Im Yachtclub geht die Post ab: „Das ist für mich übermenschlich“

Die Vorarlberger Segelszene jubelt über Mähr-Medaille. Partystimmung im Clubheim.
Bregenz „Es schaut gut aus“, analysiert Yachtclub Bregenz-Präsident Oliver Böhler (57), während er am Laptop letzte Einstellungen für die Übertragung vornimmt und Hafenreferent Helmut Freuis noch mit Stecknadeln eine Yachtclub-Fahne an den dunkelblauen Vorhang heftet. Nachdem am Vortag der Wind nicht mitspielen wollte, ist der Präsident zuversichtlich, dass es heute klappt mit dem Medal Race. Die Winddaten aus Marseille stimmen. Gleichzeitig trudeln immer mehr Mitglieder im Clubheim ein. Alles ist angerichtet für die große Party.
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Um 11.43 Uhr schallt ein lautstarkes „Auf geht’s“ durch den vollbesetzten Raum. Dann wird es ruhig. Alle sitzen gebannt vor dem Fernseher. Über zehn Minuten vergehen, bis wieder Anfeuerungsrufe und Applaus aufbranden. „Hopp, hopp, hopp, komm!” Kurz darauf zeigt das Gesamtwertungsranking, das am Bildschirm eingeblendet wird, Platz 1 an. „Auf geht’s, Luki!“ Als das Boot von Lukas Mähr und seiner Steuerfrau Lara Vadlau (30) über die Ziellinie geht, gibt es kein Halten mehr. Applaus, Jubelrufe, Standing Ovations! Gold für Vorarlberg!
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„Es ist unglaublich, wenn man weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt, wie lange das geht und wie viel es dafür braucht, dass man überhaupt dorthin fahren kann“, unterstreicht Sascha Raich (48), der das Rennen mit seinen beiden Söhnen verfolgt hat. „Man hat gesehen, wie eng alles zusammen ist und wie Kleinigkeiten eine Rolle spielen. Da die Nerven zu behalten und das durchzuziehen ist für mich übermenschlich.“




Den Yachtclub Bregenz gibt es seit 99 Jahren. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris sind die vierten Spiele, bei denen Mitglieder des Vereins am Start sind. Eine Medaille gab es noch nie. Bis jetzt. „Für den Segelsport in Vorarlberg und am ganzen Bodensee ist heute ein besonderer Tag. Lara und Luki haben auf jeden Fall Sportgeschichte geschrieben. Wir können es noch gar nicht fassen. Es war wirklich spannend bis zum Schluss. Für uns als relativ kleiner Verein mit 410 Mitgliedern ist das eine wahnsinniger Erfolg“, betont Präsident Oliver Böhler.




Für den Prosecco zum Anstoßen ist Peter Novak (63) zuständig. Er schwärmt: „Wahnsinn! Ein unglaublicher Krimi! Für den Yachtclub bedeutet es sehr viel, dass wir so einen Segler haben. Am meisten haben es aber Lara und Luki verdient, die über Jahrzehnte trainiert und jetzt ihr großes Ziel erreicht haben. Es ist so viel was da zusammenpassen muss. Man kann sich das kaum vorstellen und das haben sie jetzt perfekt umgesetzt.“





Unter den Zuschauern ist auch Fritz Trippolt. Der 67-Jährige hat vor über 20 Jahren die Grundlagen für den Erfolg gelegt. „Damals haben uns die Segler von den anderen Seen ausgelacht, weil sie alle viel besser waren als wir. Ich habe dann gesagt, die werden sich anschauen. Danach waren wir der beste Nachwuchssegelverein in Österreich“, erinnert er sich. „Die Kinder hatten wirklich das Ziel vor Augen: Irgendwann sind wir bei dem Olympischen Spielen dabei. Für mich ist es unglaublich, dass sich dieser extreme Aufwand, den wir damals betrieben haben, rentiert hat. Die beiden haben heute extreme Nervenstärke bewiesen. Dass es für einen Gesamtsieg gereicht hat, ist unglaublich. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“
Lukas Mähr ist schon als kleiner Bub im Optimisten gesegelt. Heute sorgt er für Partystimmung im Clubheim. Wie es jetzt noch weitergeht? „Wir feiern jetzt einfach noch weiter“, sagt Oliver Böhler und lacht.

