Wohnen gerade auch für Junge teuer

EU-Studie bestätigt hohe Belastung im Land. Experte Amann: Problematische Entwicklung.
SCHWARZACH. Unter anderem in Ballungsräumen ist Wohnen für junge Erwachsene schwer leistbar geworden; jedenfalls im privaten, also nicht gemeinnützigen Sektor: Das ist die zentrale Botschaft einer Studie der EU-Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch in den dichter besiedelten Teilen Vorarlbergs, also etwa im Rheintal, ist die Belastung in diesem Bereich demnach groß: Bei einer gewöhnlichen Einsteigerwohnung mit zwei Zimmern, die neu bezogen wird, macht die Miete laut der Studie 60 bis 79 Prozent des mittleren Einkommens 18- bis 39-Jähriger aus. Bei einer Eigentumswohnung würden die Kosten 20 bis 30 ebensolcher Jahreseinkommen entsprechen.

Dominic Götz von der Arbeiterkammer sieht eine Bestätigung immer wiederkehrender Hinweise der AK auf eine hohe Wohnkostenbelastung im Land. Vor diesem Hintergrund sei es kein Wunder, dass der Anteil der Eigentümerinnen und Eigentümer sinke: „Wir haben berechnet, dass eine Durchschnittswohnung für 80 Prozent nicht mehr finanzierbar ist ohne Schenkung oder Erbe, und dass selbst viele der Top-20-Verdienenden ein Leben lang arbeiten müssen dafür.“

Ist das Problem wirklich so groß? Wolfgang Amann berichtet von einer Studie, die sein Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen zur Zugänglichkeit von Eigentum für junge Haushalte erstellt habe. Ergebnis: Aufgrund stark steigender Preise sei sie „zunehmend schwer“. Zuletzt hat sich die Lage laut Amann zwar etwas entspannt, der langfristige Trend bleibe jedoch aufrecht.

„Ich halte das für sehr problematisch“, ergänzt der Experte: „Es führt dazu, dass sich bei jungen Leuten das Narrativ verfestigt, dass sich Eigentum nicht ausgehe und sie daher lieber nur Teilzeit arbeiten. Das ist schlecht, da haben wir volkswirtschaftlich und als Gesellschaft insgesamt ein großes Thema.“
„Die Erzählung vom Eigenheim stimmt für weite Teile der Bevölkerung nicht mehr“, sagt Ferdinand Koller von der Beratungsstelle „Dowas“: „Das hat nicht nur mit hohen Immobilienpreisen zu tun, sondern auch damit, dass der Anteil gemeinnütziger Wohnungen, die günstiger sind, in Vorarlberg sehr klein ist. Daher müssen viele sehe hohe Mieten bewältigen und haben keine Chance, auf Eigentum hin zu sparen.“

Die Sozialforscherin Erika Geser-Engleitner von der FH Vorarlberg sieht „gravierende Auswirkungen“: Für Jüngere würden sich die Perspektiven in vielen Bereichen verschlechtern. In Bezug auf Sicherheit, Klima, Pensionen und eben auch Wohnen: „Wenn Eigentum für immer mehr unerschwinglich wird, bewirkt das ebenfalls etwas: Die Motivation, etwas zu schaffen, sinkt, es geht ein positiver ,Drive‘ verloren, sich für sich selbst, aber auch zum Vorteil aller einzusetzen.“
Was tun? „Wichtig wäre es, mehr gemeinnützigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, meint Ferdinand Koller, der auch bei der ARGE Wohnungslosenhilfe dabei ist: „Davon würden Junge besonders profitieren.“

Wolfgang Amann knüpft bei den Bodenpreisen an. Eigentum scheitere in Vorarlberg oft auch daran. Die Preise hätten sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht und seien damit wesentlich stärker und auf ein noch höheres Niveau gestiegen als in anderen Bundesländern. Es würde seines Erachtens jedoch Möglichkeiten geben, gegenzusteuern.

Wien könnte demnach ein Vorbild sein. Dort werde bei der Raumordnung angesetzt, gebe es bei einer Umwidmung auf Wohnbebauung die Plicht, zwei Drittel der Fläche für geförderten Wohnbau zur Verfügung zu stellen. Und zwar zu einem vorgegebenen Preis, der weit unter dem Marktpreis liege. So würden Rahmenbedingungen für mehr leistbare Miet-, aber auch Eigentumswohnungen geschaffen werden, erklärt Amann.