Teure Fehlkalkulation: Wie sich das Land beim Personalbedarf vertan hat

Vorarlberg / 15.01.2026 • 14:00 Uhr
Teure Fehlkalkulation: Wie sich das Land beim Personalbedarf vertan hat

Das Land hat großzügig befristete Mitarbeiter für Covid-Entschädigungszahlungen eingestellt. Dabei war der Bedarf viel kleiner. Überhaupt sitzt das Geld beim Personal unverändert locker, wie VN-Recherchen jetzt zeigen.

Bregenz Diese Fehlkalkulation kam richtig teuer. Für Entschädigungszahlungen im Zuge der Covid-19-Pandemie hat das Land eine große Zahl an Mitarbeitern befristet eingestellt. Daten einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) dokumentieren gut 60 Bedienstete für diese Aufgabe – zuerst zugeteilt an die Bezirkshauptmannschaft Bludenz. Tatsächlich war der Arbeitsaufwand deutlich geringer, als ursprünglich angenommen. Beim Land heißt es offiziell, dass bereits im Herbst 2024 die Arbeit beendet wurde. Die Verträge liefen allerdings bis ins erste Halbjahr 2025 weiter. Für zumindest acht Monate wurden die Mitarbeiter in verschiedene Abteilungen im Amt der Landesregierung versetzt. Adäquate Aufgaben habe es dort in vielen Fällen kaum oder gar nicht gegeben, wie involvierte Quellen aus dem Landhaus den VN bestätigen. Es dürften jedenfalls Kosten in Millionenhöhe entstanden sein.

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Koste es, was es wolle. Während und nach der Pandemie saß das Geld locker. Die Anfrage nach dem IFG brachte jetzt brisante Zahlen ans Licht. Zwischen der Außendarstellung – wonach beim Personal kräftig gespart würde und die Verwaltung besonders schlank sei – und den Fakten klafft eine große Lücke auf. Die den VN vorliegende Anfragebeantwortung weist zwischen dem Stichtag 31. Dezember 2020 und 2024, bereinigt um befristete Mitarbeiter, einen Zuwachs von 42 Köpfen in den verschiedenen Dienststellen (Bezirkshauptmannschaften und Amt der Landesregierung) auf. Auch zuletzt wurden, anstatt Abteilungen im Baubereich zusammenzulegen, Stellen – etwa im Straßenbau – mit neuen Führungspositionen aufgewertet.

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Überhaupt scheint es das Land bei Personaleinsparungen nicht eilig zu haben. Auf Anfrage heißt es, dass seit 1. Jänner 2025 über den gesamten Landesdienst hinweg 6,95 Vollzeitäquivalente eingespart wurden. Mehr sieht der wenig ambitionierte Beschäftigungsrahmenplan für dieses Jahr auch nicht vor. Dabei hatte Landeshauptmann Markus Wallner bereits im April des Vorjahres gegenüber den VN umfangreiche Einsparungspläne angekündigt. Beim Sparen im eigenen Bereich dürften die Mühlen dann allerdings doch langsamer mahlen. Noch wurde der versprochene Sparstift – 100 Stellen in drei bis fünf Jahren – jedenfalls nicht angesetzt. Es gab dazu noch nicht einmal Gespräche mit den Abteilungen. Diese würden in den nächsten Monaten stattfinden, informiert das Land auf VN-Anfrage. Dann soll über eine Aufgabenreduktion und eine damit einhergehende Stellenreduktion gesprochen werden. Die “fetten Jahre” sind in der Verwaltung damit doch nicht so schnell vorbei. Jedenfalls liegen zwischen Ankündigung und ersten Maßnahmen Monate.

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Exemplarisch für den lockeren Umgang mit Geldern im Personalbereich scheint auch der Fall jenes Landesbediensteten zu sein, der in der Führerschein-Causa Dreh- und Angelpunkt war. Recherchen hatten gezeigt, dass der Mann mehrere Tausend Stunden an Nebenbeschäftigungen nachgegangen sein muss. Informierte Personen berichteten den VN, dass viele davon während der Arbeitszeit stattgefunden haben. Die Trennung mit dem Bediensteten erfolgte schließlich auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen. Damit bezieht er bis heute ein Gehalt des Landes. Warum es keine ordentliche Prüfung gab und ob so ein Verhalten nicht ein Entlassungsgrund gewesen wäre, wollten die VN schon vor Wochen vom Abteilungsvorstand Personal des Landes, Markus Vögel, wissen. Eine Antwort darauf steht bis heute aus.