Gerald Matt

Kommentar

Gerald Matt

Biologie geht vor Soziologie

Vorarlberg / 10.10.2022 • 23:00 Uhr

Zu einer funktionierenden Demokratie gehören die Meinungsfreiheit genauso wie die Freiheit der Wissenschaften. Universitäten lebten bisher vom offenen, von Zensur nicht belastetem Diskurs, von unterschiedlichen Meinungen und dialektischen Reibungen. Doch diese demokratischen Errungenschaften sind zunehmend in Gefahr. So wollte eine Doktorandin an der Berliner Humboldt-Universität anlässlich einer „langen Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag zum Thema der Zweigeschlechtlichkeit halten. Dabei ging es um die biologische Tatsache, dass es im Fortpflanzungssinne nur die Geschlechter männlich und weiblich gibt, nur Samen- und Eizelle. Dies rief augenblicklich Genderaktivisten und Genderaktivistinnen auf den Plan. Sie drohten der Studentin und der Universität mit Demonstrationen und Gewalt. Infolge sagte die Uni den Vortrag aus „Sicherheitsgründen im Sinne der Besucherinnen und Besucher“ ab.

„Was die intellektuellen Kapazitäten wohl überfordert, ist die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht.“

Was die intellektuellen Kapazitäten der empörten Genderaktivisten und Genderaktivistinnen wohl überfordert, ist die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht: Biologisch gibt es bislang nur männlich oder weiblich (seltene intersexuelle Fällen ausgenommen). Sozial steht und soll jedem die Wahl des Geschlechtes freistehen, inklusive geschlechtskorrigierender OP. Das ist selbstverständlich in einer liberalen Gesellschaft. Wenn man allerdings, wie von der deutschen Ampel-Koalition geplant, bald sein Geschlecht unbürokratisch und gar jährlich auf dem Standesamt ändern oder gar im unreifen Alter von 14 gegen den Willen der Eltern umwandeln wird können, dann wird der Staat zum Erfüllungsgehilfen einer überschaubaren, aber umso lautstärkeren Minderheit, die Ideologie anstelle von Realität und Gemeinwohl setzt und die Mehrheitsgesellschaft mit ihren Problemen in Geiselhaft nimmt. Wie verblendet deren Kritik ist, zeigt der Blick auf den Sport. Auch hier werden Forderungen erhoben, Transathletinnen an Frauenwettbewerben teilnehmen zu lassen. Der Weltschwimmverband beschloss in Absprache mit führenden Endokrinologen, Juristen, Sportphysiologen und Menschenrechtlern, dass Transfrauen nur bei Frauen starten dürfen, wenn sie bereits mit dem Eintreten der männlichen Pubertät Testosteronblocker einnahmen. Grund hierfür sind die massiven physischen Leistungsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Körpern.

Männer haben mehr Muskelmasse und weniger Fettmasse als Frauen, ein größeres Herz und eine größere Lunge sowie eine erhöhte Hämoglobinkonzentration im Blut, kurzum sie haben mehr Kraft und Ausdauer. Da nutzen weder Ideologie, Boykott noch Hassparolen, Biologie geht vor Soziologie. Dazu äußerte sich die Nobelpreisträgerin für Biologie Nüsslein-Volhard in der deutschen Frauenzeitschrift Emma empört: „Natürlich gibt es beim Gender, dem sozialen Geschlecht, eine Bandbreite, während es beim biologischen Geschlecht nur weiblich oder männlich gibt. Aus. Ende.“

Gerald Matt

gerald.matt@vn.at

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.