“Niemand soll im Regen stehen” – Schmidts Plan für eine sichere Sportkarriere
Staatssekretärin Michaela Schmidt spricht bei “Vorarlberg LIVE” über Österreichs Olympia-Chancen, Bewegungsarmut bei Kindern, das umstrittene Nationalstadion und den Fall Altach.
Der Vorfall rund um einen Ex-Funktionär des SCR Altach, der Kameras in einer Damenumkleide installiert haben soll, beschäftigt Schmidt tief. “Wenn wir mehr Kinder in Vereine bringen wollen, müssen sie sich dort sicher fühlen.” Prävention sei zentral: “Viele Vereine haben Schutzkonzepte. Aber wir müssen nachschärfen – aus jedem Fall lernen.”
Deshalb arbeitet Schmidt an einer zentralen, unabhängigen Integritätsstelle für den österreichischen Sport. Vorbilder dafür seien die Schweiz und Finnland: “Eine Anlaufstelle für Betroffene, die unabhängig agieren kann – das fehlt bei uns noch.” Der Fall Altach solle zur Aufarbeitung beitragen, nicht zur Vorverurteilung: “Der Verein hat geantwortet, wir sind im Gespräch.” In der Causa wurden nun bereits Strafanträge (sprich Anklagen) gegen den Beschuldigten bei Gericht eingebracht, wie Simon Mathis, Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, den VN auf Anfrage bestätigte.
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Auf dem Weg nach Italien
Wenn am 6. Februar in Italien die Olympischen Winterspiele beginnen, drückt eine besonders fest die Daumen: Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt. Österreich habe 2025 bereits ein starkes Sportjahr hinter sich, betont sie im Gespräch mit VOL.AT-Sportchef Simon Bitriol: “Die Alexandrini-Schwestern im Schwimmen, der Finaleinzug der U17, die Quali zur Fußball-WM – ich bin überzeugt, dass wir diesen Schwung auch nach Italien mitnehmen können.”
Ob sie mit einer konkreten Medaillenzahl rechne? Schmidt winkt ab: “Ich will den Druck nicht erhöhen. Jeder, der dort antritt, hat Opfer gebracht. Mein Job ist es, ihnen Erfolg zu wünschen.”

Der Sport beginnt im Kindergarten
Doch wie kommt man überhaupt zu Olympia? “Wir müssen alle Kinder erreichen – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort”, sagt Schmidt. “Wenn wir nicht früh genug ansetzen, verlieren wir Talente.” Vorarlberg habe mit seinen vielen engagierten Vereinen ein stabiles Fundament, betont sie. “Aber: Es braucht bundesweit bessere Rahmenbedingungen. Und wir müssen Beruf und Sport vereinbarer machen.”
Ein neuer Baustein sei die Kooperation mit der ÖBB: Ab 2026 können auch dort Spitzensportlerinnen und -sportler eine berufliche Ausbildung absolvieren. “Das ist ein Schritt, der auch die Bundesländer direkt stärkt – denn nicht jeder will dafür nach Wien ziehen.”

Bewegung ist Bildung
Ein Herzensprojekt der Staatssekretärin ist die tägliche Bewegungseinheit in Kindergärten und Volksschulen. Rund 3000 Bewegungscoaches wurden bereits ausgebildet, viele von ihnen stammen direkt aus den Sportvereinen. “Das Ziel ist klar: Wir wollen alle Kinder erreichen. Realistisch ist ein 50-Prozent-Ausbau in den kommenden Jahren – aber dafür brauchen wir Personal, das langfristig planen kann.”
Kritik, dass man besser in den klassischen Schulsport investieren solle, kontert Schmidt pragmatisch: “Wir haben schlicht zu wenige Turnlehrer. Gleichzeitig haben viele Vereinstrainer Zeitressourcen. Wenn wir die bündeln, profitieren alle – speziell die Kinder.”
In Vorarlberg, wo Platz und Infrastruktur oft knapp seien, brauche es zudem kreative Lösungen: “Bewegung muss nicht immer im Turnsaal stattfinden. Parks, Außenflächen – das geht alles”, meint Schmidt.
Externe Hallenzugänge für Vereine
Mit einer österreichweiten Datenbank will Schmidt Klarheit schaffen: Wo gibt es welche Sportstätten? Welche sind überbelegt, welche ungenutzt? Gerade im Bereich Schwimmen ortet sie große Lücken: “Zu viele Kinder können nicht schwimmen. Das ist nicht nur sportlich, sondern sicherheitstechnisch ein Problem.”
In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium wird künftig bei Neubauten ein externer Zugang zu Turnsälen verpflichtend. Digitale Zutrittssysteme sollen rechtliche Bedenken ausräumen und Vereinen mehr Trainingszeiten ermöglichen – auch in Vorarlberg, wo Hallenzeiten besonders gefragt sind.
Das Nationalstadion? Nur, wenn es mehr kann
Ein Fußball-Nationalstadion für Österreich? Ja, aber nur unter Bedingungen, sagt Schmidt: “Fünf Spiele pro Jahr reichen nicht. Es braucht ein multifunktionales Konzept – für Konferenzen, Sportarten, Events.” Derzeit werde geprüft. “Aber zuerst brauchen wir ein Konzept – dann reden wir übers Budget.”

Zwei magere Jahre für die Verbände
Die Kürzung der Sportförderung 2025 um zehn Prozent sorgt für Kritik. Schmidt verweist auf Rücklagen und versichert: “Ab 2027 sind die Mittel wieder voll da. Alle Beteiligten wissen Bescheid – wir haben eng abgestimmt.” Es sei wichtiger gewesen, Planungssicherheit zu geben, als kurzfristige Zusagen zu machen.
Gleichzeitig kündigt sie neue Förderkriterien an – weg vom “Gießkannenprinzip”. Ein Beispiel: “Mit einer Sportstätten-Datenbank können wir gezielt dort investieren, wo es wirklich fehlt.”
Medienförderung: Qualität statt Quote
Als zuständige Staatssekretärin für Medien will Schmidt die Journalismusförderung von 80 auf 105 Millionen Euro anheben. Entscheidend sei aber: “Wer bekommt wie viel – und warum?” Kriterien für Qualitätsjournalismus werden derzeit erarbeitet, im Dialog mit der Branche. Eine politische Einflussnahme müsse ausgeschlossen sein. “Es darf nicht sein, dass Medien, die kritisch berichten, benachteiligt werden.”
Wohnen in Vorarlberg: “Lage besonders dramatisch”
Auch das Thema Wohnen fällt in Schmidts Zuständigkeit und da hat sie vor allem für den Westen klare Worte: “In Vorarlberg oder Salzburg ist die Lage dramatischer als anderswo.” Ein Mietpreisdeckel wurde eingeführt, die Bindung an die Inflation gebremst. Eine Erhöhung der Grundsteuer lehnt sie nicht prinzipiell ab, verweist aber auf die Gemeinden: “Sie sollten entscheiden dürfen, ob sie mehr Einnahmen für Infrastruktur brauchen oder nicht.”
Für neue Wohnungen setzt Schmidt auf öffentlichen Wohnbau. “Das belebt auch die Baukonjunktur – und hilft den Menschen.” Zudem müsse ungenutzter Wohnraum – etwa durch Airbnb oder Zweitwohnsitze – wieder zugänglich gemacht werden. “Wohnraum gehört zuerst denen, die hier leben und arbeiten.”
(VOL.AT)