantner sehen die Entwicklung mit der Metzgerei Gstach als regionales Schlachtzentrum positiv. “Wir dürfen feststellen, dass sich dort immer mehr ein Beteiligungsmodell mit den wichtigen Partnern entwickelt. Dazu zählen die Ländle-Viehvermarktung, der Maschinenring, die Bio-Genossenschaft oder die Fleischrinder-Vereinigung”, streicht Moosbrugger heraus.

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