Vom Prinzip Hoffnung

Sie ist besonders in Krisenzeiten von besonderer Bedeutung.
Feldkirch Allerheiligen und Allerseelen: zwei Gedenktage, die an die Vergänglichkeit des irdischen Daseins erinnern sollen. Gräber werden geschmückt und Gottesdienste gefeiert. Nach zwei Pandemiejahren wieder ohne Einschränkungen. Für Bischof Benno Elbs ist zentral, dass an Allerheiligen auch die Hoffnung gefeiert wird. Ein Begriff, der besonders in Krisenzeiten große Bedeutung hat.
Heuer kann Allerheiligen wieder fast wie gewohnt stattfinden. Wie geht es Ihnen damit?
Elbs Es freut mich, dass die Rahmenbedingungen wie vor Corona sind und es in dem Sinne keine Einschränkungen mehr gibt. Ich war am Sonntagvormittag auf einem Friedhof in Feldkirch und hatte schon das Gefühl, dass die Menschen sehr aktiv sind und die Gräber wieder schön gestalten möchten. Ich gehe auch davon aus, dass mehr Leute an den Allerheiligen-Feiern teilnehmen, weil es doch ein Fest der Verbundenheit ist mit den Verstorbenen, mit Familienmitgliedern, mit Menschen, mit denen man unterwegs ist. Dieser Verbundenheit gibt man gerne Ausdruck.
Nach Corona kamen andere Krisen. Hat dies die Verbundenheit zur Kirche gestärkt?
Elbs Das glaube ich schon. Gerade im Zusammenhang mit Allerheiligen ist für mich das Wort Verbundenheit ganz zentral. Was sich mir an Allerheiligen aber auch noch zeigt sind Dankbarkeit und Hoffnung. Diese drei Begriffe, Verbundenheit, Dankbarkeit und Hoffnung, sind auch Begriffe, die in der Krise stärken. Ebenso werden Menschen, die die Entwicklungen bewusst mitverfolgen, dankbar sein für das, was sie haben, dass sie hier leben dürfen. Man lernt, den Frieden zu schätzen, die friedvollen Beziehungen und die Verlässlichkeit. Corona und Krieg haben uns gezeigt, wie schnell Selbstverständliches zerbricht und Dankbarkeit etwas ist, was Beziehung und Verbundenheit schafft.
Finden in Krisenzeiten auch wieder mehr Menschen zum Glauben?
Elbs Der innere Zugang zum Glauben lässt sich statistisch nicht erfassen, weil das etwas sehr Persönliches ist. Was ich aber schon sehe ist, dass es so etwas gibt wie die Hoffnung. Ich erlebe das auch bei jüngeren Menschen. Sie machen sich Gedanken über den Sinn des Lebens, darüber, was Hoffnung gibt oder was im Leben wirklich zählt. Krisen führen letztendlich schon zum Nachdenken. Das spüre ich vor allem, wenn es in Gesprächen um Dinge geht, die im Leben wichtig sind, Taufe, Hochzeit, Todesfälle.
Was stärkt die Lebenden, wenn sie der Toten gedenken?
Elbs Es ist die Hoffnung. An den Gedenktagen von Allerheiligen und Allerseelen feiern wir, dass sich auch im Tod noch eine Tür öffnet in ein Leben in Fülle, dass Gott ein Ja zu uns nicht zurücknimmt. Das stärkt viele Menschen. Sogar der Quantenphysiker und Nobelpreisträger, Anton Zeilinger, plädiert dafür, dass es einen Raum des Vertrauens, der Hoffnung und des Religiösen im menschlichen Leben geben muss. Der gibt Sinn und Freude am Leben. Dass sogar ein Quantenphysiker für diese Dimension des Lebens eintritt, ist für mich schon erstaunlich.
Wie würden Sie den Begriff der Hoffnung beschreiben?
Elbs Die Hoffnung ist wie ein Gegengift gegen die Trostlosigkeit und die Ängste der Menschen heute. In diesen Tagen merken viele, dass das Jenseits eine Kraft ist für das Diesseits: Die Hoffnung hilft bei der Überwindung der Schattenseiten dieser Welt und ist die Kraft, das Gute trotz allem zu wollen und zu suchen. Das zeigt sich in vielen sozialen Engagements.
Vor Allerheiligen kommt noch Halloween. Hat sich die Kirche damit arrangiert?
Elbs Die Auseinandersetzung mit dem Tod hat in unterschiedlichsten Kulturen unterschiedlichste Formen, die christliche Kultur ist jedoch immer die Grundmelodie. Halloween ist ein Brauch, der die Hoffnung und den Glauben an die Auferstehung nicht erschüttert. Er spiegelt auch die Frage, was ist mit dem Tod, mit den Verstorbenen. Die christliche Kultur begegnet ihr mit der Hoffnung der Auferstehung.
„Die Hoffnung ist wie ein Gegengift gegen die Trostlosigkeit und die Ängste der Menschen.“