Männer gingen früher in Pension

2025 ist das Antrittsalter in Vorarlberg leicht gesunken. Experten sehen Handlungsbedarf.
SCHWARZACH. Seit Jahren lehnen Regierende eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters mit der Begründung ab, dass es darauf ankomme, dass das tatsächliche Pensionsalter steigt. Das tut es jedoch nicht immer. Beispiel Vorarlberg: Im vergangenen Jahr ist es bei unselbstständig beschäftigten Männern hierzulande leicht, aber doch gesunken; und zwar von 61,8 au 61,7 Jahre.

Das ist Daten der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zu entnehmen. Als eine Erklärung dafür gilt ein Vorzieheffekt: Wer konnte, hat geschaut, in den Ruhestand wechseln zu können, ehe mit heuer verschärfte Zugangsbestimmungen bei der Korridorpension wirksam geworden sind. Bei ihr steigt das frühestmögliche Antrittsalter schrittweise von 62 auf 63 Jahre sowie die erforderliche Versicherungszeit von 480 auf 504 Monate.
Dadurch sollte das Pensionsantrittsalter von Männern hierzulande wieder steigen. Allein: In welchem Ausmaß es das österreichweit tun wird, ist dem Sozialexperten Wolfgang Mazal zufolge offen. Kar ist für ihn lediglich, dass es nicht reichen wird.

Die Regierung hat einen Nachhaltigkeitsmechanismus fixiert, der vorsieht, dass 2030 allenfalls weitere Reformen auf den Weg gebracht werden. Laut Mazal sollte man nicht so lange warten. „Man sollte den Menschen reinen Wein einschenken“, sagt er: „Auch im Sinne des Vertrauensschutzes wäre es angebracht, jetzt zu beschließen, dass das gesetzliche Pensionsalter ab 2035 moderat steigen wird.“ Moderat heiße, um ein halbes Jahr pro Jahr oder um zwei Monate pro Halbjahr.
Wie wirkungsvoll das sei, sehe man bei den Frauen: Bei ihnen wird das gesetzliche Pensionsalter bis 2033 an jenes der Männer (65) angeglichen. Derzeit beträgt es 61,5. Folge: Nach einem Rückgang davor ist das durchschnittliche Antrittsalter hierzulande in ihrem Fall zumindest im vergangenen Jahr gestiegen. Und zwar von 59,3 au 59,7. Gleichzeitig ist die Zahl der Pensionszugänge eingebrochen

Viele haben länger arbeiten müssen. Ein Teil war aber auch arbeitslos. Das leitet über zu einem Problem: Bei dem Ganzen gebe es „viel Licht und viel Schatten“, betont die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber. „Schatten“ steht für eine Altersarbeitslosigkeit, die ihren Angaben zufolge „sehr hoch bleiben“ dürfte.
Auch das erhöht jedoch den Reformdruck: Laut Mayrhuber sind die Einsparungseffekte, die sich die Regierung unter anderem durch Verschärfungen bei der Korridorpension erhofft, „aus heutiger Sicht kaum erreichbar“.

„Wir haben bereits zentrale Reformen im Pensionsberiech umgesetzt, um die Ausgabendynamik im Zaum zu halten“, betont Johannes Gasser. Der Mellauer arbeitet als Neos-Sozialsprecher in der Regierungskoalition daran mit. Heuer werde mit einer Stärkung der betrieblichen Vorsorge ein weiterer Schritt folgen. Alle Maßnahmen müssten ihre Wirkung erst entfalten. Auch für Gasser ist jedoch absehbar: „Um das Budget zu sanieren und das System langfristig abzusichern, braucht es sicher noch weitere Schritte.“