Russ-Preis an Anton Kuttner: Vom Traum eines kleinen Buben

Vorarlberg / 18.07.2023 • 17:11 Uhr
Toni Kuttner tut sich selbst und anderen mit seinen Hunden viel Gutes.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Toni Kuttner tut sich selbst und anderen mit seinen Hunden viel Gutes. VN/Paulitsch

Russ-Preis für Anton Kuttner und seine Initiative „Husky Toni’s Kindertraum“.

Bludesch, Bürserberg Wer nach Anton Kuttner (51) fragt, erntet zumeist nur verständnislose Blicke. Bei „Husky Toni“ klingelt es umso schneller. Unter seinem Spitznamen ist der Bludescher bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Hunde sind es auch, die seit vielen Jahren sein Leben prägen und ihm die Erfüllung eines großen Herzensanliegens ermöglichen, nämlich die Hilfe für kranke und benachteiligte Kinder. „Husky Toni’s Kindertraum“ verspricht ein paar unbeschwerte Stunden abseits von alltäglichem Leiden. Für diesen besonderen Einsatz wird Anton Kuttner mit dem diesjährigen Dr. Toni- und Rosa-Russ-Preis ausgezeichnet. Er ist damit der 54. Preisträger. Die Verleihung findet am 4. September 2023 auf der Werkstattbühne des Festspielhauses in Bregenz statt.

Toni Kuttner finanziert die Begegnungen mit therapeutischer Wirkung unter anderem mithilfe von Spenden.
Toni Kuttner finanziert die Begegnungen mit therapeutischer Wirkung unter anderem mithilfe von Spenden.

Wir treffen Husky Toni in seinem Camp auf der Tschengla in Bürserberg. Vier Hunde springen freudig erregt am Zaun hoch. „Besucher verbinden sie mit Auslauf“, erklärt uns Anton Kuttner mit breitem Lachen. Bei den Huskys ist er in seinem Element. Derzeit hat er 16, die er hegt und pflegt wie Augensterne. „Sie gehören zur Familie“, spricht Toni auch für seine Frau Verena (50), die drei Töchter Sarah-Katharina (31), Lena (22), deren Partner Daniel und Pascal sowie die Enkelkinder Matteo (10), Melina (3) und Emilia (1). Insgesamt 38 Huskys kreuzten bisher seinen Lebensweg. Er vergisst keinen. Dafür sind die Vierbeiner zu stark in seinem Dasein verankert, und weil hinter „Husky Toni’s Kindertraum“ eine dramatische Geschichte steckt.

Huskys sind tatsächlich sehr charmante Hunde.
Huskys sind tatsächlich sehr charmante Hunde.

Mit gerade einmal sechs erkrankte Toni Kuttner an Leukämie. Helfen konnte ihm nur eine Knochenmarktransplantation. Seine 12 Jahre ältere Schwester Katharina erwies sich zum Glück für ihn als genetischer Zwilling. „Bei meiner anderen Schwester, Anni, passte gar nichts“, erzählt Toni. Im März 1979 erhielt er die lebensrettende Knochenmarkspende. Als einer der ersten überlebte er diesen Eingriff. Sechs Kinder vor ihm starben. Kurz hängt die Erinnerung schwer in der Luft. Ein Jahr musste Toni in einer Münchner Klinik verbringen. Während dieser langen Zeit schenkte ihm die Mutter ein Buch mit verschiedenen Hunderassen: „Ich wollte immer schon einen Hund.“ Den gab es auf dem Bauernhof von Marianne und Franz Pfefferkorn, wo sich der Bub, der seinen Vater früh verlor, oft und gerne aufhielt. „Tante und Onkel sind immer noch wie Eltern für mich“, fügt er an. Doch Toni hätte lieber einen eigenen Hund gehabt.

Die Hunde gehören zur Familie und werden von allen geschätzt.
Die Hunde gehören zur Familie und werden von allen geschätzt.

In besagtem Buch sah er zum ersten Mal einen Schlittenhund. Die Entscheidung war gefallen. Huskys sollten es werden. „Diese Hunde strahlen etwas Magisches aus, stehen für Freiheit und Weite“, erklärt Toni seine Sicht auf die Vierbeiner mit den blauen Augen. Vor bald 30 Jahren erfüllte sich schließlich sein Wunsch. Der erste Husky kam ins Haus. „Saskia“ hieß die Hundedame, die das Herz des damaligen OP-Gehilfen im Sturm eroberte. Im LKH Bludenz lernte Toni Kuttner auch Joe Fritsche kennen. Gemeinsam mit ihm gründete er den Hilfsverein „Stunde des Herzens“. Später finalisierte er mit einem eigenen Verein seinen Kindheitstraum. „Wir arbeiten bei der Hilfe für kranke Kinder und deren Eltern aber immer noch zusammen“, sagt Toni Kuttner. Auch mit anderen Organisationen wie der Leukämiehilfe gibt es eine enge Kooperation.

Dieses Bild entstand 1999. Im Winter ziehen die Hunde Schlitten, im Sommer Wägelchen mit zwei Rädern. <span class="copyright">VN-Archiv/HZ</span>
Dieses Bild entstand 1999. Im Winter ziehen die Hunde Schlitten, im Sommer Wägelchen mit zwei Rädern. VN-Archiv/HZ

Es lief gut, bis sich vor vier Jahren neuerlich der Krebs in das Leben von Toni Kuttner schlich. Zwei Tage vor der OP drückte ihm Tochter Sarah-Katharina das Ultraschallbild seines ungeborenen Enkelkindes in die Hand, mit der Bitte, nicht aufzugeben. Das brachte ihm Mut und Hoffnung, und er schaffte es wieder. Künftig will Toni Kuttner noch mehr für Kinder da sein. Ihr Lächeln nach einem Tag mit den Huskys ist der schönste Dank für ihn.

„Mit dem Russ-Preis habe ich eine große Freude“

Bludesch Huskys streicheln, mit ihnen wandern, Wagenfahrten im Sommer und Hundeschlittenfahrten im Winter, Würstle grillen am Lagerfeuer: Kleine Auszeiten, die Kindern guttun. Er nennt es Begegnungen mit therapeutischer Wirkung. Toni Kuttner finanziert sie unter anderem mithilfe von Spenden. Ein nicht unerheblicher Beitrag kommt aber auch durch Firmenevents und andere private Veranstaltungen herein. „Es ist ein Knochenjob“, verrät er, doch die Kinder sind es ihm wert. Kuttner unterhält zwei Camps, jenes auf der Tschengla und seit 2013 eines in Schweden. Dort legt er mit seinen Hunden bis zu 100 Kilometer am Tag zurück, genießt die Weite und das Gefühl von Unendlichkeit.

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Für die Fahrten in den hohen Norden packt er Huskys und Ausrüstung in einen großen Bus. Dieses Jahr war er häufiger oben, auch den gesamten August wird Toni in Schweden verbringen. Grund ist ein Dokumentarfilm, der seine Arbeit zeigt und im November 2024 in die Kinos kommt. Der Russ-Preis, „ein Wahnsinn, ich habe eine so große Freude“, und der Film, zeigt er sich überzeugt, werden seinem Projekt weiter Auftrieb geben. Die Pandemie brachte die Hilfe für Kinder mehr oder weniger zum Erliegen. Das belastet ihn immer noch, weil Gutscheine nicht mehr eingelöst werden konnten. In einigen Fällen war der Tod schneller.

ZUR PERSON

Anton „Husky Toni“ Kuttner

Alter 51

Wohnort Bludesch

Werdegang OP-Gehilfe im LKH Bludenz, heute staatlich geprüfter Hundeschlitten-, Wander- und Winterwanderführer

Familie verheiratet mit Verena, drei Töchter, 3 Enkelkinder

Hobbys Huskys, Wandern, Skifahren

Ein Trailer zur Doku findet sich unter www.husky-toni.at/home/kindertraum; Spendenkonto: Hypo Bank Bludenz; IBAN: AT 30 5800 0135 8090 5018; BIC: HYPVAT2B; Verwendungszweck: Spende Husky Toni’s Kindertraum