“Ihre Tochter verursachte tödlichen Unfall!” Doch in Wirklichkeit …

Vorarlberg / 21.10.2022 • 16:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
"Ihre Tochter verursachte tödlichen Unfall!" Doch in Wirklichkeit ...
Walter Hermann hatte plötzlich Telefonbetrüger in der Leitung, die ihn unter Druck setzten. Canva, VN

Walter Hermann wäre von Betrügern nach Schockanruf beinahe um 50.000 Euro erleichtert worden.

Hard Der vergangene Donnerstag war für Walter Hermann (66) bis um 14.30 Uhr ein Tag wie jeder andere. Bis bei ihm zu Hause das Festnetztelefon klingelte.

“Meine Frau nahm ab und war plötzlich höchst irritiert. Sie reichte mir das Telefon. Eine weibliche Stimme stammelte hysterisch etwas völlig Unverständlich daher. Dann übernahm ein Mann das Gespräch. Die Person gab sich als Polizeibeamter aus. Er erzählte mir, dass meine Tochter bei ihm sei. Sie habe eine Frau überfahren. Diese sei soeben gestorben. Meine Tochter müsse in Haft genommen werden.”

Der Unternehmer Walter Hermann und seine Gattin fielen beim Anruf der Betrüger aus allen Wolken. Ihre Tochter habe einen tödlichen Unfall verursacht, wurde ihm mitgeteilt. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
Der Unternehmer Walter Hermann und seine Gattin fielen beim Anruf der Betrüger aus allen Wolken. Ihre Tochter habe einen tödlichen Unfall verursacht, wurde ihm mitgeteilt. VN/Hämmerle

Hermann war völlig geschockt. “Ich habe ja Töchter. Und eine fährt zu der angegebenen Unfallzeit auch tatsächlich täglich im Auto.” Für mehr Information wurde der Harder weiterverbunden. “Da war dann eine Frau am Telefon. Die gab sich als Staatsanwältin aus. Meine Tochter könne bis zu weiteren Klärungen auf Kaution frei kommen. 50.000 Euro würde die Summe betragen”, sagte mir die Frau.

Emotionale Ausnahmesituation

Die emotionale Ausnahmesituation habe ihn vorerst von einer rationalen Reaktion abgehalten. “Erst als ich die örtliche Polizeiinspektion als Vermittlungsstelle ins Spiel brachte, war der Spuk vorbei. Ich war dann auch auf der Polizeiinspektion Hard. Dort erfuhr ich, dass ich offensichtlich nicht das einzige Opfer dieser Gauner war.” Er habe anschließend auch sofort seine Tochter angerufen. “Ich durfte feststellen, dass sie wohlauf war und keinerlei Erlebnisse geschilderter Art hatte.”

Hermann schüttelt ungläubig den Kopf. Er kann es sich nicht erklären, warum er kurzfristig solchen Betrügern aufgesessen war. “Ich habe zum Beispiel nicht einmal gefragt, wo das alles passiert sein soll. Aber ich war im ersten Moment bereit, zu zahlen. Die haben das so eindrücklich inszeniert, dass wir das alles zuerst einmal geglaubt haben.”

Die Betrüger haben das alles so eindrücklich inszeniert, dass ich es zuerst einmal geglaubt habe.”

Walter Hermann, Opfer eines Schockanrufers

Rückverfolgung kaum möglich

Hermann und seine Frau brauchten einige Zeit, sich vom Schock zu erholen. “Ich habe schon besser geschlafen als letzte Nacht. Meine Frau war einem Herzinfarkt nahe.”

<p class="caption">Vor allem ältere Menschen stehen im Visier von Telefonbetrügern. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">symbol/dpa</span></p>

Vor allem ältere Menschen stehen im Visier von Telefonbetrügern.  symbol/dpa

Der Fall von Walter Hermann fällt in eine aktuelle Serie von Schockanrufen durch falsche Polizisten in Vorarlberg. “Es dürfte allein in den letzten vier, fünf Tagen zwischen 15 und 20 solcher Vorfälle gegeben haben. Die Täter konzentrierten sich dabei aufs Unterland”, berichtet Mario Bitschnau, Leiter der Abteilung Betrug der Landespolizeidirektion Vorarlberg. Es gebe immer wieder schubweise solche Anrufe in ausgesuchten Regionen. “Die Täter rufen willkürlich Leute an, bevorzugt solche, bei denen sie von den Namen her vermuten, dass es ältere Personen sind.” Bitschnau nennt internationale Banden als mutmaßliche Täter. “Die Rückverfolgung der Telefonate ist praktisch unmöglich. Das Perfide ist: Die Täter bringen bei ihren Anrufen oft regionale Vorwahlen aufs Display. Das täuscht Authentizität vor.”

Erfolg und Misserfolg

Dass man die Betrüger gelegentlich doch schnappen kann, beweist ein Fall aus Hörbranz vor geraumer Zeit. Damals hatte ein Schockanruf für die Bösewichte vermeintlich Erfolg. Es wurde eine Geldübergabe vereinbart. “Es ist uns schließlich gelungen, den Geldboten zu schnappen”, erzählt Bitschnau. Aber auch das Gegenteil kann passieren. So kam es in Innerösterreich einmal zu einer Übergabe von Gold an die Betrüger.

Tipps bei SChockanrufen

Dubiose Telefonate sofort beenden.

Geben Sie am Telefon keine Bankdaten oder Vermögensverhältnisse preis.

Rufen sie das vermeintlich betroffene Familienmitgleid auf der Ihnen bekannten Rufnummer zurück.

Sprechen Sie mit Angehörigen über das Telefonat

Die Polizei wird am Telefon nie die Ausfolgung von Geld/Schmuck und andere Wertsachen verlangen.

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