Finanzielle Nöte verstärken sich

Steigende Preise machen Haushalten mit wenig Geld zunehmend zu schaffen.
SCHWARZACH. Quartal für Quartal erhebt Statistik Austria, wie es den Haushalten finanziell geht. Zuletzt zeigte sich, dass sich die Lage für all jene verschärf hat, die wenig Geld zur Verfügung haben. Caritas und Armutskonferenz schlagen Alarm.
Gut ein Drittel der Vorarlberger Haushalte hatte im vierten Quartal 2024 Schwierigkeiten, mit dem verfügbaren Einkommen auszukommen. Das ist Daten zu entnehmen, die gerade veröffentlicht worden sind. Genauer: Vier Prozent taten es eigenen Angaben zufolge „mit „großen Schwierigkeiten“, sieben Prozent „mit Schwierigkeiten“ und 23 Prozent mit „etwas Schwierigkeiten“.
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Die Wohnkostenbelastung wurde von 18 Prozent als schwer bezeichnet. Bundesweit handelte es sich um 15 Prozent und damit um gleich viele wie in den Vorquartalen. Daraus zu schließen, dass sich die Lage stabilisiert habe, wäre jedoch falsch. Ausgerechnet bei denen, die über ein geringes Einkommen verfügen, ist es zu einer weiteren Verschärfung gekommen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) von ihnen hatte im vierten Quartal das Gefühl, schlechter über die Runden zu kommen als ein Jahr davor. Das waren um zwölf Prozentpunkte mehr als im dritten Quartal.
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Für Caritasdirektor Walter Schmolly ist das plausibel. Es deckt sich mit dem, was seine Organisation hierzulande wahrnimmt: Sie ist mit mehr und mehr Haushalten konfrontiert, bei denen zum Beispiel eine Wohnkostenüberbelastung vorliegt. Davon ist dann die Rede, wenn die Kosten 40 Prozent des Haushaltsbudgets übersteigen: „Die Zahl dieser Haushalte ist in unseren Beratungsstellen 2024 um zwölf Prozent auf 733 gestiegen.“
Die Entwicklung müsse ernstgenommen werden: Bei der Budgetsanierung müssten Regierende unbedingt berücksichtigen, dass sich die Lage für all jene verschärft habe, die ohnehin schon knapp bei Kasse seien, betont Schmolly: „Bei dieser Gruppe von Menschen darf nicht nur nicht gespart werden. Sie brauchen eine Unterstützung, mit der sie nachhaltig aus der Abstiegsdynamik herausfinden können.“

„Nach zwei Jahren Rezession und steigenden Preisen war das alles zu befürchten“, erklärt Michael Diettrich, Sprecher der Armutskonferenz: „Bei den Ärmsten zeigen sich die Folgen am deutlichsten.“ Eine Erklärung dafür sei, dass es beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe keine Inflationsanpassung gebe.
Eine Entspannung sei vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Als von der Statistik Austria Ende des vergangenen Jahres insgesamt 3500 Personen befragt wurden, war der neuerliche Anstieg der Energiekosten noch kein Thema. Zu ihm ist es erst heuer gekommen: „Da ist eine weitere Verschärfung zu erwarten“, warnt Diettrich.
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Ein Problem sei auch, dass viele Haushalte keine oder fast keine Reserven hätten. Das lässt sich aus Antworten auf die Frage ableiten, ob es möglich sei, unerwartete Ausgaben von 1390 Euro ohne Kredit oder Ratenzahlung zu tätigen. Österreichweit und in Vorarlberg antwortet fast jeder Vierte mit „Nein“.