Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen “Altstadtvariante” wieder ins Spiel

Vorarlberg / 08.01.2026 • 17:05 Uhr
Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen "Altstadtvariante" wieder ins Spiel
Seit Jahrzehnten wird über die Verkehrsproblematik in Feldkirch diskutiert. In Feldkirch sind die Arbeiten an dem Projekt – hier beim künftigen Portal Felsenau – unübersehbar. VN/Steurer

Der Stadttunnel zählt zu den teuersten Infrastrukturprojekten des Landes. Nun bringen Tunnelgegner die “Altstadtvariante” wieder ins Spiel.

Darum geht’s:

  • Initiativen fordern Prüfung der kleineren “Altstadtvariante”.
  • Kosteneinsparungen möglich.
  • Finanzielle Lage motiviert Vorschläge für klimafreundliche Mobilitätslösungen

Feldkirch Seit den 1970er-Jahren wird in Feldkirch über eine Umfahrung der Innenstadt diskutiert und ebenso lange über den Stadttunnel. Während das Projekt in seiner aktuellen Form als vierarmiges Tunnelsystem mit Anschlüssen in mehrere Stadtteile geplant ist, bringen Tunnelgegner nun erneut eine abgespeckte Variante ins Spiel.

Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen "Altstadtvariante" wieder ins Spiel
Im Bereich des künftigen Tunnelportals Altstadt hinter dem Schulzentrum laufen derzeit Arbeiten. VN/Steurer

Konkret fordern mehrere Initiativen, darunter der Alpenschutzverein Vorarlberg, und Verein Bodenfreiheit, die Prüfung der sogenannten Altstadtvariante, einer deutlich kleineren Variante, bei der der Tostner Ast entfallen würde. “Der aufwendige unterirdische Kreisverkehr mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h würde ebenfalls entfallen”, erklärt Alice Hagen-Canaval von der Initiative “Klimaschutz – Erspart uns die Tunnelspinne” auf Anfrage der VN. Vorgesehen wäre mit dieser Variante lediglich eine Untertunnelung der Feldkircher Altstadt ab dem Portal Felsenau. Nach Angaben früherer Experten würde diese Lösung eine Verkehrsentlastung der Bärenkreuzung von rund 19 Prozent bringen – gegenüber 23 Prozent bei der derzeit vorgesehenen Variante (die VN berichteten). Gleichzeitig könnten laut den Initiativen Hunderte Millionen Euro an Bau-, Betriebs- und Erhaltungskosten eingespart werden. 2007 wurde diese “kleine” Variante bereits verworfen. Der Stadttunnel in seiner jetzigen Form zählt mit den veranschlagten 385 Millionen Euro zu den größten Infrastrukturprojekten des Landes.

Von dort kommt zu dem Vorschlag eine Absage: “Der Stadttunnel bringt nur in der vorgesehen und behördlich genehmigten Gesamtausführung die notwendige Verkehrsentlastung für Feldkirch. Eine Variante, bei der man einzelne Äste weglässt, macht somit keinen Sinn.”

Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen "Altstadtvariante" wieder ins Spiel

Letzetunnel war vor Jahrzehnten im Gespräch

Dass eine solche Lösung kein neues Gedankenspiel ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Bereits 2015 hatte der frühere Landesverkehrsplaner und Feldkircher ÖVP-Verkehrsstadtrat Franz Schwerzler in einem VN-Interview das vierarmige Tunnelsystem als “überzogenes Monsterprojekt” kritisiert. Schwerzler plädierte damals für eine deutlich kleinere Tunnelvariante (“Variante 2”), die eine ähnliche Entlastung der Innenstadt bei einem Bruchteil der Kosten bringen würde. Der Tostner Ast stand damals bereits in Kritik, dieser würde im Wesentlichen der Anbindung einer Spedition am Kapfweg dienen und zusätzlichen Verkehr im Ort bringen.

Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen "Altstadtvariante" wieder ins Spiel

Der sogenannte Letzetunnel, der eine unterirdische Verbindung von der Autobahn bei Frastanz bis zur Grenze Tisis-Schaanwald vorsah, wurde in den 1990er-Jahren intensiv diskutiert, letztlich aber nach Widerständen verworfen – nicht zuletzt wegen befürchteter zusätzlicher Verkehrsströme und grenzüberschreitender Auswirkungen.

Stadttunnel ja, aber kleiner: Initiativen bringen "Altstadtvariante" wieder ins Spiel
VN-Artikel vom 24. Jänner 2015: Der ehemalige Verkehrsplaner des Landes und ÖVP-Stadtrat Franz Schwerzler kritisierte damals das vierarmige Tunnelsystem als “Monsterprojekt”. VN

Angespannte Budgetsituation

Aktueller Anlass für den neuerlichen Vorstoß der Initiativen ist die angespannte finanzielle Lage des Landes. Angesichts eines historischen Schuldenstands und notwendiger Sparmaßnahmen sei es nicht vermittelbar, an einem Millionenprojekt aus Beton festzuhalten, argumentieren die Unterzeichner der Aussendung. Stattdessen brauche es Investitionen in zukunftsfähige, klimafreundliche Mobilitätslösungen, wie etwa die Stadtseilbahn in Paris, die von einem Vorarlberger Seilbahnunternehmen realisiert wird.

Chronologie Stadttunnel Feldkirch


1992 – 1998: Das Projekt Letzetunnel – als Südumfahrung von der Autobahn bis zum Grenzübergang Tisis – wird diskutiert, ausgearbeitet und vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie; seit 2020 BMK Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) als Bestvariante bestätigt.


2005: Das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch und die Marktgemeinde Frastanz entscheiden sich für ein konsensorientiertes Planungsverfahren.


2005 – 2008: Im Rahmen der “Verkehrsplanung Feldkirch Süd” werden 15 Straßenoptionen untersucht.

2009: Der “Stadttunnel Feldkirch” (Variante 5.3) geht daraus als Bestvariante hervor. Stadt Feldkirch, Gemeinde Frastanz und Land stimmen der Umsetzung zu.


11. September 2013: Einreichung Umweltverträglichkeitserklärung (UVE)


21. Juli 2015: Positiver UVP-Bescheid in erster Instanz


24. Juni 2019: Bestätigung des UVP-Bescheids in zweiter Instanz: Diese Bestätigung durch das Bundesverwaltungsgericht stellt eine “konsumierbare Baubewilligung” dar.

2019/20: Die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen werden durchgeführt (Steinsatz in der Ill und Weicheneinbau, Umlegung L191a Schulbrüderareal).


1. Dezember 2020: Die Vorarlberger Landesregierung gibt 23 Mio. Euro für weitere Teilbaulose frei.

2021: Die nächsten vorbereitenden Maßnahmen werden umgesetzt: Lärmschutzwand Fellengatter, temporäre Lärmschutzwand Duxgasse/PH, Baubeginn Radwegbrücke Blödlebach, Anschlag Erkundungsstollen Altstadt. Eröffnung des Infozentrums Stadttunnel Feldkirch.

8. März 2022: Der Österreichische Verwaltungsgerichtshof weist den Revisionsantrag der Projektgegner zurück. Dieser Entscheid markiert den Abschluss des “außerordentlichen Rechtsweges” vor den Höchstgerichten.

Juli 2022: Die Landesregierung fasst am 19. Juli 2022 den Baubeschluss für das Gesamtprojekt. Mit dem Erkundungsstollen Tisis und dem Umbau im Portalbereich Felsenau beginnen die letzten vorbereitenden Maßnahmen.


2025: Baubeginn der Hauptarbeiten am Stadttunnel


2030: Geplante Fertigstellung und Inbetriebnahme

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