Darum ist das Ende der Lkw-Staus vor dem Güterbahnhof in Sicht

Die Zollabfertigung soll digitalisiert werden. Startschuss für ein langfristiges Projekt.
Dornbirn, Wolfurt Es ist ein sattsam bekanntes Bild. Nach Wochenenden oder Feiertagen, oft aber auch mitten unter der Woche bildet sich auf der L 190 Richtung Wolfurter Güterbahnhof in der Früh eine lange Lkw-Schlange. Diese reicht oft bis weit hinter den Kreisverkehr der Autobahnanschlussstelle Nord zurück. Es sind Frächter, die sich beim Güterbahnhof Wolfurt Ausfuhrpapiere, die sogenannten Laufzettel, besorgen müssen. Im Stau stecken nicht nur die Lkw-Fahrer, sondern auch viele Pkw-Lenker, die in der Früh zur Arbeit fahren.
Während Landesrat Marco Tittler unlängst gegenüber vn.at seinen Unmut über die aktuelle Situation zum Ausdruck brachte, gibt es vonseiten des Zolls nun ein klares Konzept zur Lösung des Problems. Es wurde anlässlich einer Informationsveranstaltung mit der Transportwirtschaft von den Verantwortlichen der Zolldienststelle Wolfurt vorgestellt.

Stufenweise bis zum Endziel
„Wir leiten stufenweise einen Digitalisierungsprozess ein, der letztlich das papierbasierte Laufzettel-Verfahren ablösen soll“, erklärt Wolfgang Hämmerle, Zollstellenleiter in Wolfurt. Gemeinsam mit Projektleiter Franz Jägersberger skizzierte er die Grundzüge des Vorhabens, das die Abläufe an den sechs Grenzübergängen fundamental ändern und die Zollabwicklung für Spediteure erheblich vereinfachen soll. Mit dem hoch willkommenen Nebeneffekt, dass die Lkw-Kolonnen auf der L 190 der Vergangenheit angehören werden.

Im Mittelpunkt der geänderten Prozesse steht die digitale Verzollung an den zugelassenen Warenorten. Dieselben Abläufe soll es auf Schweizer Seite bei der Ausfuhr nach Österreich geben. „Für uns bedeutet das: Die Lkws müssen nicht mehr zur Zollstelle Wolfurt fahren, um dort den Laufzettel für den Grenzübertritt in die Schweiz abzuholen“, erläutert Jägersberger. Auch die Stichprobenkontrollen durch den Zoll finden an den Warenorten statt.

Start am 20. März
Gestartet wird am 20. März mit einer Pilot-Korridor-Phase. Beteiligt sind ein Unternehmen, ein Beförderungsmittel, eine Grenzzollstelle und ein zugelassener Warenort in Vorarlberg. In diesem Probelauf wird das System getestet und dann sukzessive erweitert. Bis 2028 soll die Zollabwicklung umfassend und vollständig digitalisiert sein.
„Das neue System hat mehrere Vorteile: Die Zollmodalitäten können am Warenort gemacht werden, der Frächter kann die von ihm gewünschte Zollstelle für den Übertritt wählen, ist zeitlich flexibler“, betont Jägersberger.
Derzeit holen sich täglich 550, nach Feiertagen bis zu 700 Lkw-Fahrer ihre Laufzettel beim Zolllamt in Wolfurt ab. Hämmerle rechnet mit einer starken Frequenzsteigerung von Lkw-Fahrten auch in der Zukunft. „Wir gehen davon aus, dass 2040 10.000 Lkw täglich in Vorarlberg die Grenzen passieren werden.“
Reaktionen aus der Transportwirtschaft
Von der Transportwirtschaft kommen mehrheitlich positive Signale zur geplanten Umstellung des Zollabfertigungssystems. Martin Gstach von Gebrüder Weiss: „Wir sehen das grundsätzlich positiv. Jetzt muss sich halt das, was uns in der Theorie vorgestellt wurde, auch in der Praxis beweisen.“
Auch Barbara Scheffknecht-Iser von Transporte Scheffknecht in Lustenau begrüßt die geplante Umstellung. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass damit eine wesentliche Verbesserung erreicht wird. Schön ist, dass man als Transportunternehmen nun das Zollamt selber wählen kann.“