Darmkrebsvorsorge in Bewegung

Vorarlberg / 07.11.2022 • 18:33 Uhr
Polypen sind der Nährboden, auf dem Krebszellen ideale Bedingungen zum Wachsen vorfinden. Deshalb müssen sie frühzeitig raus.vn
Polypen sind der Nährboden, auf dem Krebszellen ideale Bedingungen zum Wachsen vorfinden. Deshalb müssen sie frühzeitig raus.vn

Gespräch mit Gesundheitsminister über bundesweite Ausrollung des Vorarlberger Projekts.

Dornbirn In die schon seit Jahren laufende Diskussion um die österreichweite Ausrollung des in Vorarlberg seit 2007 erfolgreich laufenden Darmkrebs-Vorsorgeprogramms kommt wieder Bewegung. Wie ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Brunner auf VN-Nachfrage bestätigte, finden dazu schon demnächst Gespräche mit Gesundheitsminister Johannes Rauch statt. Er reagiert damit auf eine entsprechende Petition des gemeinnützigen Expertenvereins Praeveniere. Dessen aktuelle Initiative trägt den Titel „Darmgesundheit 2030“. Darin wird ein flächendeckendes Screening zur Früherkennung von Darmkrebs als ein einfacher und hocheffizienter Weg propagiert, um Menschen viel Leid und dem Gesundheitssystem hohe Kosten zu ersparen.

Finanzierungsfrage

Eigentlich wäre alles schon vorhanden. „Wir müssten das Rad nicht neu erfinden“, sagt Manfred Brunner, denn die in Vorarlberg angewendeten, auch international anerkannten Qualitätsstandards könnten übernommen werden. Zu klären ist allerdings die Finanzierung, und da hakt es. Der Grund sind die unterschiedlichen Strukturen. Während in Vorarlberg die Darmkrebsvorsorge flächendeckend bei niedergelassenen Ärzten angeboten werden kann, läuft in anderen Bundesländern, wie etwa in Wien, viel in Spitälern ab. Für Letztere sind die Länder zuständig, für den niedergelassenen Bereich die Sozialversicherungen. „Es gilt, eine Finanzierung zwischen den beiden Sektoren zu schaffen“, erklärt Manfred Brunner das Problem.

Einig sind sich Experten zumindest über den ökonomischen Nutzen des Programms. In Vorarlberg lassen sich laut Ärztekammerstudie nach zehn Jahren 15 Millionen Euro einsparen, danach jährlich sechs Millionen. Die Daten auf Österreich hochgerechnet, würde die Darmvorsorge nach zehn Jahren eine Ersparnis von 375 Millionen Euro bringen. Anschließend wären es jährlich immer noch 137 Millionen Euro. Die Behandlung eines fortgeschrittenen Darmkarzinoms kostet durchschnittlich 235.000 Euro. In Vorarlberg haben zwischen 2007 und 2021 bereits 52.300 Personen ab 50 Jahren eine Koloskopie-Vorsorge in Anspruch genommen. In 55 Prozent der Fälle (29.000) erbrachte die Untersuchung einen Normalbefund, bei 23.000 Personen wurden Polypen festgestellt, bei 966 von ihnen zeigten die Polypen bereits maligne Veränderungen, bei 889 Personen befanden sie sich noch im Vor- bzw. Frühstadium. Die Polypen wurden entfernt, denn sie sind der Nährboden, auf dem Krebszellen gedeihen können.

Hohe Heilungschance

In den Vorstadien besteht eine hundertprozentige Heilungschance, später sinkt das Überleben drastisch. Wird die Darmspiegelung alle zehn Jahre durchgeführt, ist eine Reduktion der Sterblichkeit um 70 Prozent möglich. „Die Evidenz des Programms ist also belegt“, betont der ÖGK-Landesstellenvorsitzende. Erfreulicherweise habe das Gesundheitsministerium rasch auf die Praevenire-Petition, deren Impulsgeber Manfred Brunner übrigens war, mit einem Gesprächstermin reagiert. Was dabei herauskommt, muss sich jedoch erst weisen.

„Eigentlich wäre alles schon vorhanden. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“